Finanzkrise

Ackermann malt ein düsteres Bild

Finanzkrise: Ackermann malt ein düsteres Bild
15. Januar 2008 

Die akute Kreditkrise ist nach Einschätzung des Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann längst nicht ausgestanden. Vielmehr werde sich der „Kollaps“ der Marktpreise in den kommenden Monaten fortsetzen, sagte Ackermann während einer Vorlesung an der „London School of Economics“.

Dies könne die Banken zu weiteren Abschreibungen zwingen, zudem dürften viele Unternehmen in den nächsten Monaten Kapitalerhöhungen benötigen. Außerdem stehe zu befürchten, dass die Marktturbulenzen auf die Gesamtwirtschaft übergriffen. Mit Verbraucherkrediten verzeichneten die Banken bereits steigende Ausfälle. Dies werde Auswirkungen auf das Privatkundengeschäft der Kredithäuser haben.

Sorge: Greifen die Finanzmarktturbulenzen auf die Gesamtwirtschaft über?

Finanzkrise: Ackermann malt ein düsteres Bild

Wie zur Bestätigung von Ackermanns Worten hat der Münchner Immobilien- und Staatsfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) am Dienstag bekanntgegeben, dass er ein Portefeuille mit amerikanischen Wertpapieren im vierten Quartal mit 390 Millionen Euro habe abschirmen müssen. Noch bis vor kurzem hatte das Unternehmen, das unlängst den Staatsfinanzierer Depfa übernommen hat, mitgeteilt, kaum von der internationalen Kreditkrise betroffen zu sein.

Die neuen Mitteilungen ließen die HRE-Aktie am Dienstag um mehr als 30 Prozent abstürzen. Im Schlepptau gab der Kurs des Branchenkollegen Aareal-Bank um mehr als 12 Prozent nach, der Kurs der Commerzbank, zu der der Hypothekenfinanzierer Euro-Hypo gehört, um fast 8 Prozent.

Zur Lage der Deutschen Bank machte Ackermann am Montag keine näheren Angaben. Die Deutsche Bank stehe zu ihren Gewinnzielen für 2008, sagte er. Der Vorstandschef der Deutschen Bank hatte sich zuletzt in dem Sinne geäußert, dass sein Haus keine weiteren Belastungen über die bisherigen Abschreibungen in Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro erwarte. Damit käme die Deutsche Bank, ähnlich wie Goldman Sachs, deutlich besser durch diese Krise als die meisten übrigen großen Investmentbanken.

Kreditindizes stürzen weiter

Ackermanns skeptische Einschätzungen für die Wirtschaft insgesamt werden durch eine ganze Reihe anderer ungünstiger Entwicklungen belegt. So lagen die ABX-Indizes für amerikanische Anleihen, die mit Hypotheken spekulativer Bonität unterlegt sind, zum Jahresultimo nahe ihrer Tiefstände (siehe Infografik). Der Index für im zweiten Halbjahr 2006 begebene Papiere mit der ursprünglichen Bonität „BBB“ liegt zurzeit bei 18,5 Prozent. Banken, die solche Papiere halten, müssen darauf also Wertberichtigungen von mehr als 80 Prozent des Nominalwerts vornehmen.

Selbst für Anleihetranchen mit der höchsten Bewertung „AAA“ ist der Index auf rund 85 Prozent gefallen. Viele Banken und Pensionskassen halten solche „AAA“-Papiere, die in den vergangenen Jahren von den Investmentbanken mit Hilfe raffinierter Finanzalchemie in ungewöhnlich großem Umfang geschaffen wurden.

Kreditausfälle dürften zunehmen

Zudem zeigen jüngste Umfragen unter Banken dies- und jenseits des Atlantiks, dass sie in Reaktion auf die Krise ihre Konditionen für eine Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte verschärft haben. Das dürfte Investitions- und Konsumnachfrage dämpfen und dadurch die Wirtschaft insgesamt. Deshalb befürchten viele Volkswirte, dass die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession abgleitet - was für die Banken weitere Kreditausfälle zur Folge hätte.

Tatsächlich wird sich die Lage an den Kreditmärkten nach Daten der Ratingagentur Moody's nach einem sehr günstigen Jahr 2007 mit wenig Kreditausfällen in diesem Jahr verschärfen. So hatte Moody's zuletzt 3,7 Prozent aller betreuten Emittenten auf die Beobachtungsliste für eine Bonitätsherabstufung gesetzt; nur 1,3 Prozent wurden für eine mögliche Heraufstufung beobachtet. Für 10,6 Prozent der betreuten Emittenten hatte Moody's bereits einen negativen Ausblick, gegenüber 6,6 Prozent mit einem positiven Ausblick.

Die restriktivere Kreditvergabe dürfte vor allem Unternehmen mit schwacher Bonität treffen - und manche sogar in die Insolvenz bringen. Diese Befürchtung lässt sich am jüngsten Wiederanstieg des iTraxx-Crossover-Index ablesen, der aus den Risikoprämien für Kreditversicherungen für 40 europäische Unternehmen mit schwacher Bonität (“Non-Investment Grade“) berechnet wird.

Text: bf., F.A.Z., 16.01.2008, Nr. 13 / Seite 21
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS

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