Anleihenmarkt

Krisenzeichen bei amerikanischen Kommunalobligationen

Die neuen U-Bahn-Wagen der New Yorker Hafenbeörde und New Jerseys müssen teuer bezahlt werden

Die neuen U-Bahn-Wagen der New Yorker Hafenbeörde und New Jerseys müssen teuer bezahlt werden

14. Februar 2008 Dass die wackelnde Bonität der Anleiheversicherer eines der aktuellsten Probleme der Kreditkrise ist, ist länger schon bekannt. Eine der größten Sorgen gilt dabei den amerikanischen Kommunalanleihen. Die Emittenten profitierten vom geliehenen Rating. Sinkt dieses, müssen sie höhere Zinsen zahlen (Anleiheversicherer und Banken müssen gemeinsam leiden).

Nun mehren sich die Anzeichen, dass die Krise bereits auf diesen Markt übergegriffen hat, noch bevor das erste Rating eines Versicherers tatsächlich von einer großen Agentur gesenkt wurde. Denn in den vergangenen Tagen konnten die Kommunen bei Daueremissionen nicht mehr genügend Käufer finden. Die Konsortialbanken, darunter Goldman Sachs, UBS und die Citigroup wollten die Papiere nicht übernehmen.

Kupon verfünffachter

Da die Zinssätze im Auktionsverfahren bestimmt werden, schnellten diese daraufhin hoch. Die New Yorker Hafenbehörde und der Bundesstaat New Jersey mussten plötzlich 20 Prozent bezahlen, nachdem sie in der Vorwoche noch 4,3 Prozent aufbringen mussten. Zwar geht es hierbei nur um ein Volumen von 100 Millionen Dollar, doch Absatzprobleme bei ihren Auktionen hatten auch die gemeinnützige Krankenhausgruppe Presbyterian Healthcare New Mexikos und die New Yorker Verkehrsbetriebe. Presbyterian musste immerhin 12 Prozent zahlen. Auch eine Auktion verbriefter Studentenkredite scheiterte.

Weil die Endabnehmer zögerlich sind, halten sich die Händler zurück, das sie befürchten, auf den Anleihen sitzen zu bleiben. „Das ist der Anfang vom Ende des Auktionsmarktes“, sagt Matt Fabian, leitender Analyst bei Municipal Market Advisors. „Die Banken unterstützen den Markt nicht mehr.“

Ablehnung des Buffett-Angebots dürfte wenig hilfreich sein

Nicht geholfen hat sicherlich, dass unter anderem der angeschlagene Anleihenversicherer Ambac das Hilfsangebot des Investors Warren Buffett abgelehnt hat. Die von Buffetts Holding Berkshire Hathaway angebotene Rückversicherungsleistung sei nicht im besten Interesse des Unternehmens. Buffett hatte den beiden Branchengrößen Ambac und MBIA sowie der kleineren FGIC angeboten, dass Berkshire Hathaway als Rückversicherer für Kommunalschuldverschreibungen im Volumen von 800 Milliarden Dollar eintreten könnte. Dies sorgte für Kurszuwächse an den Börsen in der ganzen Welt.

Buffetts Ziel ist selbstverständlich Gewinn. Insofern dürften die unbekannten Bedingungen für die Anleiheversicherer nicht schmeichelhaft sein und so hoffen sie auf eine derzeit diskutierte konzertierten Stützungsaktion. Immerhin decken die Ausfallgarantien der Anleiheversicherer Kommunalobligationen im Volumen von 1,5 Billionen Dollar ab.

Für die Verfassung des Anleihenmarkts nicht förderlich

Die bis vor kurzer Zeit noch unbekannten Spezialversicherer hatten sich einst auf die relativ risikoarmen Garantien für Anleihen von Kommunen und Bundesstaaten konzentriert. Erst in den vergangenen Jahren stiegen sie im Zuge des inzwischen geplatzten amerikanischen Hypothekenbooms massiv ins Geschäft mit hochriskanten Anleihen ein, das ihnen nun nahezu das Genick gebrochen hat.

Für deutsche Anleger sind die Probleme mit amerikanischen Kommunalanleihen unmittelbar nicht von Belang, da diese Papiere in Deutschland nicht gehandelt werden. Sie können indes unmittelbar in Dollar investierende Rentenfonds betreffen.

Und dann ist die Kreditkrise am Aktienmarkt zwar spektakulärer zu sehen, am Anleihenmarkt bereits aber jetzt viel deutlicher spürbar. „Das Jahr hat für Aktien schlecht begonnen. Und für risikoreiche Anleihen war der Start extrem schlecht“, sagt etwa Christopher Childs, Manager des F&C HVB-Stiftungsfonds (vgl. „Nicht besonders bullisch, aber auch nicht allzu bärisch“). Das hat Rentenfonds deutlich getroffen (Börsengehandelte Indexfonds spielen ihre Stärke aus). Eine Krise in einem weiteren Segment dürfte die Verfassung, in der sich die Anleihemärkte derzeit befinden, kaum verbessern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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