Inhaberschuldverschreibungen

Frosch Touristik-Anleihe mit dickem Zins

FTI-Chef Gunz lockt Anleger mit dicken Zinsen.

FTI-Chef Gunz lockt Anleger mit dicken Zinsen.

11. Juli 2005 Die Renditen sind im Keller. Viel mehr als drei Prozent sind bei Staatsanleihen nicht mehr drin - und auch Unternehmensanleihen rentieren nicht viel höher. Wer mehr will, der muß schon mehr Risiko auf sich nehmen.

Zum Beispiel mit der Anleihe des Münchener Reiseveranstalters FTI. Diese direkt vom Emittenten begebene Anleihe kommt zu Pari und ist mit einem Kupon von 6,75 Prozent ausgestattet. Ihre Laufzeit beträgt fünf Jahre, das Volumen immerhin 30 Millionen Euro.

FTI ist nach eigenem Bekunden mittlerweile zu Deutschlands sechsgrößtem Touristik-Anbieter herangereift. 1980 als LAL Sprachreisen gegründet, ging das Unternehmen wenig später in der Frosch Touristik GmbH des heutigen Firmenchefs Dietmar Gunz auf, der in den Folgejahren das Unternehmen vom Spezial- zum Universal-Reiseveranstalter ausbaute und auch in andere Bereiche wie das Geschäft mit touristischer Spezialsoftware expandierte.

Bewegte Jahre

Im Jahr 2000 wurde das Unternehmen vom britischen Anbieter Airtours übernommen. Dietmar Gunz verließ seinerzeit das Unternehmen. Drei Jahre später beschlossen die Briten, schon unter dem Namen My Travel, FTI wieder zu verkaufen. Auf diese Weise kam es zurück in die Hände von Gründer Dietmar Gunz.

Als Grund für den Rückverkauf wurde von My Travel seinerzeit angegeben, daß man angesichts des negativen Umfelds und der Geschichte der Gruppe nicht damit rechne, daß FTI „einen positiven Beitrag zur Trendwende innerhalb der Gruppe werde leisten können“. FTI hatte bis zum 30. September 2002 Schulden von 30 Millionen Pfund angehäuft. Nach Rekapitalisierung durch My Travel wurde das Unternehmen zum Erinnerungswert an Gunz zurückverkauft.

Bilanzen wieder solide

Zum 30. September 2004 standen in den FTI-Bilanzen bei einem Jahresumsatz von 546 Millionen Euro Schulden von rund 50 Millionen Euro, zum größten Teil bei Lieferanten. Demgegenüber steht indes eine Kapitalrücklage von 465 Millionen Euro sowie liquide Mittel von 45,75 Millionen Euro.

Die solide Bilanz kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Geschäftsentwicklung im schwächlichen Touristikgeschäft keinen Anlaß zum Jubeln gibt. Der Jahresumsatz von 545,67 Millionen Euro bedeutet praktisch einen Umsatz auf Vorjahresniveau (minus 0,3 Prozent), nachdem dieser im Jahr davor noch 15 Prozent höher gewesen war.

Besser zeigt sich das Unternehmen beim Ergebnis. Dank deutlicher Kosteneinsparungen fiel das Minus aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um 95 Prozent niedriger aus als in den Vorjahren und sank auf 3,27 Millionen Euro. Auch der Jahresfehlbetrag im Konzern fiel um 96,5 Prozent niedriger aus auf 1,9 Millionen Euro. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen fiel bereits ein Plus von 477.000 Euro an.

Für die Zukunft übt sich das Unternehmen in Optimismus. „FTI verzeichnete Zuwächse bei den Buchungszahlen von 6,7 Prozent in der Wintersaison 2004/05 und liegt derzeit bei den angelaufenen Sommer-Abreisen zehn Prozent über Vorjahresniveau“, erklärt FTI-Chef Gunz. „Im laufenden Geschäftsjahr wollen wir unser operatives Ergebnis weiter verbessern und zugleich mit der Anleihe-Emission unsere Finanzbasis stärken“, ergänz der für Strategische Unternehmensentwicklung zuständige Geschäftsführer Jenei.

Verwendet werden soll die Anleihe laut Emissionsprospekt für die allgemeinen Geschäftszwecke, laut Pressemeldung zur langfristigen Finanzierung des Unternehmenswachstums.

Dennoch: Risiken bleiben

Auch wenn FTI einigermaßen solide dasteht, so bleiben doch über die kommenden fünf Jahre eine Reihe von Risiken. Zum ersten ist die Anleihe nicht von einer der internationalen Rating-Agenturen geprüft worden. Zum zweiten zeichnet sich nicht ab, daß sich die Konsumstimmung in Deutschland nachhaltig verbessern wird. Dies kann auch die Entwicklung des Touristik-Sektors dämpfen. Zum dritten hat sich in den vergangenen vier Jahren allzu deutlich gezeigt, daß Naturkatastrophen, politische Ereignisse und vor allem Terroranschläge immer wieder deutliche Spuren in den Touristik-Umsätzen hinterlassen können.

Und zum vierten wird die FTI-Anleihe nicht an einer Börse quotiert werden. Zwar wäre für die Anleihe ohnehin nur ein geringes Handelsvolumen zu erwarten, so daß sie nur mit hohen Abschlägen zu verkaufen wäre. Doch bedeutet dies praktisch, daß die Anleihe so gut wie unverkäuflich ist. Damit hat die FTI-Anleihe gegenüber vergleichbaren Papieren von Edel Music oder PCC, deren Börsenzulassung vorgesehen ist, einen deutlichen Nachteil. Als Vorteil muß dagegen der höhere Bekanntheitsgrad des Unternehmens in Verbindung mit dessen Größe gelten. Nichtsdestotrotz - wer 6,75 Prozent Rendite haben will, der muß schon mehr Risiko in Kauf nehmen. Und so ist das auch mit der FTI-Anleihe.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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