Inhaber-Schuldverschreibungen

Privat-Plazierungen: Hohe Zinsen sind nicht alles

07. Juli 2005 Nichts ist schöner als eine hohe Rendite ohne Kursrisiko. Papiere, die man einfach im Depot vergessen kann, und die sich nur dann melden, wenn die nächste Zinszahlung ansteht.

Diesen Traum scheinen auf den ersten Blick von Unternehmen außerbörslich begebene Inhaberschuldverschreibungen zu erfüllen. Sie locken mit hohen Zinsen und oft genug mit dem Verweis auf das Fehlen jedes Kursrisikos.

Allerdings steckt hier gleich der Haken: Es gibt keinen Kurs, weil es keinen Markt gibt. Wer sein Geld wieder zurück haben möchte, ist darauf angewiesen, daß der Schuldner am Ende der Laufzeit die Schuld auch tilgt. „Ich kann Ihnen jede Verzinsung bieten, wenn Sie im Gegenzug auf die Rückzahlung des Kapitals verzichten“, kommentierte einst die Deutsche-Bank-Legende Hermann Josef Abs allzu lockende Renditeversprechen.

Im Zwielicht: VermögensGarant

Auf dem Markt für Inhaberschuldverschreibungen tummeln sich einige fragwürdige Anbieter. Erstes Beispiel: die Berliner VermögensGarant AG. Die Gesellschaft ist jüngst nach einer Strafanzeige des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (DIAS) erneut ins Zwielicht geraten.

Denn für die aktuellen Anleihen wirbt die VermögensGarant unter anderem mit dem Hinweis auf eine hundertprozentige Kapitalabsicherung des Nennwertes zum Laufzeitende durch die Depotbank. Gemäß Emissionsprospekt habe es sich dabei um die Credit Suisse gehandelt, so die DIAS, die jedoch ihrerseits bestreite, daß es eine solche Kooperation gebe. Die Credit Suisse habe eine entsprechende Maßnahmen eingeleitet und eine Unterlassungserklärung sowie die Vernichtung des Werbe- und Prospektmaterials verlangt.

Die VermögensGarant rudert mittlerweile zurück. Sie bestreitet zwar den materiellen Gehalt der Vorwürfe, teilte aber gleichzeitig mit, daß sie „von Ihrem Recht auf Änderung der Finanzanlage Gebrauch gemacht“ und „ein prospektkonformes Investment in Anleihen einer europäischen Großbank gewählt“ habe.

Es ist übrigens nicht die erste Strafanzeige gegen die Berliner Firma. Die niederländische Großbank ABN Amro erstattete 2004 Strafanzeige in einem ähnlichen Zusammenhang.

Nach Darstellung der VermögensGarant hatte das Unternehmen per Abtretung von der nicht weiter bekannten Stiftung Grünes Ökologisches Kreuz Europa ein nicht näher bezeichnetes Wertpapier erhalten, das vom ABN Amro Bouwfonds Niederlands emittiert worden sein soll. Dadurch sei die Kapitalabsicherung der Inhaber-Teilschuldverschreibungen eindeutig sichergestellt gewesen.

Doch auch hier rudert die VermögensGarant zurück. „Nach dem heutigen Kenntnisstand ... muß davon ausgegangen werden, daß ... eine unberechtigte Abtretung des Wertpapiers ... erfolgte.“, heißt es auf der Website der VermögensGarant. Man habe Strafanzeige erstattet.

Ungereimt: DM Beteiligungen

Beispiel zwei: DM Beteiligungen. Die präsentiert sich im Prospekt gern als breit aufgestellte Holding. Liest man genauer, zeigt sich, daß zahlreiche Beteiligungen erst in Planung sind. Im Geschäftsjahr 2003 hat die Gesellschaft gemäß Prospektbilanz den Jahresüberschuß um 18 Prozent auf rund 400.000 Euro verringert. Dafür stehen in den Bilanzen bereits zu diesem Zeitpunkt über 37 Millionen Euro an Anleihe- und weitere elf Millionen Euro anderer Schulden. 2002 waren es noch rund zehn bzw. 13 Millionen, insgesamt also weniger als halb so viel.

Neuere Informationen sind nicht zu erhalten. Auch Anleihe-Inhaber erfahren nichts. Der einzige Kontakt seien bis dato pünktlich bezahlte Zinsen. Untersucht man die Tochterfirmen, stößt man auf Ungereimtheiten. In früheren Prospekten hieß es, daß die Töchter SMC Unternehmensberatung und SMC Netze- und Kommunikations-Beratung, seit über zehn Jahren individuelle Softwarelösungen entwickelten und für „erhebliche Erträge gesorgt“ hätten.

Die SMCs haben ihren Sitz im deutschen Steuerparadies Norderfriedrichskoog. Dort hängt ein Firmenschild, die Post wird von Nachbarn nach Karlsruhe weitergeleitet, wo SMC offenbar im Wohnhaus des Geschäftsführers residiert. Einziger Hinweis auf die Firma: der Name auf dem Klingelschild.

Jetzt teilt der neueste Anleiheprospekt lapidar mit: „Diese Unternehmen befinden sich derzeit in der Umstrukturierung, so daß hier mindestens im laufenden Geschäftsjahr keine Erträge zu erwarten sind“. Ein allemal fragwürdiges Gebaren, zumal die DM Beteiligungen auf frühere Presseanfragen nicht zu reagieren pflegte.

Hoch verschuldet: WBG Leipzig-West

Beispiel drei: Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West. Ähnlich wie bei DM Beteiligungen läuft auch hier der Großteil der Geschäfte über Töchter, deren Bilanzen nicht offen gelegt werden. Verbraucherzentralen warnen schon lange vor den Anleihen des hoch verschuldeten Unternehmens, das bereits 2001 wegen irreführender Prospektangaben abgemahnt wurde. Mit der Presse redet man nicht gern. Dafür gibt man in bisweilen atemberaubendem Tempo Anleihen aus - allein 2003 waren es fünf Emissionen. Wer auf der Website nach Informationen über den Geschäftsgang sucht, wird enttäuscht. Statt dessen gibt es eine flash-animierte Einführung in die Anleihezeichnung.

Lockere Zahlen: ISS AG

Die ISS AG geht lockerer mit der Presse um. Leider auch mit den Zahlen. So wies das Unternehmen in Anleiheprospekt wiederholt Umsatzzahlen aus, die später revidiert wurden und verfehlte so seine Planungen. Den Inhabern der unkündbaren, sechs bis zehn Jahre laufenden Anleihen wurde dies nicht mitgeteilt. Man habe „die Notwendigkeit nicht gesehen“. Wer aber anrufe, erhalte alle gewünschten Auskünfte.

Hinter der ISS AG stehen übrigens Elmar Kühnen als Vorstand und Wolfgang Lechner als Aufsichtsrat. Auf dem grauen Kapitalmarkt sind die beiden keine Unbekannten. Lechner war auch Aufsichtsrat der Medizin und Medien AG, die in den Jahren 1999/2000 beim mittlerweile durch Konkurs verschiedenen Börsenmakler AHAG gehandelt wurde, zu deren Gang an die Börse es nie kam und die mittlerweile abgewickelt ist.

Seltsame Wendungen: First Real Estate

Die First Real Estate Grundbesitz (FRE) handelt mit notleidenden Immobilien und will sich mit Inhaberschuldverschreibungen finanzieren. In einem Interview des Magazins Euro betonte Projektleiter Michael Böhle im Juni 2004, wie gut das Geschäft liefe. Doch schon zu diesem Zeitpunkt lag das Unternehmen deutlich unter Plan. Seinerzeit hatte das Unternehmen noch keinen Geschäftsbericht vorgelegt. Der sollte indes nachgereicht werden. Auf der Website ist er allerdings nicht zu finden.

Wegen des schwachen Marktes hat man sich im aufstrebenden Dubai ein zweites Standbein verschafft. Auf der Website kann man sich über die Immobilienprojekte informieren. Was man allerdings nicht findet, sind konkrete Aussagen über den Geschäftsgang, über Umsätze oder Gewinne.

Des weiteren hat sich das Unternehmen an der ECO-Pack GmbH beteiligt. Diese stellt sogenannte Preforms her, die an die Getränkeindustrie geliefert und anschließend dort zu PET-Flaschen weiterverarbeitet werden. Die Website der ECO-Pack GmbH, auf die verlinkt wird, ist allerdings wenig aussagekräftig, da sie sich noch im Aufbau befindet und noch nicht mit Inhalten belegt ist.

Registriert wurde die Website in Merseburg. Der Ansprechpartner residiert laut E-Mail-Adresse bei der Euro PET GmbH. Diese präsentiert sich auf ihrer Website (euro-pet-mer.de) ebenfalls als Hersteller von Preforms. Bei weiterer Recherche stößt man dann auf die Deutsche PET AG, die sich ihrerseits auch mit Inhaberschuldverschreibungen finanziert und die Euro PET GmbH als Beteiligung angibt. Die Deutsche PET AG hieß im übrigen früher Deutsche Internet AG. Diese wird wiederum auf der Liste der auf Anlegerschutz spezialisierten Bremer Rechtsanwälte Robert, Kempas und Segelken als „Kapitalanlage mit Risiken“ geführt.

Der Mangel an Transparenz und aktiver Informationspolitik läßt hier eher zur Vorsicht raten.
(Beachten Sie hierzu bitte auch die Richtigstellung im Kasten am Beitragsende)

Vorbildlich: PCC und Edel Music

Eine eher vorbildliche Informationspolitik betreibt der Duisburger Rohstoffhändler PCC Petro Carbo Chem. Die Prospekte sind durch aussagekräftige aktuelle Informationen ergänzt, die Anleger quartalsweise zugeschickt bekommen oder auf der Website finden können. Das Unternehmen, das seinen Umsatz für das Jahr 2004 auf knapp 700 Millionen Euro beziffert, finanziert sich schon seit 1998 über Inhaberschuldverschreibungen - um nicht von Banken oder Aktionären abhängig zu sein.

Zum 1. Juli 2005 legt die PCC AG jetzt eine neue Unternehmensanleihe auf. Die Neuemission (ISIN DE000A0EY6Q4) wird zu sieben Prozent verzinst und läuft bis zum 1. Juli 2010. Erstmalig soll eine Anleihe der PCC auch zum Börsenhandel zugelassen werden.

Ähnlich sauber agiert die börsennotierte Edel Music, die in Eigenregie zu den gleichen Konditionen eine Inhaberschuldverschreibung (ISIN: DE000A0EKA71) begibt, die ebenfalls zum Börsenhandel zugelassen werden soll. Ursprünglich war dies für den 1. Juni anvisiert, da man sich aber für das Segment des Geregelten Marktes entschieden habe, um noch mehr Vertrauen zu schaffen, so heißt es bei Edel Music, sei ein neuer Prospekt von Nöten gewesen. Man sei aber zuversichtlich, die Erstnotiz zum 1. Juli zu schaffen. Und auch bei Edel gibt es alle Angaben zum Gang der Geschäfte online und vor allem aktuell. Der Halbjahresbericht kommt mit dem Emissionsprospekt gleich mit.

Die beabsichtigte Zulassung zum Handel allein ist natürlich kein Qualitätskriterium. Denn zunächst handelt es sich ja bloß um eine Willensbekundung ist, die natürlich auch jeder Anlagebetrüger kundtun kann. Wichtiger sind andere Kritierien. Die Checkliste (siehe Infografik) liefert dazu einige Hinweise.

Wer auf die Rendite der Papier blickt, erlebt eine Überraschung. Nach der höchst umstrittenen VermögensGarant bieten mit sieben Prozent die Papiere die Papiere von PCC und Edel Music die höchste Rendite. Damit wäre dann wohl alles gesagt.

Richtigstellung zum Artikel:
„Privat-Platzierungen:
Hohe Zinsen sind nicht alles“
vom 23. Juni

1. Das im Absatz „Seltsame Wendungen: First Real Estate“ angesprochene Interview mit Projektleiter Michael Böhle von der „First Real Estate Investment“ wurde vom Autor dieses Beitrags im Juni 2004 für das Magazin „Euro - das Magazin für Geld und Wirtschaft“ geführt.

2. In der ersten Fassung des FAZ.NET-Beitrags wurde behauptet, daß auf der Website von First Real Estate keine Informationen zu den Aktivitäten in Dubai verfügbar sind. Diese Aussage ist unzutreffend, da auf der Webseite zwei Großprojekte aus Dubai vorgestellt werden.

3. Auch die Informationen über die Beteiligung an der Eco Pack GmbH werden, entgegen der ersten Fassung dieses Artikels, heute auf der Website der First Real Estate dargestellt. Außer über den Unternehmenszweck wird auch über die Höhe der ursprünglichen und aktuellen Beteiligung, deren Zweck, das Datum des Abschlusses sowie die Lieferung von Maschinen informiert.

4. Die Webadresse der Eco-Pack Gmbh, wurde von Ullrich Appel mit Adresse Beunaer Straße 1, Merseburg und E-Mail-Adresse bei der Euro Pet Merseburg GmbH, nicht wie irrtümlich zuerst berichtet der Euro-Pet AG, registriert. Ullrich Appel lautet auch der Name eines der alleinberechtigten Geschäftsführer der Euro Pet Merseburg GmbH.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Bund
Bobl
Schatz
18.12.2009 | 22:03
BUND 123,43
−0,01 %
 
        Vortag
3 Monate
1 Jahr
5 Jahre
18.12.2009 | 11:38
REXP 368,32
+2,83 %
 
        Vortag
18.12.2009 | 23:04
Name Kurs in %
DAX 5.831,21 −0,23%
TecDAX 815,34 −0,05%
MDAX 7.393,75 −0,14%
SDAX 3.555,37 +0,22%
REX 378,74 +0,12%
Eurostoxx 50 2.871,22 −0,71%
Dow Jones 10.328,90 +0,20%
Nasdaq 100 1.807,36 +1,64%
S&P500 1.102,47 +0,58%
Nikkei225 10.142,00 −0,21%
EUR/USD 1,4336 −0,09%
Rohöl Brent Crude 73,88 $ +0,90%
Gold 1.104,50 $ −1,12%
Bund Future 123,43 € −0,01%
Gesamt-
Index
Durchschnitt
90 Tage
Durchschnitt
200 Tage
Aktien-Index
18.12.2009 13:00
1384,62 1346,64 1292,33
Performance-Index
18.12.2009 17:35
304,19 297,54 282,83
Euro-Aktien-Index
18.12.2009 17:35
141,85 140,95 129,84
F.A.Z.-Renten-Rendite
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche
nach oben

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2009 Medienpartner: NZZ Online

Quellen: Technologie und Kursdaten von der TeleTrader Software AG sowie Fondsdaten aus der FWW-Fondsdatenbank, FWW GmbH. Dieser Service ist powered by X.finance GmbH & Co. KG, © 2009. Alle Börsendaten werden mit mindestens 15 Minuten Verzögerung dargestellt.