Rentenpapiere

Panik im Handel mit Spezialanleihen

08. November 2007 Kreditkrise - und kein Ende. Händler berichten, dass auf den Märkten für amerikanische Spezialanleihen, die mit Hypotheken an Schuldner minderer Bonität ("subprime") unterlegt sind, zur Wochenmitte regelrechte Panik geherrscht habe.

Als Folge sind selbst Tranchen dieser Anleihen, die das höchste Rating "AAA" aufweisen, unter starken Verkaufsdruck geraten. Der Index ABX-AAA-7.02, der aus den Kursen solcher Tranchen berechnet wird, ist daraufhin am Mittwoch um rund 9 auf nur noch 72 Prozent gefallen.

Anleger gehen davon aus, dass die Kurse von Subprime-Anleihen noch weiter fallen

Manche Investoren nutzten diesen Index, der unter Banken als Finanzkontrakt gehandelt wird, als Absicherungsinstrument und hätten ihn leerverkauft, berichten Fachleute. Die Investoren gingen offenbar davon aus, dass die Kurse von Subprime-Anleihen noch weiter fallen. Dann würde auch dieser Index weiter fallen. Die Leerverkäufer könnten ihn dann später zu einem niedrigeren Kurs zurückkaufen. Mit dem Gewinn aus diesem Geschäft könnten diese Investoren einen Teil der Kursverluste, die sie auf die von ihnen gehaltenen Hypothekenanleihen erleiden, ausgleichen. Bislang gehe man weiterhin davon aus, dass die AAA-Tranchen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden dürften.

Demgegenüber wird inzwischen bei Tranchen mit schlechterer Bonität wie "A" oder "BBB" das Risiko, dass es zu einem Totalausfall des eingesetzten Kapitals kommt, hoch veranschlagt. Dahinter steht folgende Überlegung: Inzwischen wird davon ausgegangen, dass 20 bis 25 Prozent aller Subprime-Hypotheken im Gesamtvolumen von 1200 Milliarden Dollar notleidend werden, so dass die besichernden Häuser zwangsversteigert werden müssen. Da die Immobilienpreise gefallen sind, zudem weitere Kosten anfallen, dürften aus dem Verkaufserlös letztlich nur 40 bis 50 Prozent des ursprünglichen Kreditbetrags eingeholt werden können. Der Gesamtverlust dürfte sich nach dieser überschlägigen Rechnung also auf 10 bis 15 Prozent des gesamten Hypothekenportefeuilles belaufen.

„Equity“- oder „First Loss“-Tranchen dürften ihr gesamtes Kapital verloren haben

Typischerweise wurden die Hypotheken in Spezialanleihen (Residential Mortgage Backed Securities, RMBS) verpackt, die ihrerseits in Tranchen unterschiedlicher Bonität zerlegt wurden. Die untersten Tranchen müssen dabei die zunächst anfallenden Verluste im Gesamtportefeuille tragen. Ganz unten in der Skala steht die "Equity"- oder "First Loss"-Tranche. Generell dürften diese Tranchen ihr gesamtes Kapital aufgrund der Kreditausfälle verloren haben. Tranchen mit der Note "BBB" müssen typischerweise - jede Anleihe ist individuell konstruiert - Verluste absorbieren, wenn der Gesamtverlust im Portefeuille 4 Prozent übersteigt. Übersteigt der Gesamtverlust 6 bis 8 Prozent, ist auch ihr Kapital vollständig verloren.

Viele BBB-Tranchen gehen diesem Schicksal entgegen. Ähnliches dürfte auch für viele A-Tranchen gelten, die typischerweise bei einem Verlust von etwa 12 Prozent vollkommen "unter Wasser sind". Tranchen mit Note AA müssen tegelmäßig Verluste realisieren, wenn der Gesamtverlust im Portefeuille 14 Prozent übersteigt. Auch hier droht also, zumindest im Einzelfall, ein Teil- oder Gesamtverlust des eingesetzten Kapitals. Das spiegelt sich im ABX-AA-07.1-Index, der nur noch bei 47 Prozent liegt. Die ABX-Indizes werden jeweils halbjährlich aus 20 marktbestimmenden RMBS-Anleihen und deren jeweiligen Tranchen berechnet. Die Bezeichnung AA-07.1 weist darauf hin, dass dieser Index aus den Marktkursen von RMBS-AA-Tranchen berechnet wird, die im ersten Halbjahr 2007 auf den Markt gekommen sind. Die unterliegenden Hypotheken wurden typischerweise einige Monate zuvor abgeschlossen.

Text: bf., F.A.Z., 09.11.2007, Nr. 261 / Seite 27
Bildmaterial: FAZ.NET

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