20. Oktober 2003 Bulgarien, Rumänien und Kroatien, die 2007 der Europäischen Union beitreten wollen, sind für Anleger, die nach Anleihen suchen, aufgrund von höheren Renditen und einem sinkenden Risiko bereits attraktiver als andere ehemals kommunistische Staaten Osteuropas.
Die Risikoprämie für bulgarische Anleihen gegenüber amerikanischen Staatspapieren ist in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als die Hälfte auf 1,88 Prozentpunkte gefallen. Bei polnischen Anleihen hat sich der Spread von 1,4 Prozentpunkten auf 1,17 Prozentpunkte verringert.
Rumänien, Bulgarien und Kroatien bieten einen sehr viel höheren Wert als Polen oder Ungarn, die fiskalpolitisch einen sehr schlechten Kurs steuern", erläutert Vadym Sliusar, Fondsmanager bei Deutsche Asset Management in Frankfurt. Ungarns Fremdwährungsanleihen sind sehr teuer."
Anleihen der nächsten Beitrittskandidaten haben an Reiz verloren
Polen, die Tschechische Republik und Ungarn sind die größten Volkswirtschaften unter den zehn Ländern, die im Mai der EU beitreten werden. Ihre Anleihen haben in den vergangenen fünf Jahren die beste Performance in Europa geboten, weil die drei Staaten die Inflation eingedämmt, Zinsen gesenkt und den Wert ihrer Währung gesteigert haben.
Sechs Monate vor dem Beitrittstermin sind die Renditen tschechischer Anleihen indes bereits auf EU-Niveau gesunken. In Ungarn und Polen drohen steigende Haushaltsdefizite die Einführung des Euro zu verhindern. Das führt dazu, dass sich Investoren in Südosteuropa nach Renditechancen umsehen. Die Deutsche Asset Management hat vor kurzem ihre Position in ungarischen und polnischen Anleihen um 30 Prozent reduziert und ist stärker auf dem Balkan eingestiegen, berichtet Sliusar.
Am Dienstag startet im kroatischen Dubrovnik eine zweitägige Konferenz, auf der Anleger überzeugt werden sollen, daß Bulgarien, Rumänien und Kroatien den Erfolg der ersten Welle der EU-Aspiranten wiederholen dürften. Die Aussichten auf einen EU-Beitritt sind für Investoren ein Signal, daß Regierungen die striktere EU-Regeln einführen und ihre Volkswirtschaften auf die Einführung des Euro vorbereiten werden. Das dämpft die Preissteigerungen und sorgt für niedrigere Zinsen, so daß die Anleihen für Anleger interessanter als westeuropäische Papiere werden.
Wenn die Länder im nächsten Jahr die Verhandlungen über einen EU-Beitritt abschließen, wird das Interesse der Anleger steigen, weil sie den EU-Beitritt als sicher ansehen", prognostiziert Michael Discher-Remmlinger, Fondsmanager beim Deutschen Investment Trust in Frankfurt.
Renditevorsprung spricht für Anleihen der Länder der zweiten Beitrittswelle
Der Zinssatz des tschechischen Zehnjahres-Anleiheswaps in Kronen ist in den letzten vier Jahren von 7,7 Prozent auf 4,4 Prozent gesunken und liegt jetzt gleichauf mit dem Satz für den Zehnjahres-Swap in Euro, der lediglich 1,4 Prozentpunkte einbüßte. Die Rendite der polnischen Euro-Staatsanleihe mit Fälligkeit 2010 erreichte am 13. Juni mit 3,51 Prozent ein Rekordtief, nachdem die Wähler dem EU-Beitritt zugestimmt hatten. Als die Anleihe im März 2000 aufgelegt wurde, rentierte sie mit 6,13 Prozent. Beim ungarischen Eurobond mit Fälligkeit 2009 ist die Rendite von 6,5 Prozent Anfang 2000 auf ein historisches Tief bei drei Prozent am 13. Juni gesunken.
Dagegen bietet der 2013 fällige bulgarische Eurobond eine Rendite von 5,8 Prozent. Bei Emission im März letzten Jahres rentierte die Anleihe mit acht Prozent. Die Rendite des rumänischen Eurobonds mit Fälligkeit 2012 liegt unter sechs Prozent, verglichen mit 6,4 Prozent vor 18 Monaten. Als Kroatien im Februar eine Anleihe im Volumen von 500 Millionen Euro auflegte, war die Emission vierfach überzeichnet.
Rumänische und bulgarische Euro-Anleihen "sind ein attraktives Investment", konstatiert Franz Schardax, Fondsmanager bei Capital Invest in Wien. Sie bieten noch gute Renditeaufschläge, während diese bei polnischen und ungarischen Papieren kaum noch zu finden sind."
Geringe Liquidität und schlechte Bonität bremsen manche Investoren noch
Ein Hindernis für Ausländische Investoren ist die geringe Größe der Märkte in Rumänien, Bulgarien und Kroatien. Ausserdem gibt es Zugangsbeschränkungen für ausländische Investoren. So können ausländische Anleger bei im Inland begebenen rumänischen Anleihen nur die in Fremdwährung denominierten Papiere erwerben. Damit soll verhindert werden, daß Kapitalabflüsse die Leistungsbilanz des Landes belasten und die Inflation anheizen. Diese Beschränkungen dürften jedoch bald fallen.
Eine weitere Hürde für Investments sind die Bonitätsnoten Rumäniens und Bulgariens, die beide unterhalb der Stufe "Investment grade" liegen. Vertreter der Staaten und Volkswirte rechnen jedoch damit, dass sich dies bald ändert. Der rumänische Zentralbankchef Mugur Isarescu geht davon aus, daß das Rating des Landes im nächsten Jahr angehoben wird, Finanzminister Mihai Tanasescu erwartet innerhalb von Wochen oder Monaten eine bessere Bonitätsnote. Unserer Ansicht nach sollten Rumänien und Bulgarien von Moody's Investors Service beide auf der Stufe "Investment grade" bewertet werden", erklärt Timothy Ash, Chefvolkswirt bei Bear Stearns International in London.
Text: @JüB
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.326,63 | -1,12 |
| TecDax | 573,04 | -5,15 |
| DowJones | 9.447,11 | -5,11 |
| Nasdaq | 1.754,88 | -5,80 |
| STOXX 50 | 2.878,82 | +0,22 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,00 |
| Bund Future | 117,28 | +0,26 |
| Gold | 882,70 | -0,66 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |