01. Juni 2007 Der Kauf von Schuldtiteln des Bundes klingt einfach und sicher. Doch auch diese Geldanlage will gelernt sein. So sprechen beispielsweise für Bundesschatzbriefe zwar eine anlegerfreundliche Stückelung und eine verlässliche Zinstreppe. Aber häufig werfen bei identischen Laufzeiten Finanzierungsschätze oder Bundesobligationen höhere Zinsen ab. Dies zeigt ein Renditevergleich des Informationsdienstes für Bundeswertpapiere in Düsseldorf. Ergebnis: Über einen Anlagezeitraum von ein und zwei Jahren schnitten Bundesschatzbriefe schlechter ab als Finanzierungsschätze und schlechter als Bundesobligationen bei fünfjähriger Anlagedauer.
Die Eckdaten des Vergleichs sind jeweils gleich: Der Anleger hat bei der Finanzagentur des Bundes in Frankfurt ein kostenloses Wertpapierdepot eröffnet. Gebühren fallen somit nicht an. Angelegt wurden in den vergangenen zwölf Monaten jeweils am Monatsanfang 10.000 Euro. Verglichen wurden im einjährigen Test die Zinsen des einjährigen Finanzierungsschatzes mit denen des sechsjährigen Bundesschatzbriefes Typ A nach einem Jahr Laufzeit. Im Zweijahresvergleich die des zweijährigen Finanzierungsschatzes mit denen des siebenjährigen Bundesschatzbriefes Typ B nach zwei Jahren - bei beiden Papieren werden die Zinsen wieder angelegt. Und im fünfjährigen Vergleich die Zinsen des Bundesschatzbriefes mit jährlicher Zinszahlung (Typ A) mit denen einer fünfjährigen Bundesobligation, deren Zinsen ebenfalls Jahr für Jahr ausgezahlt werden.
Rendite nicht das alleinige Kriterium
In den vergangenen zwölf Monaten ließ sich mit ein- und zweijährigen Finanzierungsschätzen eine höhere Rendite erzielen als mit Bundesschatzbriefen Typ A und B. Der Zinsvorsprung betrug bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro bei einjähriger Geldanlage bis zu 80 Euro, manchmal auch nur 5 Euro - je nachdem in welchem Monat der Kauf der Bundeswertpapiere erfolgte. Im zweijährigen Vergleich macht der Zinsvorteil des Finanzierungsschatzes 5 Euro bis 123 Euro aus. Die Rendite sollte allerdings nicht das alleinige Kriterium sein. Denn der Finanzierungsschatz läuft auf jeden Fall nach 12 oder 24 Monaten aus. Will der Sparer Geld für eine größere Anschaffung weiterhin zurücklegen, ist er mit dem Bundesschatzbrief flexibler. Nach der Mindesthaltedauer von einem Jahr kann er den Schatzbrief praktisch täglich zurückgeben und so von zusätzlichen Zinsgutschriften profitieren. Bei Finanzierungsschätzen muss der Sparer sein Guthaben auf ein Tagesgeldkonto oder ein verzinstes Girokonto einzahlen, wenn er nach Laufzeitende nicht auf Zinseinkünfte verzichten und täglich darüber verfügen will.
Um die geringere Flexibilität des Finanzierungsschatzes auszugleichen, sollte der Zinsvorsprung bei einer 10.000-Euro-Anlage gegenüber dem Bundesschatzbrief mindestens 50 Euro für einen Anlagezeitraum von einem Jahr betragen, rät der Informationsdienst. Bei zweijähriger Anlage sollte er mindestens 100 Euro ausmachen.
Lohnend im Vergleich zu Tagesgeldkonten
Bei fünfjährigen Geldanlagen liegt jeweils die Bundesobligation, je nach Monat des Kaufs, mit einem Vorteil von 54 Euro bis 219 Euro vorn. Im Durchschnitt aller zwölf Testmonate sind es 137 Euro. Hier wirkt sich nachteilig für den Bundesschatzbrief aus, dass der Bund die Verzinsung oft nur mit Verzögerung dem Zinsniveau am Rentenmarkt anpasst. Die Rendite wird auch dadurch gedrückt, dass der Bund nach einem Jahr Haltedauer dem Anleger garantiert, den Bundesschatzbrief jederzeit zu 100 Prozent zurückzunehmen. Diese Sicherheit kostet den Anleger Rendite. Die aktuelle Bundesobligation kann der Anleger ohne Renditeabschlag zu einem täglich neu ermittelten Börsenkurs gebührenfrei bei der Finanzagentur kaufen. Allerdings kann sich das derzeit steigende Zinsniveau zum Nachteil auswirken. Steigen die Zinsen weiter, müssen Käufer von Obligationen Kursverluste befürchten, wenn sie das Papier vor Fälligkeit an der Börse verkaufen wollen. Bei der vorzeitigen Rückgabe der Bundesschatzbriefe fallen nie Kursverluste an.
Wie attraktiv die Verzinsung eines Schatzbriefes vor allem im ersten Jahr ist, zeigt ein Vergleich mit Tagesgeldkonten. Mit einem Zinssatz von anfangs 3,75 Prozent sind Bundesschatzbriefe derzeit interessanter als viele Tagesgeldkonten, die im Durchschnitt aller Angebote mit hoher Einlagensicherung laut FMH-Finanzberatung 2,68 Prozent abwerfen. Allerdings dürfen Bundesschatzbriefe frühestens nach einem Jahr zurückgegeben werden, während das Guthaben auf dem Tagesgeldkonto jederzeit verfügbar bleibt.
Text: hlr., F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
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