Auswirkungen der Finanzkrise

Eingeschränkter Handel mit Pfandbriefen in Stuttgart

Von Julia Roebke

Blick in den Handelssaal der Stuttgarter Börse

Blick in den Handelssaal der Stuttgarter Börse

09. Oktober 2008 

Die Handelsbeschränkungen an der Börse in Stuttgart werden immer gravierender und haben jetzt sogar den Markt für Pfandbriefe erreicht. Aufgrund der hohen Verkaufsbereitschaft der Anleger sei der Handel in Jumbo-Pfandbriefen, Niedrig-Zins-Anleihen und in Unternehmensanleihen nur noch stark eingeschränkt möglich, heißt es von der Börse Stuttgart. Mit Pfandbriefen trennen sich verunsicherte Anleger nun auch von Schuldtiteln, die mit Hypotheken oder Staatskrediten besichert sind und bei Experten als fast so sicher wie Bundesschatzbriefe gelten.

„Privatanleger stoßen Anleihen ab, die sie als risikoreich empfinden“, sagt Karlheinz Pfeiffer, Anleihenexperte bei der Börse Stuttgart. Dabei würfen manche Anleger alle Formen der Anleihen in einen Topf, und die Banken könnten als Marktmacher aufgrund von Liquiditätsengpässen nicht alle Verkäufe sofort aufnehmen. Anleger müssten daher zum Teil sehr hohe Verluste hinnehmen. Betroffen seien davon nicht Pfandbriefe einzelner Emittenten, sondern der ganze Pfandbriefmarkt.

Finanzkrise sorgt für Turbulenzen

Bei den Unternehmensanleihen sei der Handel mit Bank-, Versicherungs- und Automobiltiteln stark beeinträchtigt, Anleihen von Versorgern seien hingegen bisher geringer betroffen, berichtet Pfeiffer. Auch hätten die Anleger das Vertrauen in Zertifikate verloren, der Handel sei sehr stark eingeschränkt. „Wir tun alles, um den Markt aufrechtzuerhalten, versuchen die Verkaufsaufträge so gut wie möglich unterzubringen.“ Aber im Moment sei es schwierig, gibt Pfeiffer zu. Bundesanleihen seien im Gegenzug sehr stark gefragt. Es sei bizarr, dass die Anleger mit großem Verlust Pfandbriefe verkauften, die Staatsanleihen sehr ähnlich seien, nur um sich dann „echte“ Staatsanleihen zuzulegen, sagt der Anleihenexperte.

Die Finanzkrise sorgte bei der Börse in Stuttgart im Handel schon mehrmals für Turbulenzen. Die Pfandbriefe sind nun erstmals betroffen. Zuletzt kam es im März dieses Jahres im Handel mit einigen Derivateemittenten zu Ausfällen. Anleger konnten an der Börse teilweise über Stunden hinweg zahlreiche Finanzprodukte weder kaufen noch verkaufen. Von den Banken wurden keine Preise gestellt. Die Institute begründeten dies mit technischen Problemen.

Auch in Frankfurt hat die Derivatebörse Scoach am Mittwoch abermals mitgeteilt, dass aufgrund der Marktbewegungen der Handel bei diversen Emittenten nur eingeschränkt, zum Teil gar nicht möglich sei. Der Markt für Pfandbriefe an der Frankfurter Börse sei im Moment jedoch nicht eingeschränkt, teilte eine Sprecherin mit. Es gebe auf dem Markt aber eine große Zurückhaltung, es sei zum Teil nicht einfach, Käufer zu finden.

Kein Ausfall in der mehr als 100 Jahre dauernden Geschichte

Der Verband Deutscher Pfandbriefbanken versucht unterdessen zu beruhigen. „Die Pfandbriefe werden gerade zu Unrecht in Sippenhaft genommen, dabei sind sie eine sehr solide Geldanlage“, sagt eine Sprecherin. In der mehr als 100 Jahre dauernden Geschichte der Pfandbriefe sei es noch nie zu einem Ausfall gekommen. Die Laufzeit der festverzinslichen Wertpapiere beträgt bis zu zehn Jahre, jährlich erhält der Anleger eine Zinsgutschrift. Nach Angaben des Verbands hat der Pfandbriefmarkt ein Volumen von etwa 900 Milliarden Euro, die Anleihen werden zu 92 Prozent von institutionellen Anlegern gehalten.

Der Pfandbriefmarkt ist der zweitgrößte Markt unter den festverzinslichen Wertpapieren, nur die Schuldverschreibungen des Staates haben noch ein größeres Volumen. Das Besondere an Pfandbriefen ist, dass selbst im Falle einer Insolvenz des Emittenten das Pfandbriefvermögen streng vom Kapital der emittierenden Bank getrennt sei. Zudem haben die Anleger das sogenannte Insolvenzvorrecht, das heißt, die Deckungsmasse steht im Ernstfall allein den Pfandbriefgläubigern zur Bedienung ihrer Forderungen zur Verfügung.

„Die Leute reagieren panisch, stellen einfach ihre Depots glatt und gehen in Bargeld“, beobachtet auch Dirk Ahrens, Kursmakler bei ICF. Es werde kein Unterschied mehr gemacht zwischen gedeckter oder ungedeckter Ware, dabei seien Pfandbriefe mit das Sicherste, was man kriegen könne. Relativ problemlos, jedoch mit großen Abschlägen ließen sich Pfandbriefe mit kurzen Fälligkeiten umsetzen. So gebe es zum Beispiel gerade gedeckte Pfandbriefe mit einer Fälligkeit im Dezember dieses Jahres für eine Rendite von 15 Prozent - „ein echtes Schnäppchen“, urteilt der Kursmakler. „Für alles, was länger läuft als zwei Jahre, gibt es jedoch keinen Geldkurs mehr.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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