Anleihen

S&P hebt Rußlands Fremdwährungs-Note auf „BBB“ an

15. Dezember 2005 Standard & Poor's hat Rußlands langfristiges Fremdwährungs-Rating um eine Stufe von „BBB-“ auf „BBB“ angehoben. Zur Begründung führte die Ratingagentur an, das Land profitiere vom hohen Ölpreis.

Damit liegt die Bonitätsnote von Rußland auf der gleichen Ebene wie die von Bulgarien und Kroatien. Rußland, weltweit der zweitgrößte Ölproduzent nach Saudi- Arabien, hat den rekordhohen Ölpreis genutzt, um seine Auslandsschulden abzuzahlen und Devisenreserven aufzubauen. Das Land, das 1998 Rubel-Anleihen im Volumen von 40 Milliarden Dollar nicht bedienen konnte, wurde dieses Jahr zum Nettogläubiger.

Öboom führt zu einer deutlichen Verbesserung der Finanzsituation

Einen Teil seiner Devisenreserven hat Rußland genutzt, um Schulden zurückzuzahlen, darunter 15 Milliarden Dollar an die Gläubigerländer der Pariser Clubs. In der Woche zum neunten Dezember stiegen die Devisenreserven um 700 Millionen Dollar auf 169,1 Milliarden Dollar. 1998 beliefen sie sich auf etwa zwölf Milliarden Dollar. „Die Ratingnoten für Rußland spiegeln die kontinuierliche Verbesserung bei den russischen Staatsfinanzen wider, die auf den in letzter Zeit ungewöhnlich hohen Ölpreis und eine erfolgreiche Schuldenverwaltung zurückzuführen sind“, schrieb die Ratingagentur in einer Erklärung.

Die Rendite der mit fünf Prozent verzinsten und 2030 fälligen Anleihe sank um 1,4 Basispunkte auf 5,60 Prozent, der Kurs stieg. Die Aktienkurse legten nach der Bonitätsheraufstufung ebenfalls zu. Der Moscow Interbank Currency Index zog 0,4 Prozent auf 1.000,57 Zähler an. Der Preis für Rohöl der Sorte Ural, die wichtigste Exportölsorte des Landes, ist dieses Jahr um 62 Prozent geklettert. Öl, Gas und Metalle machen über die Hälfte der russischen Exporterlöse aus.

Auf dieser Basis dürften die weiteren Perspektiven des Landes nicht allzu schlecht sein, zumindest solange der Rohstoffboom anhält. Denn sollte die Regierung die hereinkommende Liquidität nicht nur dazu nutzen, um die Finanzposition zu sanieren und zu verbessern, sondern auch im Land für nachhaltige, verläßliche und vor allem auch transparente Strukturen zu etablieren, könnte und dürfte sich eine Binnenwirtschaft mit Eigenlegen entwickeln.

Entscheidend ist die Etablierung verläßlicher und transparenter Strukturen

Wirtschaftsoptimisten sehen jetzt schon entsprechende Entwicklungen. Sie berichten über eine relativ hohe Kaufkraft der Bevölkerung, die den Konsum im Lande beflügelt. Gleichzeitig hätten sich auch viele Unternehmen des Landes von der Krise Ende der neunziger Jahre erholt und auf den internationalen Wettbewerb eingestellt. Auf diese Weise könne nicht nur ein Multiplikator-Effekt in Gang kommen, sondern in bestimmten Bereichen nimmt sogar die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu.

Auf der anderen Seite bietet die politische Entwicklung im Land Anlaß zu einer gewissen Kritik. Denn im Rohstoff- und vor allem auch im Ölsektor spielt der Staat unter umstrittenen Umständen wieder eine starke Rolle. Das heißt, Anleger sind nie vor Überraschungen sicher. Auch andere Punkte sorgen für Stirnrunzeln. Unter anderem die eingeschränkte Pressefreiheit. Insgesamt bietet das Land sicherlich große Chancen. Allerdings sollten die Risiken bei allem Optimismus nicht übersehen werden. Das heißt, eine Begrenzung der Rußland-Positionen in einem Anlageportfolio scheint aus Diversifikationsgründen grundsätzlich ratsam zu sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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