21. Oktober 2002 Nach der Zustimmung der Iren zum Vertrag von Nizza über die EU-Osterweiterung profitierten osteuropäische Anleihen und Währungen am Montag kräftig. Vor allem bei den Beitragskandidaten Polen, Tschechien und Ungarn war die positive Wirkung des Referendums zu spüren, aber auch die Länder der zweiten Reihe Rumänien und Bulgarien zogen mit.
Der polnische Zloty, die tschechische Koruna und der ungarische Forint stiegen gegenüber dem Euro seit Freitag deutlich. Es gibt eine aggressive Kaufbewegung, sagte Robert Kesicki, der Chef-Währungshändler der Kredyt Bank in Warschau. Es sieht so aus, als ob außer dem irischen Referendum gar nichts mehr zählt.
Mehr Sicherheit durch strengere Regeln
Um in die Europäische Union eintreten zu können, müssen sich die Kandidaten strengeren EU-Regeln unterwerfen und ihre Wirtschafts-, Rechts- und Verwaltungssysteme anpassen. Das sollte das Interesse der Investoren aus dem Ausland steigern, Inflation und Zinsniveau drücken und die Budgetdefizite verringern, meinen Analysten.
Die Stabilität, die eine EU-Mitgliedschaft mit sich bringt, wird bessere Geschäftsbedingungen schaffen und es einfacher machen, unsere Zukunft zu planen, erwartet Terrence Valeski, Vorstandschef von Eurotel, dem größten tschechischen Mobilfunkbetreiber.
Märkte reagieren stark auf Votum
Wenn die Beitrittskandidatenländer ihre Hausaufgaben machen, können wir bessere Schuldeneinstufungen erwarten, meint auch Monica Mastroberardino, die für die Bank Vontobel 310 Millionen Euro in osteuropäischen Anleihen managt. Das sei aber sehr langfristig gedacht, so Mastroberardino weiter. Ein unmittelbarer Effekt des Votums sei aber auch zu beobachten: Die Märkte legen heute kräftig zu, aber wir werden auch Gewinnmitnahmen sehen. Einige Märkte werden sich auch in den kommenden Monaten sehr gut entwickeln; Polen zum Beispiel. An den Devisenmärkten sei eine hohe Volatilität zu erwarten, weil die Märkte übertrieben hätten.
Polnische Dollar-Anleihen, die 2012 fällig sind, legten am Montag zum Dollar 0,75 Cents zu auf 106, die Rendite verringerte sich auf 5,4 Prozent. Die Rendite von ungarischen Drei-Jahres-Anleihen fiel auf 9,05 Prozent von 9,26 Prozent. Auch die Rendite der tschechischen Benchmark-6,55-Prozent-Anleihe fiel um vier Basispunkte auf 4,33 Prozent.
Kaum noch Spielraum bei kurzfristigen Renditen
Gergely Forian-Szabo, Fondsmanager bei CA IB Fund Management, ist skeptisch: Es gibt vielleicht einige Käufer auf dem Markt, aber es wird auch Gewinnmitnahmen geben. Die Renditen der Anleihen können nicht viel tiefer fallen, deswegen könnte die Rally, die wir jetzt erleben, nur von kurzer Dauer sein. Forian-Szabo erwartet vor allem positive Effekte für die Zinssätze der längeren Laufzeiten. Die Renditen der Zwei-Jahres- oder Drei-Jahres-Anleihen hätten kaum Spielraum nach unten.
Die Zustimmung der Iren hat für die erste Welle der Beitrittsländer sehr konstruktive Folgen, sagte Brett Diment, der bei der Deutschen Asset Management Group in London Anleihen in Wachstumsmärkten betreut. Man wird aber auch allmählich eine starke Bewegung von Investitionen in die Länder beobachten, die in der zweiten Aufnahmereihe stehen, so Diment weiter.
Auch rumänische und bulgarische Anleihen profitieren
Bulgarische und rumänische Anleihen fanden schon am Montag das Vertrauen der Anleger. Bulgariens 2007 fällige 8,25-Prozent-Anleihe stieg gegenüber dem Dollar um 0,25 Cents auf 104 und reduzierte die Rendite auf 7,7 Prozent. Rumäniens 2012 fällige 8,5-Prozent-Anleihe gewann 0,125 Cents auf 103,125 mit einer Rendite von acht Prozent.
Vor allem risikofreudigere Investoren könnten auf rumänische und bulgarische Anleihen setzen, wenn die Risikoprämien bei den Beitrittskandidaten allmählich schrumpfen.
Text: @kano
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