Inhaber-Schuldverschreibungen

Sieben Prozent direkt vom Emittenten

edel-Vorstandsvorsitzender Michael Haentjes

edel-Vorstandsvorsitzender Michael Haentjes

24. Juni 2005 Wer an der Börse nach Anleihen mit kurzer Laufzeit und hoher Rendite sucht, muß wenigstens dreimal schauen. Und was er da findet, will er oft nicht haben. Aktueller Renditeknüller: Anleihen des bankrotten italienischen Milchprodukte-Produzenten Parmalat mit Renditen zwischen 25 und 47 Prozent.

Interessantere Papiere haben oft die Eigenschaft, daß sich ihre Rendite alsbald auf einem durchschnittlichen Niveau einpendelt, das nun mal derzeit nicht besonders hoch ist. Zum Beispiel die Anleihe der Fresenius Finance mit Laufzeit bis 2009. Ihr Kupon hat traumhafte sieben Prozent - die Rendite liegt aber nur noch bei 4,62.

Billigere Emission

Ist die Rendite höher, sind es meistens auch die Risiken - siehe Parmalat. Attraktiver ist es meist, die Papiere schon bei Zeichnung zu ergattern. Doch bei interessanten Anleihen hat der Privatanleger häufig Pech.

Was aber häufig am lästigsten ist, ist die Tatsache, daß sich niemand dafür zuständig fühlt, den Gläubiger (denn, was ist der Anleihezeichner sonst) über den Geschäftsgang zu informieren - der Emittent hat die Aufgabe an die Emissionsbank abgegeben und die fühlt sich nicht zuständig. Da kann der Investor gleich Aktien kaufen - immerhin sind die Chancen größer.

Als Alternative bieten sich direkt emittierte Inhaber-Schuldverschriebungen an. Zwar tummeln sich auf diesem Markt Dutzende von schwarzen sowie dunkel- und mittelgrauen Schafen (Privat-Plazierungen: Hohe Zinsen sind nicht alles ), doch findet sich mitunter darunter auch das ein oder andere weiße Huftier.

Diese unterscheiden sich vor allem dadurch, daß sie sauber informieren und nachvollziehbare etablierte Geschäftsmodelle haben.

Edle Anleihe

Beispiel Eins: Das Plattenlabel und ehemalige Neuer Markt-Star Edel Music. Das Unternehmen vertreibt seit dem 28. April eine mit sieben Prozent verzinsliche Inhaber-Schuldverschreibung (ISIN: DE000A0EKA71) mit Laufzeit bis zum 28. April 2010. Mindestanlage sind 1.000 Euro bei einem Gesamtvolumen von 30 Millionen.

Ein Agio gibt es nicht. Die Tatsache, daß mit dem Stichtag 24. Juni 101,51 Euro zu zahlen sind, bedeutete keinen Zeichnungsaufschlag, sondern ist eine vorausgenommene Rückzahlung von Stückzinsen aufgrund der Verkürzung der Laufzeit (die ja nur noch 4,85 Jahre beträgt). Gezeichnet werden kann bis zur vollständigen Platzierung. Ein Depot ist dennoch nötig, effektive Stücke werden nicht geliefert. Alle Angaben zum Gang der Geschäfte gibt es online und kommen mit dem Emissionsprospekt gleich mit.

Restrukturierung ausgestanden

Edel Music ist immer noch börsennotiert, allein die Aktie drängt sich momentan nicht unbedingt auf. 2001 nahm das Unternehmen umfassende Restrukturierungen vor, trennte sich von vielen Beteiligungen und halbierte auf diese Weise den Umsatz, aber auch nahezu den Nettoverlust. Bereits 2004 gelang der Rückkehr in die Gewinnzone bei gegenüber dem Vorjahr praktisch unveränderten Umsätzen. Im ersten Halbjahr legten die Umsätze gegenüber dem Vorjahr mehr als erwartet um 15 Prozent auf 82,7 Millionen Euro zu, so daß in diesem Jahr vielleicht wieder das Umsatzniveau des Jahres 2002 von rund 160 Millionen erreicht werden kann.

An liquiden MItteln hatte der Konzern zum 31. März 16,6 Millionen Euro, 35 Prozent mehr als ein Jahr davor. Verwendet werden soll der Anleiheerlös zu „Geschäftszwecken“, was die Tilgung von Verbindlichkeiten und die Wachstumsfinanzierung mit einschließt.

Das Musikgeschäft ist sehr volatil. Das zeigt sich auch in den Bilanzen und im Aktienkurs von Edel. Für den Anleihezeichner ist das jedoch nur insoweit von Belang, wie dadurch nicht die Rückzahlung der Anleihe gefährdet wird. Mit seinem sehr umfassenden Produkt- und Künstlerprotfolio erscheint Edel gegen Insolvenzrisiken hinreichend gesichert. Das Schlimmste hat das Label seit Jahren hinter sich.

Da zudem die Zulassung der Anleihe zum Börsenhandel im Geregelten Markt beantragt ist und zum 1. Juli auch kommen soll, hat der Anleger sogar Chancen im schlimmsten Fall auszusteigen. Ursprünglich war die Notiz für den 1. Juni im Freiverkehr anvisiert. Man entscheid sich anders, um noch mehr Vertrauen durch ein besseres Börsensegment zu schaffen, heißt es bei Edel.

Anleihe mit Erfahrung: Petro Carbo Chem

Nicht börsennotiert ist der Duisburger Rohstoffhändler PCC (Petro Carbo Chem), der sich schon seit 1998 über Inhaberschuldverschreibungen finanziert - um nicht von Banken oder Aktionären abhängig zu sein. Praktisch alleiniger Aktionär ist der Vorstandschef Waldemar Preussner.

Die Anleihenprospekte sind durch aussagekräftige aktuelle Informationen ergänzt, die Anleger quartalsweise zugeschickt bekommen oder auf der Website finden können. Jedes Jahr veranstaltet PCC für Interessenten und Anleger einen „Tag der offenen Tür“ auf dem Unternehmensgelände.

Profit durch Rohstoffboom

Das Unternehmen beziffert den Umsatz des vergangenen Jahres auf 684 Millionen Euro - 46 Prozent mehr als 2003. PCC profitiert allem Anschein nach vom Rohstoffboom. Denn der Jahresüberschuß der hauptsächlich in Osteuropa aktiven Unternehmensgruppe betrug 2004 12,8 Millionen Euro - 178 Prozent mehr als im Jahr davor.

Zum 1. Juli 2005 legt die PCC AG eine neue Unternehmensanleihe auf. Die Neuemission (ISIN DE000A0EY6Q4) wird zu sieben Prozent verzinst und läuft bis zum 1. Juli 2010. Mindestanlage sind 5.000 Euro. Auch diese Anleihe wird ohne Agio direkt bei PCC gezeichnet und soll erstmalig auch zum Handel im Freiverkehr Frankfurter Wertpapierbörse zu gelassen werden.

Angesichts der lang zurückreichenden Geschichte mit direkt emittiertten Anleihen, von denen etliche - auch schon vorzeitig - zurückbezahlt wurden und eines Geschäftsmodells, das als transparent und bewährt gelten kann, ist auch die PCC-Anleihe durchaus interessant.

Risiken lassen sich natürlich in keinem Fall ausschließen. Aber dazu muß man nicht zu Edel und PCC gehen, da genügen Ford, General Motors oder Paramalat.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Bildmaterial: Edel Music

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