Unternehmensanleihen

Rote Zahlen können Cognis-Gläubiger nicht schocken

17. April 2008 Wenn der Spezialchemiekonzern Cognis Ergebnisse vorlegt, so ist die Spannung immer wieder recht hoch. Gläubiger der früheren Henkel-Chemie-Sparte möchten gerne deutliche operative Verbesserungen sehen, die ein ermutigendes Zukunftsszenario aufzeigen. Das war und ist in der Spezialchemiebranche schon ohne drückende Schuldenlast in den vergangenen Jahren nicht immer einfach.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007 hat Cognis das angepasste operative Ergebnis immerhin um vier Prozent auf 410 Millionen Euro steigern können. Das ist schon positiv zu sehen, auch wenn der Umsatz im gleichen Zeitraum etwas stärker - um 4,3 Prozent - auf 3,52 Milliarden Euro stieg. Auf organischer Basis stieg das angepasste operative Ergebnis wiederum um 4,4 Prozent. Damit blieb die Umsatzrendite unverändert bei 11,7 Prozent.

Kostensenkungen und Preiserhöhungen

Der Vorstandsvorsitzende Antonio Trius sprach von einem guten Ergebnis, das trotz eines massiven Anstiegs der Rohstoffpreise und einem schwachen Dollar erzielt worden sei. Die strategische Ausrichtung sei richtig und der Wert des Unternehmens habe sich erhöht, sagte er.

Mit Kostensenkungen und teilweise auch mit Preiserhöhungen hat das Unternehmen die stark gestiegen Rohstoffkosten ausgeglichen. Die Kosten für nachwachsende Rohstoffe, die rund die Hälfte der Ausgangsmaterialien für Cognis ausmachen, sind 2007 um 36 Prozent gestiegen.

Alle drei Kerngeschäftsfelder - Haar-, Haut- und Körperpflege (Care Chemicals), Zusatzstoffe für die Ernährungs- und Gesundheitsindustrie (Nutrition & Health) sowie Lösungen für die Agrochemie und Schmierstoffe (Functional Products) - hätten ihren Umsatz verbessert. Am stärksten wuchs dabei das Segment der Pflegechemikalien mit einem Plus von 6,7 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro, das damit seine Stellung als umsatzstärkster Geschäftsbereich festigte.

Wieder rote Zahlen

Weiterhin schwierig ist die Situation bei der zum Verlauf stehenden Tochter Pulchra Chemicals, deren Umsatz um 4,7 Prozent auf 246 Millionen Euro fiel und die lediglich in China einen Umsatzzuwachs verbuchen konnte.

Ohne Bereinigungen um Sondereffekte aus Restrukturierungen und Desinvestments fiel das operative Ergebnis um 1,4 Prozent auf 360 Millionen Euro ab. Deutlich in die roten Zahlen rutschte Cognis wieder unter dem Strich. Nachdem man im Vorjahr einen bescheidenen Überschuss von zwei Millionen Euro erzielt hatte, weist das Unternehmen für 2007 einen Jahresfehlbetrag nach Sondereinflüssen von 120 Millionen Euro auf.

Ursache waren zum einen hohe Kosten der 2007 vorgenommenen Umschuldung, die allein mit 57 Millionen Euro ins Kontor schlug. Das Unternehmen hatte im Mai 2007 seine Darlehen durch zinsgünstigere Kredite abgelöst. Auch die Neubewertung latenter Steuern wegen der Unternehmenssteuerreform und Kosten eines Sparprogramms drückten das Ergebnis. Ohne diese Belastungen wäre ein Überschuss von 30 Millionen Euro erwirtschaftet worden, sagte Finanzvorstand Klaus Edelmann.

Warten auf Verkäufe

Im laufenden Jahr will sich Cognis noch stärker auf die drei Kerngeschäftsbereiche konzentrieren und habe zudem ein konzernweites Sparprogramm auf den Weg gebracht, sagte Trius. Die Zukunft der Tochter Pulcra Chemicals und des ebenfalls zum Verkauf stehenden Gemeinschaftsunternehmen Oleochemicals will man bis Ende des Jahres gelöst haben.

Indes scheinen sich die Verkaufsabsichten nicht einfach realisieren zu lassen. Bereits im August hatte es geheißen, der Verkaufsprozess für Pulcra habe begonnen, auch wenn man sich noch nicht in konkreten Gesprächen befinde.

Cognis rechne auch 2008 und 2009 mit Umsatzsteigerungen, heißt es im Lagebericht des Konzerns: „Die Umsatzprognosen entsprechen deshalb dem Wachstum der Vorjahre“. Der Zuwachs des bereinigten Ebitda dürfte in beiden Jahren insgesamt der Umsatzentwicklung entsprechen.

„Höchster Schuldenstand erreicht“

So recht vorwärts gekommen ist Cognis damit 2007 nicht, was nicht zuletzt wohl auf die Entwicklung der Rohstoffpreise zurückzuführen ist. Das schwerste Handicap aber bleibt nach wie vor die eminent hohe Verschuldung.

Die Gesamtverschuldung des Konzerns, also der Gruppe und der Holding, erhöhte sich 2007 auf 2,4 Milliarden von 2,2 Milliarden Euro vor Jahresfrist. Das Eigenkapitaldefizit betrug 24,4 Prozent nach 4,5 Prozent im Vorjahr und 5,8 Prozent im Jahr 2005.

Um mehr als 400 Millionen Euro erhöhten sich die langfristigen Ausleihungen, nachdem diese im Vorjahr konstant geblieben waren. Das Verhältnis von Nettofinanzverschuldung und angepasstem operativem Ergebnis hat sich dadurch gleichfalls merklich erhöht.

Cognis sei aber sehr sicher finanziert, sagt Edelmann. Bis 2013 sei die Finanzierung gesichert. Der höchste Schuldenstand sei nun erreicht, und es sei jetzt die Aufgabe, ihn zu reduzieren. Die hohe Verschuldung gilt als Hürde für den Verkauf des Unternehmens durch die Eigner.

Ruhiger Handel

Die Liquiditätsbasis soll sich 2008 und 2009 verbessern, vor allem deshalb, weil seit der Refinanzierung 2007 keine regelmäßigen Kapitalrückzahlungen mehr geleistet werden müssen. Das erste Quartal 2008 sei erwartungsgemäß verlaufen, sagte Trius weiter, der im laufenden Jahr nicht mit einem Ausstieg der Eigentümer rechnet. Derzeit gebe es keine Neuigkeiten, für 2008 sei das auch nie geplant gewesen.

Das Monheimer Unternehmen gehört Private-Equity-Fonds, die von Permira, GS Capital Partners und SV Life Sciences beraten werden. Im Jahr 2006 war ein erster Anlauf für einen Verkauf abgebrochen worden.

Der Anleihenhandel blieb am Donnerstag zunächst ruhig. Das kann auch nicht überraschen, da die Ergebnisse in etwa dem entsprachen, worauf das Unternehmen im laufe der vergangenen Monate vorbereitet hatte. Schon im Oktober hatte Edelmann nicht verhohlen, dass Cognis mit hoher Wahrscheinlichkeit für das Gesamtjahr 2007 wieder ein Minus ausweisen würde. Andererseits sind die Ergebnisse nicht mehr als ganz ordentlich.

Lage beruhigt

Die Sorgen um einen Zahlungsausfall haben aber in den vergangenen Wochen abgenommen. Die Renditeaufschläge der Kreditversicherungen fielen von 926,7 Basispunkten im Februar bis auf 617,9 Basispunkte. Indes sind diese Aufschläge noch immer sehr hoch, notierten sie doch zwischen Frühjahr 2006 und Juni 2007 deutlich unter 400 Basispunkten.

Insgesamt scheint eine gewisse Beruhigung eingetreten zu seien, angesichts der abnehmenden Sorgen aus der Kreditkrise und der derzeit stabilen Lage des Unternehmens.

Nichtsdestotrotz werden die Anleihen von den Rating-Agenturen mit „CCC+“ beziehungsweise „Caa1“ nahe dem unteren Ende der Bonitätsskala eingestuft. Auch die Rendite des 2014 fälligen Bonds von 11,3 Prozent zeigt an, dass die Ausfallrisiken vergleichsweise hoch sind. Und bis zur Fälligkeit im Mai 2014 wird sich noch einiges verändern - nur zum Positiven natürlich, hoffen die Gläubiger.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: Cognis GmbH, F.A.Z.

 
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