Von Markus Frühauf

Immerhin hat die Anleihenplatzierung geklappt: Martin Blessing, Vorstandssprecher der Commerzbank, während einer Pressekonferenz im Herbst
08. Januar 2009 Die Commerzbank hat mit ihrer vom Staat garantierten Anleihe die Erwartungen deutlich übertroffen. Statt des angestrebten Volumens von einer Milliarde bis 2 Milliarden Euro spülte die Emission 5 Milliarden Euro in die Kassen. Dieser Platzierungserfolg sorgt bei der Commerzbank aber keineswegs für Entspannung. Offenbar benötigt das Institut für die angeschlagene Dresdner Bank, deren Übernahme bevorsteht, eine staatliche Kapitalspritze von 10 Milliarden Euro. Hohe Abschreibungen im vierten Quartal haben bei beiden Häusern tiefe Löcher gerissen.
Die Mittel aus der dreijährigen Anleihe, die von dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin), garantiert wird, sollen nach Commerzbank-Angaben ausschließlich zur Refinanzierung des Kreditgeschäfts eingesetzt werden und nicht zur Finanzierung der Dresdner-Bank-Übernahme. Der Soffin verantwortet das von der Bundesregierung für die Kreditwirtschaft geschnürte Rettungspaket über insgesamt 480 Milliarden Euro. Davon entfallen 400 Milliarden Euro auf Garantien für Banken, die restlichen 80 Milliarden sind für Rekapitalisierungen reserviert.
Garantien über 15 Milliarden Euro
Die Commerzbank hat für ihre Anleihen mit der Soffin Garantien über maximal 15 Milliarden Euro vereinbart. Darüber hinaus erhält sie eine Kapitalspritze von 8,2 Milliarden Euro. Die Nachfrage der Investoren für die dreijährige Anleihe soll nach Angaben aus dem Handel bei 9 Milliarden Euro gelegen haben. Der Renditeaufschlag beträgt 30 Basispunkte über der Swapmitte. Dieser Satz beschreibt den Preis für den Tausch fester gegen variable Zinsen und ist in der Bankenfinanzierung eine wichtige Kennziffer. Der Zins für den Commerzbank-Schuldtitel mit Staatsgarantie beträgt rund 3,1 Prozent und liegt damit 1,3 Prozentpunkte über der dreijährigen Bundesanleihe.
Darüber hinaus muss die Commerzbank für die Garantien nach Angaben vom Dezember eine jährliche Gebühr von 0,948 Prozent an den Staat zahlen. Das ist ein zusätzlicher Zinsaufwand von fast 50 Millionen Euro, den die Bank jährlich an den Staat abführen muss. Mit der Garantie werden die Investoren vor einem Ausfall des emittierenden Instituts geschützt. Auf der ganzen Welt haben Regierungen Garantieschirme aufgespannt, damit die Banken die Refinanzierungsmärkte wieder nützen können. Diese waren im Zuge der Finanzkrise weitgehend verschlossen. Die Banken konnten nur zu extrem hohen Risikoaufschlägen Mittel erhalten.
Weitere Notanleihen stehen an
In der nächsten Woche dürften weitere staatlich garantierte Emissionen von deutsche Banken anstehen. Als erster Kandidat gilt die HSH Nordbank. Dabei dürfte ein Volumen von 3 Milliarden Euro angestrebt werden. Der Laufzeitenbereich soll im Drei- und Sechsmonatsbereich liegen. Allerdings sind die genauen Konditionen noch nicht bekannt. Auch die BayernLB soll die Begebung eines garantierten Schuldtitels im Milliardenvolumen vorbereiten.
Die HSH Nordbank hat von der Soffin ein Garantievolumen von 30 Milliarden Euro erhalten. Die Landesbank geht davon aus, rund die Hälfte in Anspruch zu nehmen. Über 15 Milliarden Euro beträgt der Garantierahmen für die BayernLB. Insgesamt erwartet die Soffin, dass deutsche Banken bis zum Ende des Monats Garantien von mehr als 200 Milliarden Euro beantragen werden. Darunter befinden sich neben den genannten Instituten die Hypo Real Estate mit 30 Milliarden Euro und die IKB mit 5 Milliarden Euro.
Insgesamt 180 Milliarden Euro auf der Welt
Auf der ganzen Welt haben die Banken seit Oktober 2008 staatlich garantierte Titel über 180 Milliarden Euro begeben. Die Analysten der Deutschen Bank schätzen, dass europäische Banken in diesem Jahr Garantie-Anleihen über 150 bis 250 Milliarden Euro emittieren wollen. Doch sie bezweifeln, dass die angestrebten Volumina an den Märkten plaziert werden können. Denn die garantierten Bankentitel stehen in Konkurrenz zu den Emissionen von Staaten, die ihre milliardenschweren Bankenrettungs- und Konjunkturprogramme finanzieren müssen. Der Emissionsbedarf staatlicher Emittenten wird in diesem Jahr weltweit auf mehr als 2 Billionen Euro geschätzt.
Am Vortag sorgte das enttäuschende Ergebnis bei der Aufstockung der zehnjährigen Bundesanleihe für Spekulationen, wonach die Investoren nicht mehr gewillt sind, dass enorme Anleihevolumen zu Zinskupons von um die 3 Prozent zu akzeptieren. Doch am Markt wurde die Unterbietung - statt der angestrebten 6 Milliarden beliefen sich die Gebote für die Bundesanleihe nur auf 5,3 Milliarden Euro - mit technischen Faktoren begründet. Die Banken könnten sich die Titel am Sekundärmarkt jederzeit zu dem gleichen Preis besorgen. Es fehle der Anreiz, die Anleihen bei Auktionen zu erwerben, sagte Kornelius Purps, Kreditanalyst bei der Unicredit. Seiner Ansicht nach sind die Unterbietungen seit Anfang des Jahres 2008 nicht außergewöhnlich bei der Auktion von Bundesanleihen.
Allerdings könnte die attraktivere Verzinsung der staatlich garantierten Bankenanleihen auch dafür sorgen, dass die Staaten selbst ihre Emissionsplänen zurückstecken müssen. Denn viele Investoren betrachten die Garantie-Anleihen der Banken als ebenso sicher, da der Staat letztendlich dafür bürgt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance/ dpa
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Was der Sachverständigenrat..........
18:21 18:20Mit Banken geschäften ohne Vertrauen... wie soll das gehen ?