Staatsanleihen

Unwägbarkeiten für rumänische Bonds nach EU-Beitritt gestiegen

04. Januar 2007 Der Euro-Anleihenmarkt brachte 2006 kein gutes Jahr hinter sich. Wer auf weitere Kurssteigerungen gehofft, musste häufig nach einiger zeit einsehen, dass er sich getäuscht hatte. Wer dabei zu spät eingestiegen war, der musste sogar unter Umständen Ertragseinbußen beklagen.

Osteuropäische Anleihen, deren Kurse durch Konvergenz- wie Reformhoffnungen gleichermaßen nach oben getrieben worden waren, verzeichneten deutliche Verluste - entweder weil sich die Wirklichkeit als nicht so positiv wie erhofft herausstellte, so im Falle Ungarn oder auch Polen. Oder aber einfach nur, weil sie eben näher rückte und damit die Phantasie entwich, während sich gleichzeitig die Bedingungen für Eurobonds generell eintrübten.

Neue Leu- und Euro-Bonds angekündigt

Diese Erfahrungen mussten neben den Inhabern bulgarischer auch die rumänischer Anleihen machen. So fiel der Kurs der im Juni 2008 fälligen und mit 10,625 Prozent verzinsten Rente im abgelaufenen Jahr um nicht weniger als 7,2 Prozent. Die länger laufenden Papiere hielten sich etwas besser. Der 2012 fällige und mit 8,5 Prozent verzinste Bond gab um sechs Prozent nach, die 2010 fällige und mit 5,75 Prozent verzinste Anleihe um 4,2 Prozent.

Wer angesichts des immer noch hohen Kursniveaus auf neue Titel gehofft hatte, sah sich gleichfalls enttäuscht. Auch wenn Rumäniens Finanzminister Sebastian Vladescu bereits in der ersten Jahreshälfte gesagt hatte, sein Ministerium erwäge, internationale Anleihen zu emittieren, so geschah weiter nichts.

Möglicherweise wollte man auch nicht den zu Jahresbeginn erfolgten Beitritt zur Europäischen Union gefährden. Denn kaum ist dieser vollzogen, so meldete sich der Finanzminister zu Wort und kündigte an, das Land werde voraussichtlich erstmals seit 2003 wieder Geld am internationalen Finanzmarkt aufnehmen.

Haushaltsdefizit schwillt deutlich an

Diese Ankündigung einer neuerlichen Verschuldung fällt zusammen mit anderen Entscheidungen, die eine Lockerung der Haushaltsdisziplin erkennen lassen. Im Dezember hatte das Parlament Ausgabenpläne genehmigt, die das Haushaltsdefizit von einem Prozent im vergangenen Jahr auf 2,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in diesem Jahr anschwellen lassen werden.

Gleichzeitig räumte der Finanzminister ein, dass sein Ministerium am 28. Dezember erstmals seit fast drei Jahren ein Defizit verbucht habe. Die derzeitige Gesetzgebung erlaubt Rumänien nur bei einem Haushaltsdefizit, sich über Anleihe-Emissionen Gelder zu beschaffen. Das ist zwar eine zahnlose Bestimmung, da es sich im Überschussfall ja lediglich um Kassenkredite handelt, es deutet aber an, dass es dem Land diesmal ernst zu sein scheint.

Die Regierung plant für 2007 eine Emission im Volumen von 500 Millionen Euro auf dem internationalen Markt. Außerdem hat sie Vladescu zufolge vor, erstmals seit September 2005 auf dem inländischen Markt Anleihen auflegen. Zu den geplanten Laufzeiten oder Emissionszeitpunkten der in diesem Jahr geplanten Neuemissionen wollte sich Vladescu aber nicht äußern.

Sozialausgaben und Subventionen steigen

Auch die Verwendung der Emissionserlöse lässt nichts Gutes ahnen. Die Regierung von Premierminister Calin Tariceanu will vor allem erheblich mehr für das Gesundheits- und Erziehungswesen und die Landwirtschaft ausgeben. Durch Investitionen kann sich das Land nach seinem Beitritt zur EU am 1. Januar 2007 Mittel in gleicher Höhe aus EU-Strukturfonds für Beitrittsländer sichern.

Insofern stellt sich die Haushaltsdisziplin der vergangenen Jahre plötzlich als Mittel zum Zweck dar - namentlich zur Erlangung von Zuschüssen aus dem EU-Haushalt. Rumänien erwirtschaftete 2005 ein Bruttoinlandsprodukt, das pro Kopf 34 Prozent des EU-Durchschnittswerts erreichte. Damit ist es Daten von Eurostat zufolge das zweitärmste Land der EU nach Bulgarien, das gleichfalls zum Jahresbeginn der EU beigetreten ist.

Sollten die Umstände der offenbar bevorstehenden Anleihenemission wirklich ein schlechtes Omen sein, so könnten Anleger nicht unbedingt Freude. Moody's stufte die Bonität des Landes im Oktober zuletzt auf Baa3 und damit Investment-Grad-Status hoch. Standard & Poor's hatte das Rating der Anleihen im September mit „BBB-“ gleich benotet.

Investment-Grad-Rating könnte gefährdet werden

Sollte sich die fiskalische Disziplin also dauerhaft lockern, könnte Rumänien seinen Investment-Grad-Status wieder verlieren. Das dürfte dann Kursverluste nach sich ziehen. Andererseits könnte ein Warnschuss der Agenturen die Finanzierungskonditionen verbessern.

Da Kupons derzeit nicht gerade üppig sind, lässt sich hier auf einen Bonus hoffen. Und immerhin kann man spekulieren, dass die EU eines ihrer Mitglieder im Zweifel nicht fallenlassen wird. Das macht indes deutlich, dass die Unwägbarkeiten für rumänische Anleihen sich nach dem EU-Beitritt plötzlich gewachsen zu sein scheinen.

Insofern sollte man die Fiskalpolitik des Landes in den kommenden Monaten sehr genau beobachten und rumänische Anleihen gegebenenfalls untergewichten bzw. überlegen, ob die bevorstehende Emission die Risiken angemessen vergütet.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET

 
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