Von Peter Coy
21. Dezember 2007 Rund 350 Milliarden Euro oder eine halbe Billion Dollar sind selbst für eine Notenbank kein Pappenstiel. Doch genau diese Summe stellte die Europäische Zentralbank am 18. Dezember mittels kurzfristiger Refinanzierungsgeschäfte bereit, um die Spannungen an den Geldmärkten zu mindern, die durch Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe entstanden sind.
Diese Liquiditätsflut führte zu einem rasanten Rückgang der Zinsniveaus für kurzfristige in Euro lautende Interbankenkredite um ein halbes Prozent. Diese Maßnahme reicht jedoch nicht aus, um die globale Kreditklemme zu beseitigen. Wenn härtere Zeiten anbrechen, ähnelt das Verhalten von Banken nämlich jenem von Eichhörnchen vor dem Winter oder dem von Florida vor einem drohenden Wirbelsturm: sie legen Vorräte an. Banken vergeben Kredite nur noch widerwillig, wenn sie befürchten, diese Geldmittel selbst zu benötigen, etwa weil der Wert ihrer mit zweitklassigen Hypothekenkrediten besicherten Wertpapiere am Ende um einige Milliarden Dollar niedriger ausfällt als vermutet. Zwar können Zentralbanken praktisch unbegrenzt Kredite vergeben, sie können die Banken jedoch nicht zwingen, diese auch in Anspruch zu nehmen, so Joshua N. Feinman, Chefvolkswirt von Deutsche Asset Management.
Es wäre also ein frommer Wunsch anzunehmen, dass die Kreditklemme Anfang 2008 nachlassen wird. Händler rechnen sogar mit einer Fortsetzungen der angespannten Situation bis ins Jahr 2009 hinein. Ein Hauptindikator hierfür ist das erhöhte Niveau des so genannten Swap-Satzes, der von der Kreditvergabebereitschaft der Banken untereinander abhängt. Der zweijährige Swap-Satz, der die gegenwärtigen Erwartungen hinsichtlich der Kreditbedingungen bis Ende 2009 widerspiegelt, liegt derzeit 0,82 Prozentpunkte über der Rendite zweijähriger Staatsanleihen. Dieser Spread ist zwar geringer als noch am 11. Dezember, als er 1,04 Prozentpunkte betrug, liegt aber noch immer weit über den zu Jahresbeginn 2007 verzeichneten 0,36 Prozentpunkten. Der zweijährige Swap-Satz zeigt eindrücklich, wie irrsinnig die Lage geworden ist, meint Mary Beth Fisher, Zinsstrategin bei UBS Securities.
Zentralbanken auf neuen Wegen
Im Kampf gegen die Kreditklemme gehen die Zentralbanken auch neue Wege, um die Banken zu animieren, Kreditmittel bei Bedarf in beliebiger Höhe abzurufen. So erhöhte die Europäische Zentralbank die Liquiditätsversorgung mit einem außerordentlichen 16-tägigen Refinanzierungsgeschäft - ausreichend, um Liquiditätsengpässe um den Jahreswechsel herum auszugleichen - zu einem Satz von 4,21 Prozent. Mit ihren Mitteln in Höhe von umgerechnet 500 Milliarden Dollar stellte die von Präsident Jean-Claude Trichet geführte EZB mehr als das Doppelte des Betrags bereit, den Banken voraussichtlich in Anspruch nehmen würden.
Darüber hinaus pumpten Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks Dollar-Liquidität auf die weltweiten Märkte. Die EZB betrat mit dieser Dollar-Zuteilung Neuland, aber auch die Fed begab sich mit einem neu eingeführten Instrument auf unbekanntes Terrain. Am 19. Dezember verkündete sie das Ergebnis ihrer ersten Term Auction Facility. In diesem Versteigerungsverfahren wurden Banken Kreditmittel im Umfang von 20 Milliarden Dollar zu einem Satz von 4,65 Prozent zugeteilt.
Hilfe kommt von außerhalb des Bankensystems
Aufgrund von Inflationssorgen verzichteten EZB-Chef Trichet, Fed-Präsident Bernanke und andere Zentralbanker auf den Einsatz ihrer schärfsten Instrumente - drastische Kürzungen ihrer maßgeblichen Zinssätze. Stattdessen schöpfte die EZB am 19. Dezember umgerechnet rund 200 Milliarden Dollar und damit einen Gutteil des am Vortag zugeteilten Rekordbetrags ohne großes Aufsehen wieder vom Markt ab. In einer Rede vor dem Europäischen Parlament erklärte Trichet, dass sein Ziel darin bestehe, die Funktionsfähigkeit des Geldmarktes zu garantieren und zugleich die Inflationsrate niedrig zu halten. Ich möchte erneut betonen, dass es sich hierbei um zwei grundverschiedene Verantwortungsbereiche handelt, die nicht miteinander verwechselt werden sollten.
Was Zentralbanken jedoch nicht leisten können, ist die Bereitstellung von frischem Kapital zur Stärkung angeschlagener Bankbilanzen. Dies dürfte größtenteils von Akteuren außerhalb des Bankensystem vorgenommen werden, beispielsweise von Staatsfonds aus Asien und dem Nahen Osten, sagt Lewis Alexander, Chefvolkswirt der Großbank Citigroup (die erst vor kurzem eine 7,5 Milliarden Dollar schwere Kapitalspritze von der Abu Dhabi Investment Authority erhielt). In der Zwischenzeit ist damit zu rechnen, dass Banken angesichts der anhaltenden Schwäche auf dem amerikanischen Häusermarkt weiterhin Gelder horten werden.
Der Autor ist Reporter bei Business Week,
Text: Business Week Online
| Name | Punkte | Prozent |
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| Dax | 4.861,46 | +6,98 |
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| STOXX 50 | 2.574,17 | +6,29 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 9,30 | +5,32 |
| Euro/Dollar | 1,36 | -0,10 |
| Bund Future | 114,69 | +0,02 |
| Gold | 856,20 | +1,04 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |