Anleihen

Islamische Anleihen kommen immer mehr auf

30. September 2003 Was ist der Unterschied zwischen einer „normalen“ Anleihe und einer „islamischen“ Anleihe? Im Prinzip keiner. Im Detail allerdings schon. Denn während die Käufer und damit Gläubiger einer Anleihe normalerweise vom Verkäufer und damit dem Schuldner regelmäßige Zinszahlungen während der Laufzeit des Papieres erhalten und ganz am Ende das Nominalkapital, so ist das nach islamischer Rechtsprechung nicht möglich. Denn der Islam verbietet das Zahlen und Entgegennehmen von Zinsen generell.

Aus diesem Grund werden bei islamischen Anleihen Zinszahlungen vermieden. Statt den Kupons erhält der Gläubiger einer jüngst vom Wüstenstaat Katar ausgegebenen Dollar-Anleihe im Nominalwert von 700 Millionen Dollar keine Kuponzahlungen, sondern Pachteinnahmen von der Regierung für ein Gelände nahe der Hauptstadt Doha. Ein Zertifikat, das den Wert repräsentiert, nennt sich Sukuk. Die Citibank und HSBC betrachten das Geschäft mit solchen Zertifikaten als Wachstumsmarkt. Sie haben sogar islamische Gelehrte konsultiert, um sicherzugehen, daß solche Konstruktionen für islamische Anleger auch geeignet sind.

Markt expandiert ...

Die Nachfrage jedenfalls scheint da zu sein. Denn die Katar-Anleihe war schnell ausverkauft. Allerdings ging ein großer Teil der Anteile an Anleger, die nicht unbedingt dem Islam nahestehen. Fakt ist jedenfalls, daß der Markt mit islamischen Anleihen, der vor 15 Monaten noch nicht existierte, mit der jüngsten Emission schon ein Volumen von 1,7 Milliarden Dollar erreicht hat. Malaysia hatte im vergangenen Jahr 700 Millionen Dollar emittiert, die Islamische Entwicklungsbank brachte Papiere im Wert von 400 Millionen Dollar auf den Markt, die Philippinen und die Türkei könnten folgen.

Auf Grund der starken Nachfrage könnte Katar weitere islamische Anleihen emittieren, mit dem Ziel, eine „Benchmark“ zu schaffen. An der könnten dann mögliche Unternehmensanleihen gemessen werden. So wie die europäischen Unternehmensanleihen mit den Bundesanleihen oder die amerikanischen mit den Treasuries.

Renditen allerdings nicht sonderlich attraktiv

Bisher haben die islamischen Anleihen gut abgeschnitten. So ist die Rendite der Papiere der Islamischen Entwicklungsbank in den zwei Monaten seit der Emission auf Grund der starken Nachfrage von 3,6 auf 3,45 Prozent gefallen. Das ist vergleichsweise uninteressant. Auch die Rendite der bis ins Jahr 2009 laufenden „normalen“ Anleihe von Katar mit einem Kupon vom 9,5 Prozent scheint mit einer Rendite von 3,825 Prozent in der Mitte bei einem Rating von A+ nicht sonderlich attraktiv zu sein.

Da sähen die bis ins Jahr 2030 laufenden Papiere schon besser aus. Denn die liegen mit einer Rendite von 6,62 Prozent immerhin 1,74 Prozentpunkte über 30-jährigen Treasuries. Die Frage ist allerdings, ob man sich als Anleger bei solchen Papieren trotz aller Bonität so lange engagieren will. Denn in 27 Jahren kann in dieser Region viel passieren.

Text: @cri

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