30. November 2004 Alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit wollen auch die Banken offensichtlich die Stimmung der Anleger nutzen und bringen die unterschiedlichsten Produkte unter den weihnachtlichsten Namen auf den Markt, die aber mit dem Fest an sich nicht das geringste zu tun haben.
Dazu dürfte auch die Nikolaus-Anleihe der Deutschen Bank gehören. Außer der Tatsache, daß die Laufzeit im Dezember beginnt und auch endet, dürfte das Papier nichts, aber auch überhaupt nichts mit Weihnachten zu tun haben. Unter dem Slogan Rendite statt Träumereien wird zwar versucht den Eindruck zu vermitteln, die Anleger erhielten etwas geschenkt. Aber das versuchen solche Prospekte schon immer, Weihnachtszeit hin oder Weihnachtszeit her.
Anleihe mit verzögerter Orientierung an der Börsenentwicklung ...
Rein optisch sieht die Konstruktion auf den ersten Blick nicht einmal schlecht aus. Denn mit der Nikolaus-Anleihe profitieren Sie in den nächsten vier Jahren von einem garantieren Kupon von fünf Prozent und sichern sich damit Erträge, die deutlich über dem allgemeinen Zinsniveau liegen, heißt es im Prospekt der Bank. Und das stimmt zunächst durchaus.
Darüber hinaus partizipieren Sie ab dem fünften Jahr der achtjährigen Laufzeit von möglicherweise steigenden Kursen am Aktienmarkt. Dann kann der Kupon sogar bis zu acht Prozent erreichen, heißt es weiter. Die Verzinsung der Anleihen hängt in den zweiten vier Jahren der Laufzeit von der Kursentwicklung eines Aktienkorbes ab, der aus 25 internationalen, so genannten Blue Chip-Werten abhängt (siehe Graphik). Die Höhe des Kupons wird als Durchschnitt der Kursentwicklung der einzelnen Aktien berechnet und stets mit dem Stand bei Auflegung der Nikolaus-Anleihe verglichen.
Die Kurschancen werden allerdings jeweils bei acht Prozent gedeckelt. Auf der anderen Seite gibt es zusätzlich einen so genannten Lock-In-Mechanismus. Erreicht oder übersteigt der Kupon ab dem fünften Jahr 5,6,7, oder gar acht Prozent, dann wird die erreichte Zinsstufe jeweils für die restliche Laufzeit des Papiers als Mindestkupon festgeschrieben.
Grundsätzlich scheinen die Ertragsaussichten nicht einmal schlecht zu sein. Denn die Analysten der Deutschen Bank haben 1.700 unterschiedliche 8-Jahres-Perioden von 1990 bis zum Jahr 2004 simuliert und sind dabei auf einen durchschnittlichen Kupon von 6,45 Prozent pro Jahr gekommen. Das sehe nicht schlecht aus im Vergleich mit einer Bundesanleihe mit ähnlicher Laufzeit, die eine Rendite von etwa 3,75 Prozent biete, heißt es weiter in dem Prospekt. Allerdings hinkt dieser Vergleich, denn man muß ihn mit anderen von der Deutschen Bank emittierten Papieren ziehen. Und dort liegt die Rendite bei etwas mehr als vier Prozent.
... Aktienkurse steigen allerdings nicht immer nur
Außerdem ist zu berücksichtigen, daß der Anleger auch gewisse Restrisiken mit einkauft. Denn Börsen steigen nicht immer nur, sondern sie können auch längere Zeit fallen oder stagnieren. Seit dem Jahr 1900 gab es schon Börsenphasen, in welchen die unterschiedlichen Indizes über Jahrzehnte nach unten liefen - zum Beispiel der Nikkei - oder Jahrzehnte stagnierten - zum Beispiel auch der Dax oder der S&P 500. Alleine schon auf Grund der historisch tiefen Zinsen und der durchwachsenen Wirtschaftsaussichten in den industrialisierten Staaten bleibt zu vermuten, daß die Wirtschaftswachstumsraten und damit das Gewinnwachstum der Unternehmen in den kommenden Jahren eher unterdurchschnittlich sein könnten.
Aus diesem Grund ist auch die Rückrechnung in den Neunziger-Jahren mit Vorsicht zu genießen. Denn der damalige Börsenboom läßt das Bild statistisch besser aussehen, als es künftig sein mag. Auch auf Grund demographischer Effekte dürfte die Wirtschaft künftig eher in den bisherigen Schwellenländern wachsen, als in den Industriestaaten. Aus diesem Grund scheint der gewählte Aktienkorb zu europa- und amerikalastig zu sein. Auch der Cap bei acht Prozent ist nicht sonderlich glücklich. Denn wenn die Börsen tatsächlich abheben sollten, entgeht dem Anleger ein großer Teil der an der Börse erzielbaren Rendite. Fallen sie dagegen sogar oder stagnieren, dann wird die Rendite unterdurchschnittlich sein.
Grundsätzlich sollte sich der Anleger deswegen die Frage stellen, ob er sich nicht klar für einfach zu beurteilende Produkte - entweder reine Aktien oder reine Anleihen - entscheiden sollte, als für einen schwer einzuschätzenden Kompromiß dieser Art. Denn sicher ist eines: Bei solchen Konstruktionen verdienen an der relativen Intransparenz in erster Linie die Anbieter und nicht die Anleger.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.946,31 | +0,27% |
| TecDAX | 811,84 | −0,73% |
| MDAX | 7.472,33 | +0,24% |
| SDAX | 3.552,33 | +0,13% |
| REX | 377,94 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.938,93 | +0,44% |
| Dow Jones | 10.414,10 | +0,83% |
| Nasdaq 100 | 1.828,79 | +1,19% |
| S&P500 | 1.114,05 | +1,05% |
| Nikkei225 | 10.378,00 | +1,91% |
| EUR/USD | 1,4297 | +0,15% |
| Rohöl Brent Crude | 72,65 $ | −0,47% |
| Gold | 1.105,50 $ | +0,09% |
| Bund Future | 122,61 € | −0,24% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
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|---|---|---|---|
Aktien-Index22.12.2009 13:00 |
1400,97 | 1349,16 | 1295,46 |
Performance-Index22.12.2009 13:50 |
309,05 | 298,10 | 283,62 |
Euro-Aktien-Index22.12.2009 13:50 |
145,13 | 141,26 | 130,27 |
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