07. November 2007 Die andauernde Krise auf den Kreditmärkten steckt immer mehr Unternehmen an. An der Wall Street sind in den vergangenen Wochen die Kurse von Versicherern massiv unter Druck geraten, die sich auf die Absicherung von Anleihen spezialisiert haben.
Diese Spezialversicherer, die im Branchenjargon wegen ihrer Konzentration auf nur eine Geschäftssparte Monolines heißen, versichern traditionell von amerikanischen Städten und Gemeinden emittierte Anleihen, sogenannte Kommunalobligationen, gegen Ausfälle.
Wall Street: Sorge um Bonitätsabstufung
In den vergangenen Jahren haben die Versicherer ihr Geschäft auf strukturierte Finanzprodukte ausgeweitet. Darunter versteht man komplexe Anleihen, die mit verschiedenen Formen von Darlehen besichert sind, darunter auch mit Hypotheken. Der amerikanische Hypothekenmarkt war jüngst wegen zunehmender Zahlungsausfälle finanzschwacher Hausbesitzer unter Druck geraten. Das hatte sich negativ auf die Bewertung der Anleihen ausgewirkt, die mit diesen Darlehen besichert sind.
An der Wall Street herrscht nun die Sorge, dass es zu einer Bonitätsabstufung bei einem der größeren Monoline-Versicherer kommen könnte. Das würde dramatische Auswirkungen auf den großen Markt für Kommunalanleihen (Municipal Bonds oder Munis) haben. Wenn es ein Problem mit einem der Monoline-Versicherer gibt, wäre es ein schwerer Schlag für die Muni-Märkte, sagte Matt Fabian, Analyst bei der Analysegesellschaft Municipal Market Advisors, gegenüber der Financial Times.
Aktienkurs von MBIA um 55 Prozent eingebrochen
Der Grund: Die Hälfte der amerikanischen Kommunalanleihen wird von diesen Spezialversicherern garantiert. Der Wert der Anleihen steht in enger Verbindung zu den Bonitätsnoten der Versicherer. Würde die Bonität eines Versicherers von einer der großen Kreditbewertungsagenturen gesenkt, müssten eine Reihe von Muni-Anleihefonds, die keine Risikopapiere halten dürfen, die entsprechenden Anleihen auf den Markt werfen.
Der Aktienkurs des Monolines-Versicherers MBIA ist in diesem Jahr bereits um 55 Prozent eingebrochen. MBIA kommt damit nur noch auf einen Börsenwert von 4,2 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs des Konkurrenten Ambac Financial brach sogar um 72 Prozent ein. Es bleibt eine Marktkapitalisierung von 2,5 Milliarden Dollar. Beide Versicherer berichteten für das vergangene Quartal Verluste, weil sie aufgrund der Verwerfungen im Kreditmarkt den Wert strukturierter Anleihen berichtigen mussten.
Risiko von Versicherungsverlusten gestiegen
Die Unternehmen betonten aber, dass die Wertberichtigungen nicht zu steigenden Schadensersatzansprüchen ihrer Kunden führen würden. Einige Analysten glauben jedoch, dass das Risiko von Versicherungsverlusten größer ist, als von den Unternehmen dargestellt wird.
Das birgt das Risiko einer Abstufung der bislang exzellenten Bonität (AAA) der Unternehmen. Sollten Investoren das Vertrauen verlieren, könnten die Unternehmen möglicherweise Schwierigkeiten dabei bekommen, Geld aufzunehmen, um ihre hohe Bonitätsnote zu verteidigen. Kunden werden sich wahrscheinlich zurückhalten, neue Finanzierungsmittel für MBIA zur Verfügung zu stellen, solange das Risiko einer Bonitätsabstufung in der Luft hängt, schrieb die Kreditanalystin Kathleen Shanley von der Analysegesellschaft Gimme Credit.
Investoren scheinen verunsichert
Ambac sei, gemessen an den Standards der Kreditbewertungsagenturen, ausreichend kapitalisiert. Allerdings sei der Versicherer stärker bei den mit Hypotheken besicherten Anleihen engagiert als MBIA. Die Kosten für die Versicherung der Anleihen von MBIA und Ambac über sogenannte Credit Default Swaps, waren im vergangenen Monat bereits deutlich angestiegen.
Die Kreditbewertungsagentur Standard & Poor's hatte es jüngst zwar als unwahrscheinlich bezeichnet, dass die Bonität der Anleiheversicherer heruntergestuft wird. Investoren scheinen aber dennoch verunsichert, weil die Ratingagenturen wegen ihrer späten Abstufung von Hypothekenanleihen in jüngster Zeit an Glaubwürdigkeit verloren haben.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET
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