23. November 2004 Pakistan will bis spätestens Januar erstmals eine islamische Anleihe auflegen. Das kündigte Ministerpräsident Shaukat Aziz in einem Interview mit Bloomberg News in Colombo, der Hauptstadt von Sri Lanka, an. Das Land möchte die wachsende Nachfrage nach Wertpapieren nutzen, die den moslemischen Gesetzen entsprechen.
Mit dem Emissionserlös will Pakistan das Wirtschaftswachstum fördern, das Haushaltsdefizit finanzieren und seinen Kapitalmarkt entwickeln. Die Anleihe soll ein Volumen von 300 Millionen Dollar bis 500 Millionen Dollar (230 Millionen Euro bis 385 Millionen Euro) haben, verlautete aus Konsortialkreisen.
"Wir werden wahrscheinlich im Dezember oder Januar an den Markt kommen," sagte Aziz, der früher Manager bei der Citigroup
war. "Es fällt sicherlich in die Finanzierung für das laufende Haushaltsjahr." Er wollte keine Einzelheiten zum Volumen und Laufzeit der Anleihe verraten.
Rege Nachfrage erwartet
Die geplante Emission ist die zweite am internationalen Kapitalmarkt seit 1997. Das Land kehrte im Februar erstmals an den Kapitalmarkt zurück und nahm 500 Millionen Dollar auf. Die Emission war dreifach überzeichnet. 1998 hatten Atomtests Pakistans internationale Sanktionen ausgelöst, darunter auch ein Verbot für Hilfsgelder und Kredite. In der Zwischenzeit wurden die Verbote gelockert.
Konsortialführer bei der islamischen Anleihe sind Citigroup und HSBC Holdings. Sprecher der beiden Banken standen für einen Kommentar nicht zur Verfügung. Die federführenden Emissionshäuser arbeiten an den Unterlagen für die Anleiheplazierung, erklärte Aziz, der früher Finanzminister von Pakistan war.
Anleger, die sich nach dem islamischen Gesetz richten, werden an der Anleihe interessiert sein. Islamische Fonds, die nicht in Spirituosen-, Spiel- und Tabakkonzerne investieren dürfen, verwalten etwa 250 Milliarden Dollar weltweit. "Es wird eine rege Nachfrage nach den Anleihen geben," erwartet Ben Yuen, Fondsmanager bei First State Investments in Hongkong. "Solche Papiere sind rar und bei islamischen Investoren begehrt."
Zinszahlungen nach dem Koran verboten
Malaysia hat als erstes Land im Jahr 2002 eine auf Dollar lautende islamische Anleihe herausgebracht. Auch Katar, Bahrain, Sachsen-Anhalt und Dubai haben islamische Papiere begeben. Nach moslemischen Gesetzen sind Zinszahlungen verboten. Islamische Anleihen sind durch Aktiva unterlegt, die von den Kreditnehmern an eine spezielle Gesellschaft verkauft werden und zurückgemietet werden. Die Anleger erhalten statt Zinsen die Mieteinnahmen. Bei Fälligkeit kauft der Emittent die Aktiva zu einem vereinbarten Preis zurück und die Anleger erhalten den Nominalwert zurück.
Die größten Käufer islamischer Anleihen sind Fondsmanager, die die moslemischen Gesetze erfüllen wollen, berichtet Wu Da, Fondsmanager bei DBS Asset Management in Singapur. Sie kommen meist aus dem Mittleren Osten. Aber auch asiatische und europäische Banken und Fonds kaufen islamische Anleihen, wenn sie attraktive Renditen bieten, erläutert er. Wu würde seine pakistanischen Dollar-Anleihen mit Fälligkeit 2009 gegen die islamische Anleihe tauschen, wenn diese eine relativ hohe Rendite bietet. "Die Liquidität der islamischen Anleihe wird geringer sein als bei einem normalen Papier. Sie muß mit einer etwas höheren Rendite ausgestattet sein," sagt Wu.
Standard&Poor´s stuft Pakistan auf B+
Pakistan plant im kommenden Jahr noch weitere Auslandsanleihen, kündigte Aziz in dem Interview an. Über die Einzelheiten wird nach der Plazierung der islamischen Anleihe entschieden. "Unsere Strategie läuft darauf hinaus, einmal im Jahr den Euro-Markt anzuzapfen, um auch den Kontakt zu internationalen Anlegerkreisen zu pflegen," erläutert er. "Als wir mit der Emission über 500 Millionen Dollar an den Markt kamen, stieß sie bei den Anlegern auf eine gute Resonanz."
Die Gelder werden möglicherweise zur Finanzierung des Haushaltsdefizits verwendet. Der Fehlbetrag ist dieses Jahr auf 3,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt gesunken, nach sieben Prozent bis acht Prozent im Vorjahr, berichtet Aziz. Standard & Poor's hat am Montag die Bonitätseinstufung von Pakistan um eine Stufe nach oben gesetzt, auf "B+". Die Ratingagentur verwies dabei auf die sinkenden Schulden und Schuldendienstkosten und das Wirtschaftswachstum.
Text: Bloomberg
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