20. Januar 2005 Die Entwicklung im Zinsbereich ist unentschiedener denn je. Denn auf der einen Seite erwarten Anleger und Strategen schon seit Monaten steigende Renditen an den Rentenmärkten, ohne daß sie mit dieser Erwartung recht gehabt hätten. Denn abgesehen von kürzeren Korrekturen zeigt zumindest in Europa der Trend bei den Kursen - gemessen am Bund-Future - weiterhin nach oben. Auch in Amerika scheint die Lage am Rentenmarkt angesichts steigender Leitzinsen stabiler zu sein, als vielfach im Vorfeld befürchtet wurde.
Der Future auf die auf Grund ihrer langen Laufzeit zinsempfindliche 30-jährige amerikanische Treasury ist zwar längst von seinem jüngsten Hoch bei 123 3/32 entfernt, aber nach zwei zwischenzeitlichen Kurseinbrüchen sogar bis unter 103 Prozent konnte sich der Kontrakt immer wieder erholen. Aktuell liegt er bei 113 24/32. Die Rendite einer 30-jährigen Treasury liegt bei 4,69 Prozent und damit deutlich unter dem Zwischenhoch von 5,562 Prozent im Mai des vergangenen Jahres. Beim Bund-Future und damit den europäischen Rentenmärkten sieht es nicht viel anders aus. Mit 3,627 Prozent liegt auch hier die Rendite deutlich unter den 4,492 Prozent vom Juni des vergangenen Jahres.
Die Rentenmärkte halten sich vergleichsweise gut ...
Die Rentenmärkte scheinen damit den von den Börsianern gespielten Konjunkturoptimismus nicht zu teilen. Dementsprechend scheinen sie auch keine oder nur geringe Sorge über das Anziehen der Preise zu machen. Sie scheinen sie sich von den verschiedenen Inflationsindizes leiten zu lassen. Dabei laufen sie allerdings Gefahr, andere Anzeichen für anziehende Preise zu übersehen oder einfach zu ignorieren. Dazu zählen beispielsweise die Preisentwicklungen bei Rohstoffen, bei Immobilien in den angelsächsischen Staaten und Südeuropa und nicht zuletzt auch am Rentenmarkt selbst.
So mögen die Trends bei den Anleihekursen zumindest in Europa weiterhin nach oben zeigen. Aber die Möglichkeit einer unter Umständen größeren Korrektur nimmt zu. Denn die amerikanische Wirtschaft nähert sich auf Grund der gewaltigen Impulse der vergangenen Monate und trotz aller Ungleichgewichte der Kapazitätsgrenze. Wenn sie erreicht wird, könnten die Preise urplötzlich deutlicher anziehen, als das jetzt schon in den Kerninflationsraten zu sehen ist. Außerdem kann dieser Effekt verstärkt werden durch den deutlich schwächer gewordenen Dollar. Er macht die Importe aus dem Ausland teurer und nimmt die Kapazitäten im Inland indirekt stärker in Anspruch.
... aber die kurzen Zinsen ziehen zumindest in Amerika deutlich an
Daneben könnten die Güterpreise einen weiteren Schub erhalten, wenn China seine Währung aufwerten lassen würde. Denn in dem Moment würden die anderen Währungen in Asien mitziehen und die Güter der Region in Europa und Amerika verteuern. Bisher waren vor allem sie es, die die Güterpreise - also für eletronische Geräte, Autos et cetera - auf Grund der manipulierten Währungen tief gehalten und gleichzeitig die Rentenmärkte in unvorstellbare Höhen getrieben hatten. Mit einer Aufwertung Asiens würde folglich auch das weltweite Preisgefüge auf den Gütermärkten in Bewegung geraten.
Aus diesen Gründen scheint es ratsam zu sein, die Rentenmärkte kritisch zu betrachten und das Geld eher kurzfristig zu parken, zum Beispiel im Festgeldbereich. Das hat Vorteile. Erstens gibt es kein Kursrisiko. Zweitens kann man das Geld später möglicherweise zu günstigeren Bedingungen als bisher anlegen. Zumindest in Amerika haben die von der Zentralbank beeinflußbaren kurzfristigen Zinsen schon deutlich angezogen. So kann es sich lohnen, Geld in kurzfristigen Anlegeformen zu parken, um es dann nach Ende der Laufzeit immer wieder in höhere Zinsen hineinzurollen. Selbst in Deutschland gibt es Angebote mit bis zu vier Prozent (siehe Link) für eine Anlage bis zu drei Monaten und für eine begrenzte Summe. Aber das ist im Vergleich mit der Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe von 3,57 Prozent und den damit verbundenen Risiken hoch interessant. Allerdings sollte man auch hier bei der Wahl der Bank immer auf die Bonität achten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.957,44 | +0,20% |
| TecDAX | 812,35 | +0,17% |
| MDAX | 7.472,43 | −0,16% |
| SDAX | 3.554,37 | −0,21% |
| REX | 377,93 | 0,00% |
| Eurostoxx 50 | 2.957,48 | +0,40% |
| Dow Jones | 10.466,40 | +0,01% |
| Nasdaq 100 | 1.851,99 | +0,68% |
| S&P500 | 1.120,59 | +0,23% |
| Nikkei225 | 10.378,00 | +1,91% |
| EUR/USD | 1,4335 | 0,00% |
| Rohöl Brent Crude | 76,25 $ | +1,06% |
| Gold | 1.085,25 $ | +0,12% |
| Bund Future | 121,84 € | −0,42% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
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|---|---|---|---|
Aktien-Index23.12.2009 13:00 |
1405,08 | 1350,70 | 1296,93 |
Performance-Index23.12.2009 17:35 |
309,39 | 298,41 | 284,02 |
Euro-Aktien-Index23.12.2009 17:35 |
145,73 | 141,42 | 130,49 |
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