07. Dezember 2005 Konnten die ungarischen Finanzmärkte in den vergangenen Jahren aufgrund des EU-Beitritts und der dadurch ausgelösten Konvergenzbewegung und -phantasie mit zum Teil gewaltigen Kursgewinnen aufwarten, so hat sich das Bild inzwischen eingetrübt. Das zeigt sich unter anderem an einer gewissen Konsolidierung der Börse, am Rentenmarkt und auch am Devisenkurs des Landes.
So hat der BUX-Index in den vergangen beiden Tagen knapp vier Prozent verloren. Nach einem Plus von bis zu knapp 243 Prozent seit dem März des Jahres 2003 liegt der Index inzwischen 12,6 Prozent unter dem im September erreichten Allzeithoch. Auch am Rentenmarkt des Landes kam es in den vergangenen Wochen zu Kursverlusten. Die Währung befindet sich ebenfalls in der Defensive.
Budgetprobleme führen zu erster Herunterstufung seit 15 Jahren
Hintergrund ist nicht nur eine veränderte, internationale Zinslandschaft. Vor allem hausgemachte Probleme spielen eine Rolle. Besser gesagt, sind es nicht gemachte. Das zeigt sich in ausgeprägter Form daran, daß die Ratingagentur Fitch am Dienstag die Kreditwürdigkeit des Landes auf der Währungsseite von A auf A minus heruntergestuft hat. Die Fremdwährungsanleihen sind von A minus auf BBB plus reduziert worden. Sie verweist dabei auf die Verschuldung des Landes und auf die Unfähigkeit der Regierung, notwendige Konsolidierungsmaßnahmen umzusetzen. Das war die erste Herunterstufung seit 15 Jahren.
Eine abnehmende Kreditwürdigkeit kann dazu führen, daß sich die Refinanzierung des Landes verteuert, was die Budgetprobleme noch verstärken dürfte. Ungarn lebt ähnlich wie die westeuropäischen Staaten dauerhaft über seine Verhältnisse und muß die Einnahmelücke über Fremdkapital finanzieren. Sollte das Land sein Ausgabeverhalten nicht verbessern, dürfte es kaum in der Lage sein, nach dem EU-Beitritt auch den Euro in den kommenden Jahren einzuführen. Dazu müßte das Defizit halbiert werden. Aber dafür gibt es kaum Anzeichen. Im Gegenteil.
Die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß die Regierung im laufenden Jahr ihre Budgetziele zum vierten Mal in Folge verfehlen wird. Denn das Defizit belief sich in den vergangenen elf Monaten auf 1,2 Billionen Forint oder umgerechnet 4,72 Milliarden Euro. Diese Zahl liegt rund 17 Prozent über dem ursprünglich angestrebten Ziel.
Währung und Anleihen in der Defensive
Sollte sich diese Entwicklung nicht nachhaltig verbessern, dürften sowohl Währung als auch die Anleihen zunehmend in die Defensive geraten. Denn was nützt ein deutlicher Zinsvorsprung - die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen Ungarns in lokaler Währung ist mit 6,8 Prozent mehr als doppelt so hoch wie jene deutscher Bundesanleihen - wenn der ausländische Anleger mit einem Währungsverlust rechnen muß? Und im Moment befindet sich der Forint sowohl gegen den Euro als auch gegen den Dollar in der Defensive.
Gegen den Dollar hat er längst den mittelfristigen Aufwertungstrend durchbrochen, der von 317,56 Forint je Dollar im Oktober des Jahres 2000 auf bis zu 180,13 Forint im Dezember des vergangenen Jahres geführt hatte. Inzwischen befindet sich die Währung des Landes in einem kurzfristigen Abwertungstrend und liegt mit 215,97 Forint je Dollar knapp 20 Prozent über dem Kurstief oder unter ihrem Hoch.
Gegen den Euro sieht es kurzfristig ähnlich aus, auch wenn hier die Kursentwicklung deutlich volatiler als gegen den Dollar ist. Konnte der Forint im vergangenen Jahr von 272,75 Forint je Euro bis auf 241,49 Forint im März des laufenden Jahres aufwerten, so liegt er inzwischen wieder bei 254 Forint je Euro. Damit liegt er knapp an einer Unterstützungszone bei 255 Euro. Sollte sie bei unverändert schwachem fiskalischen Ausblick durchbrochen werden, dürfte sie weiterhin zur Schwäche neigen.
Mit Blick auf die Börse relativiert sich das Bild. Denn trotz der gewaltigen Kursgewinne der vergangenen Jahre zählt der Markt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa zwölf auf Basis der Gewinnschätzungen international zu den attraktivsten. Hier dürfte sich das Bild nur dann eintrüben, wenn sich die Gewinnaussichten eintrüben sollten. Die hängen aber nur bedingt von der lokalen Entwicklung ab.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.613,20 | −0,12% |
| TecDAX | 752,81 | −1,05% |
| MDAX | 7.186,45 | −0,56% |
| SDAX | 3.484,70 | −0,34% |
| REX | 373,64 | +0,18% |
| Eurostoxx 50 | 2.856,44 | −0,13% |
| Dow Jones | 10.218,30 | −0,08% |
| Nasdaq 100 | 1.769,88 | +0,08% |
| S&P500 | 1.093,08 | +2,22% |
| Nikkei225 | 9.870,73 | +0,63% |
| EUR/USD | 1,4958 | −0,23% |
| Rohöl Brent Crude | 76,90 $ | −0,97% |
| Gold | 1.108,50 $ | +1,07% |
| Bund Future | 121,56 € | +0,27% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
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|---|---|---|---|
Aktien-Index10.11.2009 13:00 |
1348,03 | 1324,81 | 1261,80 |
Performance-Index10.11.2009 17:35 |
296,14 | 292,84 | 274,43 |
Euro-Aktien-Index10.11.2009 17:35 |
142,02 | 136,71 | 125,07 |
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