Anleihenmarkt

IKB-Anleihen könnten Mutige locken

18. Februar 2008 Dass die Deutsche Industriekreditbank IKB in der Krise steckt, hat sich mittlerweile ja herumgesprochen, nicht nur am Aktienmarkt, sondern auch am Anleihenmarkt. Indes sind die Reaktionen bisweilen doch recht unterschiedlich.

Während die Aktienkurse am Montag nach Bekanntgabe von Details zum erweiterten Rettungspaket um bis zu 25 Prozent einbrechen, entwickelten sich die Preise der Kreditversicherungen (CDS) am Freitag positiv und engten ihre Aufschläge deutlich ein. Immerhin 329,5 Basispunkte gaben die Spreads für drei Jahre Laufzeit und 463 Basispunkte für siebenjährige Laufzeit nach.

Volatile CDS-Entwicklung

Das ändert allerdings nichts daran, dass die Kontrakte auf Wochensicht wiederum mit einer Ausweitung der Differenz um 253,5 bzw. 100,8 Basispunkte zu den schlechtesten Werten gehörten.

Die Kurse der Inhaberschuldverschreibungen selbst haben sich dagegen sehr unterschiedlich entwickelt. Einige sind abgestürzt, andere haben sich kaum verändert, einige sogar in den vergangenen Wochen Kursaufschläge verzeichnet. Sie spiegeln damit die sehr unterschiedlichen Rückzahlungserwartungen der Anleger wider.

Hohe Renditeaufschläge

Insgesamt notieren die Papiere aber mit deutlichen Aufschlägen. So rentiert die im Mai 2011 auslaufende IKB-Anleihe mit einem Kupon von 4,0 Prozent bei 7,17 Prozent, die mit 6,25 Prozent verzinste, im April 2001 fällige Anleihe der Deutschen Hypothekenbank bei 5,605 Prozent. Beide Papiere werden von Moody's mit „A3“ bewertet.

Indes liegt auf der Hand, dass die Situation beider Institute unterschiedlich ist. Die Deutsche Hypothekenbank hatte es sicherlich schon leichter. So musste die Bank zwar der Finanzkrise im dritten Quartal insofern Tribut zollen, dass die Risikovorsorge um 15 Prozent erhöht werden musste und das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit um 8 Prozent auf gut 35 Millionen Euro fiel. Auch eine beabsichtigte Hybridanleihe konnte nicht begeben werden, weil der Zinskupon außerhalb des 2006 genehmigten Zinskorridors gelegen hätte.

Das vierte Quartal dürfte keine Besserung gebracht haben, doch die Krise bei der IKB hat völlig andere Dimensionen, die einfach nicht vergleichbar sind. Die Einengung der CDS-Spreads am Freitag signalisierte lediglich die Erleichterung über die ausgebliebene Insolvenz.

„Niemand will das Ding haben“

Der Einbruch des Aktienkurses am Montag hingegen geht zurück auf die Details des Rettungspaketes. Denn es wird offensichtlich, dass die Bank in ihrer jetzigen Form nicht zu verkaufen ist. Die ursprünglich am Montag endende Frist für die Abgabe unverbindlicher Angebote wurde um mindestens eine Woche verlängert, wie die Nachrichtenagentur Reuters von mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfuhr.

Mit der Verschiebung der Frist solle den Interessenten mehr Zeit gegeben werden, die Hilfsmaßnahmen für die IKB zu bewerten, hieß es. Die staatliche IKB-Großaktionärin KfW, die ihren derzeit rund 38-prozentigen Anteil an der Mittelstandsbank verkaufen will, lehnte eine Stellungnahme ab. Mehrere Interessenten wie die Commerzbank und die genossenschaftlichen Institute DZ Bank und WGZ Bank sind bereits aus dem Rennen um die IKB ausgestiegen, da ihnen die Risiken zu hoch wurden.

„Niemand will das Ding haben, liest der Markt daraus“, so ein Händler. Hinzu kommt auch eine gewaltige Kapitalerhöhung, die den Aktienkurs erheblich verwässert. So soll die Hauptversammlung am 27. März eine Kapitalerhöhung von bis zu 1,5 Milliarden Euro in Eigenkapital umgewandelt werden. Die KfW trägt davon 1,2 Milliarden Euro und erhöht ihre Beteiligung damit auf bis zu 90 Prozent - obwohl sie diese eigentlich hatte reduzieren wollen. Letztlich wird die IKB damit verstaatlicht.

Kursziel minus 70 Prozent

Zusätzlich schießt die KfW unmittelbar 600 Millionen Euro zu. Das könnte künftige Ergebnisse der IKB belasten, weil die KfW über einen Besserungsschein Anspruch auf einen Teil möglicher Gewinne der IKB hat.

Die UniCredit senkte das Kursziel für die Titel der IKB von 6,10 auf 1,80 Euro und bestätigte ihre Verkaufsempfehlung. Das neue Kursziel ist alleine Folge der Verwässerung. Unsicherheiten über zusätzliche Verluste und Vertragsdetails zur Kapitalspritze der KfW in Höhe von 600 Milliarden Euro blieben bestehen.

Nicht all zu sehr auf Rettung vertrauen

Anleihekäufern kann dies alles letztlich egal sein. Da der Bund sich mit seinem abermaligen Rettungspaket für die kommende Zeit erst einmal auf den Erhalt der IKB festgelegt hat, dürften die in diesem und wohl auch im kommenden Jahr fälligen Anleihen wohl jedenfalls getilgt werden.

Nicht so sicher sollte man sich bei Anleihen mit längerer Laufzeit sein. Denn die Winde der Politik sind launisch und wechselhaft und richten sich vielfach danach, wie viel heiße Luft im Blätterwald rauscht.

Sieht irgendeine nach den nächsten Wahlen ins Amt gekommene Regierung angesichts neuerlichen Kapitalbedarfs die Möglichkeit ohne weiteres Geld nachzuschießen, die Bank heimlich abwickeln zu können, so dürfte sie dies auch ohne großes Federlesen tun.

Teilung könnte ein Vorteil sein

Dabei könnte es sich als vorteilhaft erweisen, wenn die IKB tatsächlich, wie sie selbst am Wochenende erstmals signalisierte, in zwei Teilen verkauft werden würde. Das teilweise stark risikobehaftete Wertpapierportfolio von bis zu sechs Milliarden Euro könnte demnach getrennt vom Kerngeschäft veräußert werden, beispielsweise an einen Finanzinvestor wie Lone Star, der auch als neuer Eigentümer der seinerzeit gleichfalls in Schieflage geratenen Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) einsprang.

Das würde den Bund und/oder die KfW dann wohl noch mehr Geld kosten. Auch die AHBR konnte damals nur gegen Zahlung eines hohen dreistelligen Millionenbetrages verkauft werden.

Die „gute IKB“ würde dann für die Inhaber-Schuldverschreibungen einstehen, die im übrigen nicht unter die Einlagensicherung fallen. Auch wenn also hohe Unsicherheiten weiter bestehen, so können mutigere Anleger mit IKB-Anleihen durchaus ein begrenztes Risiko eingehen, wofür sie auf der Renditeseite durchaus entlohnt werden können.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET

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