Ratenkredite

Angebote haben oft ihre Tücken

07. Juni 2006 Für Ratenkredite werben die deutschen Banken immer mehr, als handelte es sich um Reisehaartrockner oder um Schweinekamm ohne Knochen. Bei der Dresdner Bank gibt es derzeit einen Ratenkredit für gerade einmal 5,99 Prozent.

Damit hat sie nun die Konditionen in ihren Filialen dem Internet-Angebot angeglichen. Und bei anderen Kreditinstituten ist ein Konsumentendarlehen angeblich für einen noch geringeren Zins erhältlich. Manche Anbieter werben mit Sonderangeboten von eingängigen 4,44 Prozent.

Fast nur Angebote mit Restschuldversicherung

Aber auch hier steckt die Tücke - wie so oft in Geldangelegenheiten - im Detail. Die angeblich so günstigen Konditionen im Schaufenster der Bankfilialen stehen meist nur auf dem Papier. In der Regel sind die Angebote mit der Einschränkung versehen, daß sie betrags-, laufzeit- oder bonitätsabhängig sind. Häufig gelten alle drei Nebenbedingungen auf einen Schlag.

„Bei bonitätsabhängigen Darlehenssätzen ist der beste Zins so gut wie nie zu bekommen“, sagt Horst Biallo von Horst Biallo&Team, der auf Konditionenvergleiche zwischen Banken spezialisiert ist. Wer Taxifahrer in Bitterfeld ist, muß meist einen höheren Zins zahlen als ein Beamter in Böblingen. Wer sich zu den Schaufensterzinsen verschulden will, hat Biallo beobachtet, muß dann auch einen niedrigen Betrag und eine Laufzeit von weniger als zwölf Monaten wählen. „Allerdings schaffen es nur die wenigsten Bankkunden, einen Ratenkredit in zwölf Monaten zurückzuzahlen“, sagt Biallo.

Obwohl eine Restschuldversicherung bei den meisten Kreditinstituten angeblich „optional“ ist, wird im konkreten Fall der Kredit dann doch nur vergeben, wenn der Darlehensnehmer auch diese Versicherungspolice noch mitnimmt. Um dies zu überprüfen, hatte Biallo fünf Tester in fünf Städten zu Banken geschickt, die auf Ratenkredite spezialisiert sind und besonders aggressiv dieses Marktsegment bewerben. Ergebnis: Bis auf wenige Ausnahmen unterbreiteten die Konsumentenfinanzierer nur Angebote mit Restschuldversicherung.

Oft 20 Prozent des Darlehensvertrags

Und die kann ebenfalls ins Geld gehen. Ein Beispiel, das die zum Allianz-Konzern gehörende Dresdner Bank selbst im Internet nennt: Für eine 38 Jahre alte Frau, die für zwölf Monate 5.000 Euro aufnehmen will, berechnet die Dresdner Bank einen „einmaligen Beitrag“ für die Restschuldversicherung von 85,82 Euro. Das sind immerhin 1,7 Prozent des Darlehensbetrags. Einen 43 Jahre alten Mann kostet die Police bei sonst gleichen Konditionen 97,19 Euro. Das wären schon 1,9 Prozent der Darlehenssumme.

Ein Sprecher der Dresdner Bank begründet den hohen Unterschied zwischen den beiden Versicherungsprämien mit der generell kürzeren Lebenserwartung von Männern gegenüber Frauen und dem höheren Lebensalter des Mannes. Dabei dürfte die Chance, daß der Mann bei Auslaufen des Darlehens nach zwölf Monaten noch lebt, annähernd so hoch sein wie bei der fünf Jahre jüngeren Frau.

Die Dresdner Bank ist allerdings noch vergleichsweise bescheiden. Biallo kennt Fälle, bei denen die Restschuldversicherung schon mal 20 Prozent und mehr des Darlehensbetrags ausmacht. „Dann lohnt sich schon wieder das Angebot der örtlichen Sparkasse, auch wenn das bei mehr als 9 Prozent liegen sollte“, meint Biallo.

Bonität ohne Einfluß auf den Preis

Wer einen günstigen Ratenkredit aufnehmen will, muß allerdings nicht unbedingt eine gute Bonität nachweisen. In diese Bewertung gehen neben Beruf, Alter, Familienstand und Geschlecht auch der Wohnort ein, ferner die Zahl der Umzüge und natürlich die Höhe des Einkommens. Die genauen Kriterien halten die Banken unter Verschluß.

„Wir entscheiden anhand der klassischen Bonitätskriterien lediglich, ob wir einen Kredit vergeben oder nicht“, erklärt ein Sprecher. „Einen Einfluß auf den Preis haben diese Kriterien nicht.“ Wie hoch der Zins ist, den der Kreditnehmer zahlen muß, entscheidet die Bank allein danach, ob der Kunde schon hoch verschuldet ist oder nicht.

Einige Anbieter wollen es den Kunden ganz bequem machen. Die Norisbank zum Beispiel hat in einigen Städten schon „Easy-Kreditshops“ eröffnet, die ganz konsumentenfreundlich montags bis samstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet sind. Davon rät Biallo ab. „Die Kreditverkäufer in den Bankfilialen sind doch extra geschult, um die Kunden zu Dingen zu überreden, die sie nicht wollen oder die sie nicht brauchen.“ Deshalb empfiehlt er, Ratenkredite vorzugsweise im Internet abzuschließen.

Text: hlr., F.A.Z., 08.06.2006
Bildmaterial: F.A.Z.

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