Pfandbriefmarkt

Pfandbriefmarkt: Hartnäckige Verunsicherung

Von Stefan Ruhkamp

Flagge zeigen: Chinas Zentralbank kauft gerne Pfandbriefe

Flagge zeigen: Chinas Zentralbank kauft gerne Pfandbriefe

11. Oktober 2007 Sicherheit und Liquidität seien die wichtigsten Vorzüge des Pfandbriefs, wirbt der Verband der Hypothekenbanken. Doch ganz ungeschoren kommt auch der Pfandbrief nicht durch die Finanzkrise. Die Verwerfungen sind zwar geringer als bei riskanteren Anlagen und vor allem als auf dem undurchsichtigen Markt für strukturierte Kreditforderungen, der noch immer wie eingefroren ist.

Gleichwohl ist der Handel mit Pfandbriefen in schwieriges Fahrwasser geraten. Das Misstrauen der Banken untereinander hat auch ihn infiziert, obwohl Pfandbriefe durch eigens dafür reservierte Vermögenswerte - Staatskredite und Immobilienkredite - umfangreich besichert sind. So dürfen die zur Absicherung genutzten Kredite nur mit maximal 60 Prozent des Beleihungswertes, das ist etwa die Hälfte des Marktwertes der Immobilie, gezählt werden.

„Pfandbriefe konnte man zeitweise nicht handeln“

Die Spannen zwischen den Kursen, die Banken für den An- und Verkauf von Pfandbriefen stellen, haben sich trotzdem zeitweise verdreifacht. Bei einigen Papieren betrug der Abstand mehr als 0,3 Prozent des Nennwerts. Das klingt nicht beeindruckend, aber für eine Anlageklasse, die eine mäßige Verzinsung, dafür aber hohe Sicherheit verspricht, ist ein verlässlicher Markt besonders wichtig. „Umso schlimmer ist es, dass man Pfandbriefe zeitweise gar nicht handeln konnte“, sagt Torsten Strohrmann, Fondsmanager der DWS.

Das sei ein Ärgernis, allerdings könne man das Versagen den Banken, die sich zur Nennung von verbindlichen Preisen verpflichtet hatten, kaum vorwerfen. Zu groß sei die allgemeine Verunsicherung gewesen. „Der Handel mit Pfandbriefen hat sich leider als weniger krisenfest herausgestellt, als weithin angenommen“, sagt Christoph Anhamm, Analyst bei ABN Amro. Dieses Manko gelte aber nur für die Handelbarkeit der Pfandbriefe.

Sicher seien sie jederzeit gewesen, sagt Anhamm. Die Risikoprämien gegenüber Bundesanleihen haben sich auf dem Höhepunkt der Krise bei mittleren Laufzeiten um etwa 0,2 Prozentpunkte, bei langen Laufzeiten um bis zu 0,3 Prozentpunkte ausgeweitet. Inzwischen haben sich diese Werte schon wieder deutlich verringert.

Asiatische Notenbanken kaufen gerne Pfandbriefe

Das wird die Investoren freuen, zu denen neben heimischen Versicherern, Fonds und Privatanlegern seit etwa vier Jahren auch im wachsenden Maß asiatische Zentralbanken gehören. Der Anteil der Notenbanken von China, Japan, Hongkong, Taiwan und Singapur wird derzeit auf 3 bis 5 Prozent geschätzt. „Aus Sicht der Anleger hat sich der Pfandbrief im Vergleich zu anderen Anleihemärkten durchaus gut geschlagen“, sagt Louis Hagen, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken. Er erwarte deshalb, dass der Pfandbrief gestärkt aus der Krise hervorgehen werde.

Die immer noch andauernde Verunsicherung erklärt sich Hagen unter anderem damit, dass der deutsche Pfandbrief derzeit mit verwandten Anleiheformen wie den britischen Covered Bonds über einen Kamm geschoren werde. Mancher Covered Bond und mancher spanische Pfandbrief sei mit Krediten gedeckt, die sich auf Immobilienmärkte beziehen, die viele Investoren als überteuert einschätzen und bei denen sie Rückschläge befürchten.

In den Deckungsstöcken deutscher Pfandbriefbanken hätten die im Ausland an Privathaushalte vergebenen Immobilienkredite, die als anfällig gelten, nur einen Anteil von etwa einem halben Prozent. Der Anteil privater amerikanischer Immobilienkredite habe in den deutschen Deckungsstöcken sogar nur eine Größenordnung von etwa 0,01 Prozent.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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