26. September 2008 Der amerikanische Staat will den Banken ihre faulen Kredite abkaufen. Doch zu welchem Preis sollte er das tun? Wie findet man einen solchen Preis für Papiere, für die es keinen Markt mehr gibt? Auktionstheoretiker Axel Ockenfels erklärt im Interview, wie eine umgekehrte Versteigerung funktioniert.
Herr Ockenfels, der amerikanische Finanzminister Paulson hat Großes vor. 700 Milliarden Dollar will er in die Hand nehmen, um Banken faule Kredite abzukaufen. Das Ganze soll im Rahmen von reverse auctions geschehen. Was verbirgt sich hinter solchen umgekehrten Auktionen?
Bei einer reverse auction verkaufen diejenigen, die die Gebote abgeben. Das bedeutet, dass nicht der größte, sondern der kleinste Preis gewinnt.
Der Markt für viele problematische Wertpapiere ist zusammengebrochen. Niemand scheint sagen zu können, wie viel diese Papiere noch wert sind. Stellt diese Ausgangslage besondere Anforderungen an das Design einer Auktion?
In solchen Situationen bringen Auktionen den größten Nutzen. Kein anderer Marktmechanismus kann Informationen über Marktwerte und Bewertungen der Banken effektiver offenbaren. Aber: Die exakte Ausgestaltung der Auktion wird über den Erfolg oder Misserfolg entscheidend sein.
Die Regierung muss einen Spagat versuchen zwischen einem Preis, der die angeschlagenen Banken nicht zusätzlich belastet, und einem Preis, der die Kosten für die Steuerzahler so gering wie möglich hält. Wie kann das gelingen?
Letztlich ist es das Ziel der Auktion, den Markt wieder in Gang zu bringen. Wir wissen aus früheren Erfahrungen, dass Auktionen Marktteilnehmer konzentriert zusammenbringen und für Liquidität auch in Sekundärmärkten sorgen können. Werden Marktpreise erzielt, sind die Kosten für den Steuerzahler unabhängig vom Preis gering, denn der Staat kann ja - im gewissen Rahmen - auch zu Marktpreisen wieder verkaufen. Hilft die zusätzliche Liquidität den Banken nicht, dann werden vermutlich auch andere marktkonforme Instrumente versagen, und man muss über andere Maßnahmen nachdenken.
Ein Problem scheint darin zu bestehen, dass es viele verschiedene Formen von faulen Krediten und Wertpapieren gibt, die auf unterschiedliche Weise gebündelt und im Besitz vieler Marktakteure sind. Bedeutet das eine zusätzliche Schwierigkeit?
Das ist die größte Herausforderung. Werden alle Kredite gleich behandelt, werden am Ende der Auktion nur die schlechtesten Qualitäten, sozusagen die Zitronen, verkauft, und wichtige Teile des Marktes bleiben außen vor. Unterschiedliche Qualitäten könnten theoretisch durch Wechselkurse vergleichbar gemacht werden und zusammen versteigert werden, was allerdings an Bewertungsproblemen scheitern dürfte. Daher muss man wohl vergleichbare Kreditqualitäten zusammenfassen und separat versteigern. Dabei sollte man darauf achten, dass jeweils möglichst viele Banken teilnehmen können, denn ohne Wettbewerb nützt die beste Auktion nichts. Auch ist es nicht sinnvoll, die faulen Kredite vollständig aufzukaufen, da damit der Markt ausgetrocknet würde.
Ist eine Auktion im vorliegenden Fall überhaupt die vielversprechendste Vorgehensweise, um die Banken zu rekapitalisieren, und ließen sich womöglich private Investoren einbinden?
Auktionen und private Investoren schließen sich nicht gegenseitig aus. Tatsächlich ist es entscheidend für den Erfolg der Auktion, inwieweit auch potentielle Käufer in den Bietprozess mit einbezogen werden können. Diese können ohne weiteres in den Auktionsverfahren berücksichtigt werden.
Welche Fehler sollten in der Auktion unbedingt vermieden werden?
Auktionen dieser Größe hat es noch nie gegeben. Zugleich wissen wir, dass bereits kleine Fehler im Auktionsdesign großen Schaden anrichten können. Deshalb empfehle ich, das Auktionsdesign sehr sorgfältig auf der Basis spieltheoretischer Analyse und empirischer Ergebnisse im Labor und Feld zu entwickeln. Ein einheitlicher Preis für heterogene Kreditqualitäten sollte vermieden und private Käufer zugelassen werden. Dazu ist ein offener Bietprozess empfehlenswert. Dabei nennt der Auktionator beispielsweise einen Preis, und die Banken bieten die Volumina, die sie zu diesem Preis verkaufen würden. Der Preis wird dann so lange sukzessive reduziert, bis der angekündigte Zielauszahlungsbetrag erreicht wird. Solche Auktionen haben sich gerade dann bewährt, wenn die Unsicherheit der Bewertungen groß und strategisches Verhalten oder eine geringe Zahl von Bietern ein potentielles Problem war. Schließlich muss man darüber nachdenken, unterschiedliche Qualitäten zwar in separaten Auktionen, aber zur gleichen Zeit zu versteigern, um Komplementaritäten in der Bewertung und Arbitragepotentiale adäquat zu berücksichtigen.
Das Gespräch führte Claus Tigges
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.-Foto Rainer Wohlfahrt
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.945,69 | +0,26% |
| TecDAX | 810,97 | −0,84% |
| MDAX | 7.484,31 | +0,40% |
| SDAX | 3.561,79 | +0,40% |
| REX | 377,94 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.945,71 | +0,67% |
| Dow Jones | 10.464,90 | +0,49% |
| Nasdaq 100 | 1.839,51 | +0,59% |
| S&P500 | 1.118,02 | +0,36% |
| Nikkei225 | 10.378,00 | +1,91% |
| EUR/USD | 1,4253 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 73,45 $ | +0,63% |
| Gold | 1.084,00 $ | −1,94% |
| Bund Future | 122,36 € | −0,44% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index22.12.2009 13:00 |
1400,97 | 1349,16 | 1295,46 |
Performance-Index22.12.2009 17:35 |
308,96 | 298,10 | 283,62 |
Euro-Aktien-Index22.12.2009 17:35 |
145,16 | 141,26 | 130,27 |
Einige Aktien sind noch günstig zu haben
Schwierige Bedingungen für die Staatsfinanzierung
Aktien 2010: Berg- und Talfahrten
Aktive oder passive Fonds?