Staatsanleihen

Philippinische Anleihen könnten weiter stark bleiben

Die Finanzmärkte der Philippinen haussieren

Die Finanzmärkte der Philippinen haussieren

22. Januar 2007 Während die Anleihemärkte im allgemeinen nicht so recht in Schwung kommen, ist die Nachfrage nach Anleihen aus Schwellenländern mitunter noch recht gut. Es kommt eben immer darauf an. Während die jüngste internationale Anleihe der Türkei unter Abgaben litt, weil Investoren eine schlechte Kommunikationspolitik hinsichtlich des Emissionsvolumens beklagten, wurde die jüngste Dollar-Anleihe der Philippinen den Emissionsbanken förmlich „aus den Händen gerissen“.

Und nicht nur die Dollar-Anleihen sind beliebt. Auch die Anleihen in Landeswährung verzeichnen eine starke Entwicklung, nicht zuletzt dank einer starken Landeswährung. Der Peso hat in den vergangenen sechs Monaten nicht weniger als 6,4 Prozent an Wert gewonnen und zeigt sich gegenüber dem Dollar so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr, von einem kurzen Höhenflug im Jahr 2002 abgesehen.

Gastarbeiter halten den Peso stark

Die Stärke der Währung Peso ist eine Folge des Zahlungsbilanzüberschusses, der mit 3,8 Milliarden Dollar den höchsten Stand seit sieben Jahren erreicht hat. Dies ist mehreren Faktoren geschuldet. Zum einen läuft der Export gut. Für 2007 erwartet Planungsminister Dennis Arroyo einen Anstieg um 10,5 Prozent.

Zum anderen aber bleibt das Niveau der Übertragungen aus dem Ausland hoch, das durch die Überweisungen verursacht wird, die philippinische Gastarbeiter aus aller Welt an ihre Familien im Inselstaat tätigen. Im Jahr 2006 dürften die Übertragungen 14 Milliarden Dollar erreicht haben - das sind mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Das hat auch dazu geführt, dass die Währungsreserven des Landes mit einem Zuwachs von 20 Prozent auf 23 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf ein Rekordniveau gestiegen sind und 2007 25 Milliarden Dollar erreichen könnten, so Zentralbankgouverneur Amando Tetangco.

Mögliche Inflationsgefahren

Indes macht der Bangko Sentral die außenwirtschaftliche Entwicklung mittlerweile auch Sorgen. Der hohe Kapitalimport, der den Wechselkurs hochtreibe, könne nicht nur den Exporten schaden, sondern auch durch ein Ansteigen der inländischen Liquidität die Inflation anheizen. Diese ist indes - nicht zuletzt aufgrund des starken Peso - 2006 von 7,6 Prozent im Vorjahr auf 6,2 Prozent im Jahr 2005 gefallen.

Nichtsdestoweniger zielt die Zentralbank auf eine Rate zwischen vier und fünf Prozent in diesem Jahr. Man bleibe wachsam und werde präventiv auf Inflationsgefahren reagieren, so Tetangco.

Beobachter interpretieren das so, dass die Bangko Sentral die Leitzinsen in dieser Woche nicht weiter senken wird, nachdem diese im November auf 7,5 Prozent reduziert worden waren. Indes dürfte das Ausbleiben einer Zinssenkung eher die Aufwertung des Peso weiter begünstigen und weiter Kapital ins Land locken.

Liberalisierung des Zahlungsverkehrs angestrebt

Die Zentralbank überlegt daher, den Zahlungsverkehr weiter zu liberalisieren. So könnte das Devisenankaufskontigent der Geschäftsbanken erhöht und das -verkaufskontigent reduziert werden. Das würde die Aufwertung des Peso dämpfen, meint Sergio Edeza von der Rizal Commercial Banking Corporation in Manila. Andererseits würde die Zentralbank vermeiden, ungünstige Zinssignale auszusenden.

Mit der Besorgnis über die Kapitalströme stehen die Philippinen in Asien nicht alleine da. Im Gegenteil äußerten die Zentralbankchefs der Region erst in der vergangenen Woche übereinstimmende Sorge über diese Entwicklung. Um externe Schocks zu vermeiden, müsse man die Funktionsfähigkeit der Devisen- und Finanzmärkte stärken, so Japans Zentralbankchef Toshihiko Fukui.

Im Hintergrund steht das Schreckgespenst der Asienkrise, die durch einen massiven Abzug von Kapital aus der Region ausgelöst wurde. Das Risiko sei heute viel höher, meint auch IWF-Chef Rodrigo de Rato. Im vergangenen Jahrzehnt sei die Integration der globalen Kapitalmärkte viel tiefer geworden.

Indes war die Situation damals eine ganz andere, weil die betroffenen Länder seinerzeit nur geringe Währungsreserven angehäuft hatten. Diese wirkten heute dagegen wie ein Kissen, so Indonesiens Zentralbankgouverneur Burhanuddin Abdullah.

Korrekturpotential, aber kein Auslöser in Sicht

Das ist auf den Philippinen indes nicht so dick wie anderenorts, so der Finanz- und Wirtschaftsinformationsanbieter FactSet. Und so zählt er die Märkte der Philippinen derzeit zu den am stärksten korrekturgefährdetsten, neben denen der Slowakei, der Türkei, Ungarns, Indiens und Indonesiens. In Korrekturphasen erlitten insbesondere die Aktienmärkte die stärksten Einbußen, die die höchsten Leistungsbilanzdefizite und niedrigsten Währungsreserven aufwiesen. Die Erfahrung lehrt, dass im Falle von Schwellenländern Anleihen- und Aktienmärkte in Krisen gleichermaßen unter Druck geraten.

Indes laufen die Märkte derzeit immer noch in die andere Richtung und Auslöser für eine Korrektur sind derzeit nicht unmittelbar absehbar. Shane Oliver, Chefökonom und Chefinvestmentstratege bei AMP Capital, hält es für am besten, sich nicht gegen die Marktkräfte zu stellen. Die Märkte seinen fundamental günstig. So sei es nur natürlich, wenn sich amerikanische Investoren von einem überbewerteten Heimatmarkt abwendeten.

Stark sinkendes Bondsangebot

Den philippinischen Bonds kommt überdies zugute, dass das Angebot stark sinkt. Im vergangenen Jahr hat der Inselstaat seine Emissionen in Fremdwährung um zwei Drittel und in einheimischer Währung um 16 Prozent gekürzt. Das war eine Folge eines in den ersten elf Monaten halb so hohen Haushaltsdefizits.

Und das Angebot könnte weiter fallen, meint Marcelo Ayes von Rizal. Angesichts der Entwicklung der Zahlungsströme, einer fallenden Inflation, eines starken Peso und niedrigen Haushaltsdefizits, rechnet er mit weiter fallenden Renditen, nicht eben zuletzt aufgrund reichlicher Liquidität und eines niedrigeren Angebots.

Eine neue Verschuldungsstrategie könnte indes die Angebotsstruktur für Privatanleger interessanter machen. Denn die Regierung will das Kapital seiner Gastarbeiter besser nutzen und Bonds in Peso, Dollar oder Euro auflegen, die speziell auf diese Gesellschaftsschicht gemünzt sein sollen.

Auch die WGZ-Bank ist optimistisch. Nachdem nunmehr aller Rating-Agenturen ihre negativen Ausblicke zurückgenommen hätten, könnte angesichts einer positiven Haushaltsentwicklung sogar eine Rating-Verbesserung realistisch sein. Und so gehören philippinische Euro-Anleihen zu den wenigen Schwellenländerrenten, die die Analysten zum Kauf empfehlen. Beliebt ist derzeit vor allem der 2016 fällige und mit 6,25 Prozent verzinste Langläufer, der mit 105,05 Prozent auf einem Allzeithoch notiert.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET, REUTERS

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