Rentenmärkte

Reale Anleiherenditen sind tief

16. April 2008 Es ist wieder einmal soweit. Die Wirtschafts- oder Unternehmensmeldungen mögen noch so schlecht sein, aber die Börsen boomen zumindest kurzfristig. Denn die Daten „waren besser als erwartet“, wie es regelmäßig heißt, wenn sich Anleger Kursbewegungen sonst nicht logisch erklären können.

So kann der Gewinn bei Intel schrumpfen, der Gewinn bei JPMorgan Chase kann im ersten Quartal um 50 Prozent einbrechen, der amerikanische Immobilienmarkt verzeichnet die geringsten Baubeginne seit 17 Jahren, sowie die höchsten Überbestände und Insolvenzen seit Jahren, während die amerikanischen Produzentenpreise mit 6,9 Prozent auf dem höchsten Niveau seit mehr als 25 Jahren verharren. Selbst die hohe, statistisch unterschätzte Inflationsrate scheint zunächst keine Rolle zu spielen.

Seltsame Kombination zwischen schwachem Wirtschaftswachstum und inflationären Tendenzen

Dabei deutet angesichts der hohen Energie- und Rohstoffpreise vieles auf eine unheilvolle Kombination zwischen schwachem Wirtschaftswachstum und inflationären Tendenzen hin. Sie wäre unter normalen Umständen nicht sonderlich positiv für Unternehmen. Zumindest nicht für jene, die über keine Preissetzungsmacht verfügen, da ihre Margen unter Druck geraten dürften. Dagegen sind Aktien von Unternehmen, die steigende Kosten über ihre Verkaufspreise weitergeben können, ein guter Inflationsschutz.

Auch Anleihen müssten deutlich in die Defensive geraten. Immerhin liegt die Nominalrendite amerikanischer Treasuries mit einer Laufzeit von zehn Jahren mit 3,62 Prozent unter der amerikanischen Inflationsrate von vier Prozent und noch deutlicher unter den Zuwächsen der Produzentenpreise von 6,9 Prozent auf Jahresbasis. Das heißt, kurz laufende Zinspapiere in den Vereinigten Staaten verzeichnen längst negativ Realrenditen. Wer sollte sich solche Papiere noch ins Depot legen, außer renditeinsensitiven Anlegern, wie chinesischen Staatsfonds? Sie legen auf diese Weise nur den „Dollar-Abfall“ an, der durch die Interventionen am Devisenmarkt anfällt, um auf diese Weise den Yuan trotz der massiven Handelsbilanzüberschüsse und trotz der auch in China rasant steigenden Inflation tief zu halten.

Ähnliche Überlegungen gelten jedoch auch für Europa. Mit einer Nominalrendite von vier Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen ist bei einer europäischen Inflationsrate von 3,6 Prozent auch hier der reale Ertrag nicht mehr sonderlich hoch. In Japan ist die Realrendite inzwischen sogar so negativ, wie in den Vereinigten Staaten: Die Nominalrendite zehnjähriger Staatsanleihen liegt bei 1,4 Prozent - die japanische Inflationsrate dagegen beträgt 1,8 Prozent.

Stark steigende Produzenzenpreise dürften letztlich an die Konsumenten weitergegeben werden

Es heißt zwar immer wieder, solche Vergleiche seien unsinnig, da die Preise der realwirtschaftlichen Entwicklung hinterherhinkten. Eine schwache Konjunktur werde dazu führen, dass die Preise künftig fallen würden. In diesem Sinne seien Preisindikatoren schlechte Ratgeber und sollten ignoriert werden. Das mag zwar in den vergangenen Jahren gegolten haben, als Produktions- und Handelsunternehmen Preisimpulse durch die Verlagerung von Standorten oder durch den Einkauf in „Billigländern“ kompensieren und auf diese Weise disinflationäre Effekte in die Industriestaaten importieren konnten.

Damit scheint es allerdings vorbei zu sein. Denn die hohen Rohstoffpreise sind ein globales Phänomen und sie zeigen sich inzwischen auch im letzten Winkel der Welt. Alleine schon die sozialen Unruhen der vergangenen Tage in verschiedensten Regionen aufgrund hoher Lebensmittelpreise machen das deutlich.

Stark steigende Produzenzenpreise dürften eher früher als später an die Abnehmer und letztlich an die Konsumenten weitergegeben werden. In diesem Sinne scheint es ratsam zu sein, die Rentenmärkte eher kritisch als konstruktiv zu betrachten. Gerade in den Vereinigten Staaten scheinen die Zinsen angesichts der gegebenen Konstellation und des verfallenden Dollars beinahe schon fahrlässig tief zu sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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