Bundesanleihen

Die Hälfte geht an Notenbanken

26. Oktober 2009 Zu den Mysterien der Finanzkrise zählt, dass der deutsche Staat sich trotz aller Konjunkturpakete und Rettungsaktionen für die Banken günstig finanziert. Selten fiel Schuldenmachen so leicht: Eine zehnjährige Bundesanleihe ist, wenn sie in diesen Tagen begeben wird, mit knapp 3,4 Prozent verzinst.

Der rekordniedrige Leitzins von einem Prozent kann das niedrige Niveau der Verzinsung nicht allein erklären, zumal die Schuld rasant wächst - allein im nächsten Jahr in der Größenordnung von 100 Milliarden Euro und bis zum Jahr 2013 werden etwa 250 Milliarden Euro an Nettoneuverschuldung erwartet. Die Inflation ist als Schreckgespenst für die nähere Zukunft zwar kein Thema. Mittelfristig rechnen die meisten Anleger aber mit Teuerungsraten von mehr als 2 Prozent, Pessimisten mit einem noch höheren Tempo der Geldentwertung.

Wer kauft die Staatsanleihen?

Trotzdem kann die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH die neuen Anleihen, die sie für den Bund begibt, bisher ohne größere Schwierigkeiten verkaufen. Allein in diesem Jahr wird sie neue Schuldtitel von 329 Milliarden Euro begeben. Im vergangenen Jahr gab es zwar zwei Emissionen, bei denen die Nachfrage geringer als das Angebot war. Doch das waren Ausnahmen. In der Regel gehen die Auktionen, meist montags und mittwochs, geräuschlos über die Bühne.

Wer sind also die Käufer, die sich in guten, noch mehr aber in schlechten Zeiten mit Bundesanleihen eindecken? Verkauft werden die Anleihen an die 27 Banken der Bietergruppe, darunter Deutsche Bank, Commerzbank und DZ Bank, aber auch ausländische Adressen wie Morgan Stanley und Credit Suisse. Sie sind nur Mittler und verkaufen die Anleihen zum überwiegenden Teil weiter.

Genaue amtliche Zahlen über die Investoren gibt es nicht. Bei der Finanzagentur heißt es, dass etwa die Hälfte der Anleihen im Euro-Raum verkauft wird, ein gutes Viertel nach Asien und der Rest überwiegend an Anleger, die in Dollar, Pfund und Schweizer Franken rechnen. Über die Daueremissionen, zum Beispiel Bundesschatzbriefe, erhalte der Bund etwa 3 Prozent seines geliehenen Geldes direkt von inländischen Privatanlegern, sagt ein Sprecher der Schuldenagentur.

Aus inoffiziellen Quellen sind auch für den großen Rest detailliertere Schätzungen zu hören. „Wenn heute eine Bundesanleihe verkauft wird, geht mindestens die Hälfte an Notenbanken und Staatsfonds im Ausland“, sagt ein Fachmann aus dem Umfeld der Finanzagentur. Die Käufe der Zentralbanken habe es schon immer gegeben, aber ihr Anteil sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

... Notenbanken und Staatsfonds im Ausland

Mit der Einführung des Euro hätten zunächst viele Zentralbanken ihre Währungsreserven aus der Gemeinschaftswährung abgezogen. Der Dollaranteil stieg stark an. Von Mitte 2002 an begann von Asien ausgehend eine Gegenbewegung, die sich von 2005 an verstärkte. Besonders asiatische Zentralbanken versuchen seitdem den Dollar-Anteil an ihren Reserven zu reduzieren, auch zugunsten des Euro. In den vergangenen zehn Jahren ist dadurch der Euro-Anteil an den veröffentlichten Währungsreserven - sie machen etwa die Hälfte der gesamten Reserven aus - von 18 auf 26 Prozent gestiegen. Es gibt Schätzungen, dass der Anteil an den gesamten Währungsreserven deutlich höher liegt, weil Länder wie Venezuela und Iran dem Vernehmen nach neue Mittel gar nicht oder kaum noch in Dollar anlegen und bei der Neuanlage vor allem auf den Euro ausweichen.

Von dieser hohen Nachfrage der Zentralbanken profitiert vor allem der deutsche Staat. Denn wenn sich die ausländischen Notenbanken zu einer Diversifizierung ihrer Reserven entschlössen, bevorzugten sie den liquidesten Markt und den Schuldner mit dem besten Ruf, erläutert ein Berater institutioneller Anleger. Das sei in Europa noch immer der Bund.

Diese Bevorzugung drückt sich auch in den Finanzierungskonditionen aus. Nachdem im Jahr 2006 die Zinsen der meisten Staaten des Euro-Raums noch nahezu gleichauf lagen - zeitweise waren die Konditionen für Frankreich sogar etwas günstiger als für Deutschland - haben sich in der Finanzkrise wieder hohe Unterschiede herausgebildet. Andere Länder wie Frankreich oder Österreich, die auch einen sehr guten Ruf als Schuldner haben, müssen ihren Gläubigern derzeit einen Renditeaufschlag von etwa 0,3 Prozentpunkten bieten im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen. Länder wie Griechenland zahlen für ihre neuen langfristigen Anleihen derzeit sogar mehr als ein Prozent Zinsaufschlag.

Text: ruh., F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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