Rentenmarkt

Banken bereiten ersten Flugzeugpfandbrief vor

26. Februar 2008 Seit Jahren geht das Geschäftsvolumen der Hypothekenbanken zurück. Jetzt wollen sie sich mit der Finanzierung von Flugzeugen eine zusätzliche Nische erschließen. An der Qualität des traditionellen Hypothekenpfandbriefs wollen die Banken nichts ändern. Anders als erwogen, bleibt die Beleihungsgrenze bei 60 Prozent und wird nicht auf 80 Prozent erhöht.

Die knapp 240 Jahre lange Geschichte des Pfandbriefs ist alles andere als reich an Neuerungen. Insofern ist die bevorstehende Einführung von Flugzeugpfandbriefen vergleichsweise aufsehenerregend. Seit den Tagen Friedrichs des Großen, der per "Cabinets-Ordre" die Grundlagen des heutigen Pfandbriefsystems schuf, dienen Staatskredite und Hypothekenkredite als Sicherheiten für die Anleihen. Später kamen noch Schiffskredite hinzu - und nun also Flugzeuge.

Neue Nischen kommen den Pfandbriefbanken entgegen

„Schon vom kommenden Jahr an könnte es die ersten Flugzeugpfandbriefe geben", sagte Louis Hagen, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Pfandbriefbanken (vdp), vor Journalisten in Frankfurt. Mindestens eine Bank bereite eine Emission vor. Im Januar habe der Verband dem Finanzministerium einen Vorschlag für die Novelle des Pfandbriefgesetzes übergeben. Es sei geplant, dass das neue Gesetz noch in diesem Jahr verabschiedet werde, damit es zu Beginn des Jahres 2009 in Kraft treten könne. Das Pfandrecht für Flugzeuge sei dem für Schiffe sehr ähnlich - es gebe zum Beispiel ein Register -, weshalb Flugzeuge für die Besicherung von Pfandbriefen gut geeignet seien, sagte Henning Rasche, vdp-Präsident und Mitglied des Vorstandes der Eurohypo. Der Verband verspricht sich aus den Flugzeugfinanzierungen ein Emissionsvolumen von 2 bis 3 Milliarden Euro im Jahr.

Die neue Nische dürfte den Pfandbriefbanken willkommen sein, denn seit Jahren geht das Volumen vor allem in der Staatsfinanzierung zurück. Ende der neunziger Jahre, als die Branche ihre beste Zeit hatte, kamen jährlich Pfandbriefe im Wert von mehr als 250 Milliarden Euro auf den Markt. 2007 waren es nur noch 135 Milliarden Euro, nach 167 Milliarden Euro im Jahr 2006. Auch das Gesamtvolumen des Marktes sinkt. Es ist in den vergangenen zehn Jahren von rund 1100 auf zuletzt 888 Milliarden Euro gefallen, und auch für dieses Jahr rechnet Rasche mit einem weiteren Rückgang. Ursache sei das nachlassende Geschäft mit Staatskrediten. Das werde durch den Zuwachs bei Immobilienfinanzierungen nicht aufgefangen.

Aufweichung der Qualität vorerst vom Tisch

Eine im vergangenen Jahr erwogene Aufweichung der Qualität der Pfandbriefbesicherung scheint vorerst vom Tisch zu sein. Einige Hypothekenbanken hatten gefordert, mit der nun bevorstehenden Gesetzesnovelle die Beleihungsgrenze für Wohnungskredite von 60 auf 80 Prozent anzuheben. In Deutschland ist die Besicherung der Pfandbriefe per Gesetz geregelt. In den Deckungsstöcken der Banken dürfen zum Beispiel Immobilienkredite nur bis zu 60 Prozent des Beleihungswertes der Immobilie angerechnet werden. Der Beleihungswert liegt in Deutschland üblicherweise rund 15 bis 20 Prozent unter dem Marktwert des beliehenen Hauses. Selbst wenn Kredite ausfallen, können die Inhaber der Pfandbriefe also auf einen großen Sicherheitspuffer vertrauen, der noch großzügiger ist als bei den gedeckten Schuldverschreibungen (Covered Bonds) anderer Länder.

Diese zusätzliche Sicherheit wurde lange von den Anlegern kaum beachtet. Die Renditeunterschiede zu gedeckten Schuldverschreibungen zum Beispiel aus Spanien oder Großbritannien betrugen vor dem Beginn der Kreditkrise nur wenige Basispunkte, meist weniger als 0,1 Prozentpunkte, an jährlicher Verzinsung. Deshalb zweifelten viele deutsche Hypothekenbanken an ihrem System und glaubten sich eine Aufweichung leisten zu können.

Doch mit dem Beginn der Finanzkrise hat sich das Bild gewandelt. Jetzt wissen die Anleger wieder die Vorzüge einer umfangreichen Besicherung zu schätzen. Das drücken auch die Marktpreise aus: Während sich für deutsche Banken die Finanzierung per Pfandbrief kaum verteuert hat, müssen britische und spanische Banken für die Finanzierung per Covered Bond beziehungsweise Cedulas 30 bis 40 Basispunkte mehr an Risikoprämie bieten. Seit die Qualität des Pfandbriefs wieder belohnt werde, seien "sämtliche Überlegungen vom Tisch, die nur den Anschein erwecken, dass der Pfandbrief aufgeweicht werden könnte", sagte Verbandsgeschäftsführer Hagen.



Text: F.A.Z., 27.02.2008, Nr. 49 / Seite 21
Bildmaterial: F.A.Z.

 
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