Schuldenaufnahme

Bund geht auf Privatanleger zu

Von Steffen Uttich

Will wieder mehr Kredite von Privatanlegern aufnehmen: die Deutsche Finanzagentur

Will wieder mehr Kredite von Privatanlegern aufnehmen: die Deutsche Finanzagentur

26. April 2007 Deutschland will wieder mehr Schulden bei Privatanlegern machen. Deren Anteil an der gesamten Kreditaufnahme solle von derzeit 2 Prozent mittelfristig auf 4 bis 5 Prozent steigen, hat sich Gerhard Schleif, Geschäftsführer der für die Kreditaufnahme und Schuldenverwaltung der Bundesrepublik Deutschland zuständigen Finanzagentur, zum Ziel gesetzt. „Wir wollen das Privatkundengeschäft aufpäppeln“, sagte er vor Journalisten in Frankfurt.

Um die Attraktivität zu erhöhen, solle das Angebot über die klassischen Bundesschatzbriefe, Bundesobligationen und Bundesanleihen hinaus erweitert werden. Als Neuheiten seien Bundesschatzbriefe mit einer Bindung an die Inflationsrate und ein breiteres Angebot an Laufzeiten in Vorbereitung. Das erste neue Produkt könnte schon in diesem Jahr auf den Markt kommen, kündigte Schleif an. Eine spezielle Abteilung Produktentwicklung habe in der Finanzagentur zu Beginn dieses Monats ihre Arbeit aufgenommen.

„Vielen Leuten zu stressig“

Noch zu Beginn der neunziger Jahre lag der Anteil der Privatanleger unter den Gläubigern des Staates bei 15 Prozent. Doch mit den seither rückläufigen Zinsen verabschiedeten sich die Sparer zunehmend aus Staatstiteln und investierten in anderen Anlageinstrumenten. „Das gezielte Kaufen von Schatzbriefen und Obligationen ist vielen Leuten zu stressig“, hat der Reutlinger Finanzanalytiker Volker Looman beobachtet. Für Banken und Sparkassen ist dieses Verhalten ein Vorteil, weil sie mit ihrem Angebot an Renten- beziehungsweise Geldmarktfonds sowie Termineinlagen in unmittelbarem Wettbewerb mit den Bundeswertpapieren um das Geld der Privatanleger stehen.

Die in Frankfurt ansässige Finanzagentur des Bundes bekam erst Mitte vergangenen Jahres das Privatkundengeschäft in ihren Verantwortungsbereich. Zu diesem Zeitpunkt ging die Bundeswertpapierverwaltung in Bad Homburg, bei der dieser Geschäftsbereich angesiedelt war, in der Finanzagentur auf. Mit der Zentralisierung des Schuldenwesens unter einem Dach bekam Schleif den politischen Auftrag, die Anlegerbasis zu verbreitern. Als Vorteile eines Engagements in Staatstiteln führt er die Sicherheit der Anlage sowie die kostenlose Depotführung für die Staatstitel an.

Derzeit bringen Bundesschatzbriefe nach dem sechsten Jahr eine jährliche Rendite von 3,9 Prozent (Typ B nach dem siebten Jahr 3,96 Prozent). Das zuletzt gestiegene Zinsniveau an den Anleihemärkten spielt damit dem Vorhaben der Finanzagentur, das Privatkundengeschäft zu beleben, in die Hände. Nachdem sich schon im vergangenen Jahr das Absatzvolumen in dieser Anlegergruppe mit 2,4 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr verdoppelt hatte, hat sich der Trend in den ersten Monaten dieses Jahres fortgesetzt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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