Zwischen Deflation und Inflation

Bundesanleihen im Kurshoch

29. Dezember 2008 Die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen hat zum Jahresende einen neuen Höhepunkt erreicht. Am Montag stieg der Terminkontrakt Bund-Future, ein zuverlässiges Kursbarometer für den Markt der länger laufenden Titel, im Handelsverlauf auf ein Rekordhoch von 125,53 Prozent. Angesichts dieses Kursanstiegs rentierten die zugrundeliegenden Bundesanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit zeitweise nur noch mit 2,89 Prozent. Eine ähnliche Renditeentwicklung war auch in den kürzeren Laufzeiten zu beobachten. Noch nie zuvor gaben sich Investoren bei der Neuanlage in deutschen Staatstiteln mit einer so geringen Verzinsung zufrieden.

Getragen wird der andauernde Ansturm auf Bundesanleihen vor allem von der Angst in der Anlegerschaft vor einer globalen Rezession und damit erhöhten Deflationsrisiken. Die Schuldtitel des deutschen Staates gelten in einem solchen Szenario als besonders sichere Anlageform. In den vergangenen Wochen setzte sich zudem die Erwartungshaltung unter den Marktakteuren durch, dass die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts des wirtschaftlichen Abschwungs im Euro-Raum an weiteren Leitzinssenkungen nicht vorbeikommen dürfte. Das begrenzt erst einmal die Gefahr eines scharfen Renditeanstiegs, der investierten Anlegern unmittelbar Kursverluste bescheren würde.

Depression und Deflation

„Solange die Unsicherheit über die Weltwirtschaft andauert, dürfte es keine gravierenden Korrekturen geben“, erwartet Ingo Mainert, Chefanlagestratege der Fondsgesellschaft Cominvest. „Die Diskussion um die zwei D-Wörter - Depression und Deflation - spricht bis ins Frühjahr hinein gegen einen nachhaltigen Renditeanstieg bei Staatsanleihen.“ Für die Zeit danach mehren sich inzwischen aber die Stimmen, die vor einem abrupten Richtungswechsel warnen. „Die Inflationsrisiken durch die expansive Fiskal- und Geldpolitik werden noch völlig ignoriert und könnten eine schwache Flanke des Rentenmarktes darstellen“, heißt es beispielsweise im Jahresausblick des Frankfurter Bankhauses Metzler. Ein freundliches Marktumfeld für Staatsanleihen im ersten Halbjahr 2009 könnte deshalb durch einen deutlichen Renditeanstieg infolge von zunehmenden Inflationsängsten im zweiten Halbjahr abgelöst werden.

„Für die Anleger in Bundesanleihen steigt die Gefahr, zwischen Deflation und Inflation auf dem falschen Fuß erwischt zu werden“, blickt Jörg Warncke, Fondsmanager bei Union Investment, voraus. Die Vereinigten Staaten seien weiterhin der globale Leitmarkt, an dem sich die anderen Rentenmärkte ausrichten würden. „Die dort betriebene Reflationspolitik wird zwangsläufig eine Inflation auslösen“, lautet seine Einschätzung. Entscheidend für den Anlageerfolg mit Staatsanleihen werde es deshalb im kommenden Jahr sein, den Zeitpunkt und die Dynamik des Richtungswechsels an den Rentenmärkten richtig einzuschätzen.

Weniger Gefahr geht dagegen seiner Ansicht nach von der verstärkten Emissionstätigkeit für die Kursentwicklung von Bundesanleihen aus. Kurz vor Weihnachten hatte die Bundesregierung angekündigt, im kommenden Jahr Anleihen mit einem Rekordemissionsvolumen von 323 Milliarden Euro verkaufen zu wollen. Das liegt gut 100 Millionen Euro über dem diesjährigen Volumen, wobei der Anstieg vor allem auf die angekündigten Maßnahmen zur Finanzmarktstabilisierung zurückzuführen ist. „Ein Einfluss des Emissionsvolumens auf die Nachfrage ist empirisch nicht belegt“, sagt Warncke. Niedrigere Wachstumsraten seien demgegenüber eindeutig das stärkere Argument.

Text: F.A.Z./sfu.
Bildmaterial: FAZ.NET

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