27. November 2009 Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte in der kommenden Woche weitere konkrete Schritte zu einer weniger expansiven Geldpolitik beschließen. Die meisten Analysten der Banken erwarten, dass die Zentralbank es dieses Mal nicht bei einer Beschreibung des Ausstiegsplans bewenden lassen wird, den Leitzins aber unverändert bei 1 Prozent belässt. "Wir erwarten, dass das einjährige Finanzierungsgeschäft im Dezember das letzte sein wird und dass die EZB einen Zinsaufschlag verlangen wird", schreibt Jürgen Michels, Zinsexperte der Citigroup, in einer Analyse.
Die EZB hat in der Finanzkrise die Liquiditätsversorgung der Banken ausgeweitet, um sie zu stabilisieren. Seit vergangenem Herbst leiht sie den Banken so viel Geld, wie diese wollen, zum Leitzins, und das auch noch mit längeren Laufzeiten. Die üblichen Finanzierungsgeschäfte mit Laufzeiten von einer Woche, einem Monat und drei Monaten sind durch Tender mit sechs und zwölf Monaten Laufzeit ergänzt worden.
Liquiditätsversorgung dürfte demnächst zurückgefahren werden
Da sich die Lage der Banken allmählich gebessert hat und für das kommende Jahr ein kräftiges Wachstum der Wirtschaft erhofft wird, mehren sich die Spekulationen auf eine Rückführung der Liquiditätshilfen. Finanzierungsgeschäfte mit zwölf Monaten Laufzeit wird es schon deshalb nicht mehr geben, weil die EZB nur drei in Aussicht gestellt hat, das letzte für Mitte Dezember. Einen Zinsaufschlag erwarten unter anderen die Citigroup und Fachleute der Allianz, weil sich die Banken sonst für das gesamte kommende Jahr Geld zu 1 Prozent leihen können, obwohl schon jetzt absehbar ist, dass die EZB ihren Leitzins im Laufe des Jahres auf mindestens 1,5 Prozent, vielleicht sogar noch höher, anheben wird.
Trotzdem hält Torsten Sprenger von HSBC Trinkaus einen Zinsaufschlag wegen des geringen Inflationsdrucks im Euro-Raum für unwahrscheinlich. "Wegen der weiterhin sehr schwachen Kreditvergabe wird die EZB alles tun, um den Eindruck einer Zinsanhebung zu vermeiden", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Die jüngsten Konjunkturdaten seien zwar so gut gewesen, dass man rasche Zinserhöhungen rechtfertigen könnte. Aber angesichts der Schwäche des Bankensystems werde die EZB auf belastende Signale verzichten. Sie traue dem Aufschwung noch nicht. Stattdessen sei zu erwarten, dass die in der Finanzkrise ausgeweitete Zahl der ein- und dreimonatigen Finanzierungsgeschäfte verringert werde.
Einige Analysten rechnen auch damit, dass die EZB ihr Kaufprogramm für Pfandbriefe verringern könnte. Sie hat den Ankauf von Titeln für 60 Milliarden Euro beschlossen, um den Markt für mit Krediten besicherte Bankenanleihen zu stabilisieren. Von der angekündigten Summe ist bisher knapp die Hälfte ausgegeben. Der Pfandbriefmarkt ist zwar immer noch nicht wieder so liquide wie vor der Finanzkrise. Aber immerhin können sich die Banken auf diesem Weg wieder Geld verschaffen.
Leitzins dürfte aber noch länger bei 1 Prozent bleiben
Einig sind sich die Beobachter, dass die EZB den Leitzins am Donnerstag nicht verändern und ihn auch noch bis weit ins nächste Jahr bei 1 Prozent belassen wird. Alle 80 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Fachleute erwarten für die kommende Woche keine Leitzinsänderung. Nur zwei rechnen im ersten Quartal 2010 mit einem Schritt nach oben. Die Masse der Befragten erwartet die Zinswende erst für das dritte oder vierte Quartal 2010.
Ein Viertel der Banken - darunter große Kreditinstitute wie Citigroup, BBVA, Barclays, BNP Paribas, Société Générale und Unicredit - kann sich allerdings auch vorstellen, dass die EZB bis zum Anfang des Jahres 2011 stillhalten wird. Diese Erwartung einer lange andauernden Niedrigzinsphase ist auch für die Aktien- und Kreditmärkte von Bedeutung. Denn viele Beobachter erklären die Hausse der vergangenen Monate unter anderem mit der überreichlich vorhandenen und billigen Liquidität.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
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Euro-Aktien-Index09.02.2010 17:35 |
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