17. Januar 2005 Rumänien hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Zinssenkungen erlebt. Allein 2004 nahm die Notenbank die entsprechende Kennziffer um 475 Basispunkte zurück. Nun haben die Währungshüter in Bukarest ein weiteres Mal die Zinsschraube und mithin die Geldpolitik gelockert.
Den mit den Ramschanleihe-Graden Ba3/BB+ bewerteten ausstehenden Euro-Anleihen des Balkan-Landes nützt dies indes wenig. Lediglich das in drei Jahren auslaufende und mit 10,625 Prozent verzinste Papier legt im Kurs leicht zu. Alle anderen Notizen bewegen sich nicht von der Stelle und werden zudem vergleichsweise selten gehandelt. Dies mag am guten Lauf im vergangenen Jahr liegen, die die Schuldtitel im Dezember auf Rekordhöhen geführt hat. Der Kursgewinn gemessen am Rücknahmepreis übersteigt die Jahreszinsen zum Teil um ein Mehrfaches.
Und der Vergleich zu deutlich besser bewerteten Anleihen von Kroatien und Tunesien einerseits und zu etwas schwächer eingestuften Kolumbien-Papieren andererseits legt die Vermutung nahe, daß die Papiere nicht mehr allzuviel Potential besitzen.
Wirtschaft fast so stark gewachsen wie in China
Die rumänische Notenbank hat angesichts einer geringeren Inflation ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf 16,50 Prozent gesenkt. Im Jahr 2004 sei die Teuerungsrate auf 9,3 Prozent von 14,1 Prozent im Vorjahr gefallen, hieß es am Sonntag in einer Mitteilung. Aufgrund der angehäuften Nachfrage bestehe aber weiterhin das Risiko eines erhöhten Inflationsdrucks. Die Notenbank werde daher wachsam bleiben und bereite die Umstellung auf eine Inflationssteuerung vor.
Der Abwärtstrend beim Presauftrieb ist einhergegangen mit einem strammen Wirtschaftswachstum: In den ersten drei Quartalen ist die rumänische Wirtschaft um 8,1 Prozent gewachsen und mithin fast so stark wie China oder die Türkei. Zudem ist die Prognose von fünf Prozent klar übertroffen worden. Das war die bis höchste Rate im Rahmen des Übergangs von der sozialistischen Staatswirtschaft zur Marktwirtschaft, wie die Raiffeisen Zentral-Bank angemerkt hat. Am dynamischsten legten dabei jene Branchen zu, die am wenigsten zum Bruttoinlandsprodukt beitragen: die Landwirtschaft, die ein Plus von fast 20 Prozent verbuchte, und das Bauwesen mit einem Zuwachs von zehn Prozent.
Die Europäische Union hat diesen Aufwärtstrend im Oktober belohnt, indem sie Rumänien eine funktionierende Marktwirtschaft bescheinigte. Im Dezember ist es der bis dato letzten Regierung gelungen, 31 von der EU gestellte Aufgaben zu Politik und Wirtschaft abzuarbeiten und mit Bulgarien gleichzuziehen. Damit sind Rumänien wichtige Schritte in Richtung eines Beitritts zur EU im Jahr 2007 gelungen, kommentiert die WGZ-Bank. Zwar behalte sich die EU vor, im Falle einer fehlenden oder unzureichenden Übernahme europäischen Rechts durch den Beitrittskandidaten den Zeitpunkt der Aufnahme zu verschieben. Doch geht die WGZ-Bank von einem Beitritt im Jahr 2007 aus.
Analysten: Rumänien ist Kerninvestition im Speculative Grade
Die Analysten des Düsseldorfer Instuituts sehen rumänische Euro-Titel als Kerninvestition im Speculative Grade an, haben sie aber derzeit auf Halten gestuft. Der Grund: die sehr gute Performance, die zu Kursen jenseits der Marken geführt hat, die die WGZ-Bank für einen Einstieg als attraktiv ansieht. So hat der Performance-Index für rumänische Anleihen im vergangenen Jahr um 14 Prozent zugelegt. Die 2010 fällige Anleihe ist bis auf 110,2 Prozent gelaufen und notiert aktuell mit 109,75 Prozent. Mithin ist der Kursgewinn fast doppelt wie der 5,75 Prozent betragende Jahreskupon.
Der Titel rentiert derzeit mit 3,73 Prozent, während eine Bundesanleihe gleicher Fälligkeit 2,95 Prozent abwirft. Die im selben Jahr auslaufende und mit einem klar höheren Baa3/BBB-Rating versehene Euro-Anleihe Kroatiens bringt knapp 3,38 Prozent. 6,61 Prozent beträgt derweil die Rendite der ein Jahr später auslaufenden Euro-Anleihe Kolumbiens, dessen Kreditwürdigkeit mit Ba2/BB eine Stufe schlechter bewertet wird als die Bonität Rumäniens. Auch wenn die WGZ-Bank mit weiteren Hochstufungen des Balkan-Landes rechnet, ist die Rumänien-Anleihe gemessen am Risikoaufschlag schon sehr nah an klar höher eingestufte Papiere herangelaufen.
Dies legt den Schluß nahe, daß die Luft arg dünn geworden ist. Entsprechend kann wohl die zuletzt etwas erlahmte Kursdynamik gedeutet werden. Die WGZ-Bank legt einen Kauf der 2010 auslaufenden Anleihe erst für den Fall einer Notiz unter 109 Prozent nahe.
Der Chart zeigt den Kursverlauf der 2012 fälligen Euro-Anleihe von Rumänien.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @thwi
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.394,15 | -0,72 |
| TecDax | 719,99 | -0,22 |
| DowJones | 11.372,00 | +0,20 |
| Nasdaq | 2.304,94 | +1,09 |
| STOXX 50 | 3.326,84 | -0,83 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,50 | -2,34 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,04 |
| Bund Future | 110,95 | +0,01 |
| Gold | 922,85 | -0,52 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
