05. Juli 2007 Nach einer zum Teil netten, aber zunächst kurzfristigen Zwischenerholung im Juni bringen die Zentralbanken einmal mehr die internationalen Rentenmärkte in die Defensive.
Der Bund-Future liegt am Donnerstag mit einem Minus von 31 Stellen bei 110,26 Prozent und verbucht den dritten Verlusttag in Folge, obwohl die Europäische Zentralbank den Leitzins unverändert bei vier Prozent ließ. Auf der anderen Seite erklärte sie aber, dieses Zinsniveau sei weiterhin akkomodierend und die Finanzsituation in Europa sei für Konsumenten und Unternehmen nach wie vor vorteilhaft.
Zentralbanken geben sich weiterhin restriktiv
Gleichzeitig warnte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet weiterhin vor inflationären Entwicklungen und kündigte an, die Zentralbank werde rechtzeitig dagegen angehen. Aus solchen Äußerungen leiten Marktteilnehmer weitere Zinserhöhungen in den kommenden Monaten ab. So dürfte es kaum verwundern, dass sowohl die Rentenmärkte als auch die Terminkurse für den Geldmarktbereich nach unten laufen. Der September-3-Monats-Euribor-Kontrakt liegt am Donnerstag mit einem Minus von 0,015 Stellen bei 95,62 Prozent und impliziert auf diese Weise einen Zins von 4,38 Prozent.
Ähnliche Signale kommen auch von vielen anderen Zentralbanken, unter anderem der britischen. Sie hat den Leitzins am Donnerstag wie erwartet zum fünften Mal seit August des vergangenen Jahres um einen Viertelprozentpunkt auf nun 5,75 Prozent angehoben. Gleichzeitig zeigte sie sich besorgt darüber, dass die britische Inflationsrate über dem Zwei-Prozent-Ziel bleiben werde und dass die Preisrisiken auf der oberen Seite lägen. Auf diese Weise scheint sie weitere Zinserhöhungen anzukündigen.
Das dürfte kaum verwundern. Denn bisher scheint die britische Wirtschaft kaum auf die bisherigen Zinserhöhungen zu reagieren. Die Häuserpreise stiegen zuletzt auf hohem Niveau überraschend stark, die volkswirtschaftlichen Kapazitäten scheinen stark ausgelastet zu sein und die Unternehmen neigen zu Preiserhöhungen. Aufgrund der bisherigen Zinsentwicklung und der anhaltenden Zinsphantasie stieg das Pfund in den vergangenen Wochen über die Marke von zwei Dollar und liegt mit einem Kurs von 2,0119 Dollar nahe dem höchsten Stand seit 26 Jahren.
Wirtschaftsoptimismus spricht gegen Anleihen - und umgekehrt
Selbst die amerikanische Zentralbank scheint bisher keine Neigung zu verspüren, die Häusermarktkrise und die dadurch induzierte Kreditverknappung mit Zinssenkungen lindern zu wollen. Gleichzeitig neigt der Markt dazu, hereinkommende Konjunkturdaten in den Vereinigten Staaten wirtschaftsoptimistisch zu interpretieren. Das gilt für Arbeitsmarktdaten ebenso wie für Stimmungsindikatoren, obwohl vieles in Amerika auf einen schwachen Produktions- und bald einen schwächeren Konsum hindeutet. Auch das bringt die Rentenmärkte kurzfristig immer weiter in die Defensive. So lange diese Stimmung anhält, dürfte mit Anleihen zumindest auf der Kursseite nur wenig Staat zu machen sein.
Auf der anderen Seite ist diese Entwicklung nur die Konsequenz aus dem anhaltenden Konjunkturoptimismus. Das Problem dabei ist, dass er immer größer werdende Ungleichgewichte und entstandene Vermögenspreisblasen ausblendet. Vieles hängt am amerikanischen Konsum, der wiederum stark schuldengetrieben ist. Sollte er nachlassen, könnten disinflationäre Effekte entstehen und die Kurse an den Rentenmärkten deutlich nach oben treiben. Im Moment scheint das jedoch niemand sehen zu wollen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.422,30 | +0,03 |
| TecDax | 827,16 | +0,24 |
| DowJones | 11.543,96 | -1,46 |
| Nasdaq | 2.367,52 | -1,83 |
| STOXX 50 | 3.365,63 | +0,18 |
| Nikkei 225 | 13.072,87 | +2,39 |
| S&P 500 Zert. | 12,95 | +1,17 |
| Euro/Dollar | 1,47 | -0,24 |
| Bund Future | 114,16 | -0,12 |
| Gold | 830,35 | -0,33 |
| Öl | 114,45 | -1,55 |