30. Juni 2007 Das seit anderthalb Jahren steigende Zinsniveau sorgt für eine Wiederbelebung des etwas in Vergessenheit geratenen Bundesschatzbriefs. Am Freitag erhöhte die Finanzagentur des Bundes, zuständig für die Kreditaufnahme und Schuldenverwaltung der Bundesrepublik Deutschland, den Einstiegszinssatz auf 4 Prozent. Damit liegt die Verzinsung inzwischen über den meisten konkurrierenden Angeboten wie Tagesgeldkonten oder Geldmarktfonds. Das Zinstief aus dem Sommer 2004 von nur noch einem Prozent hat der Bundesschatzbrief jedenfalls weit hinter sich gelassen.
Inzwischen springt auch die Nachfrage wieder spürbar an. Verzeichnete die Finanzagentur in den ersten fünf Monaten des Jahres 2004 ein Absatzvolumen von 480 Millionen Euro, so hat sich dies im laufenden Jahr auf 1,03 Milliarden Euro verdoppelt. In den vergangenen sieben Jahren war zu diesem Zeitpunkt noch nie so viel Geld eingezahlt worden.
Traditionell zwei unterschiedliche Varianten
Bundesschatzbriefe werden traditionell in zwei unterschiedlichen Varianten angeboten. Bei dem sogenannten Typ A werden über sechs Jahre die Zinsen jährlich gutgeschrieben; bei Typ B werden die Zinsen nach sieben Jahren Laufzeit kumuliert überwiesen. Der Zinssatz steigt während der Laufzeit an. Aktuell beträgt er im ersten Jahr 4 Prozent und im letzten 4,75 Prozent. Für den Typ A ergibt sich am Laufzeitende eine Rendite von 4,31 Prozent und für den Typ B von 4,39 Prozent. Im Wettbewerb ist diese Größenordnung vorzeigbar - zumal sich die Verzinsung während der Laufzeit nicht ändert. Der führende Anbieter von Tagesgeldkonten, die Direktbank ING-Diba, bietet derzeit eine Verzinsung von 3 Prozent an. In der gleichen Höhe bewegten sich Euro-Geldmarktfonds im Durchschnitt über die vergangenen zwölf Monate.
Rückkehrer in die einst beliebte Anlageform müssen sich auf ein verändertes Umfeld gefasst machen. Die frühere kostenlose Depotführung gibt es zwar weiterhin. Inzwischen werden die Titel aber nicht mehr bei der Bundeswertpapierverwaltung in Bad Homburg verwahrt. Deren Aufgaben sind inzwischen auf die Finanzagentur übergegangen, und diese führt nun die Geschäfte fort.
Sparerfreibetrag kann rasch ausgeschöpft sein
Das risikoscheue Zielpublikum dieser Form der Geldanlage weiß vor allem zu schätzen, dass es während der Laufzeit kein Kursrisiko gibt - der Rückgabewert steht schon bei der Einzahlung fest. Auch ist die vorzeitige Rückgabe vergleichsweise anlegerfreundlich gestaltet. Nach einem Jahr kann das Geld in einer Höhe von bis zu 5000 Euro monatlich jederzeit zurückgeholt werden. Die Zinsen werden dann anteilig berechnet.
Allerdings brachte die Halbierung des Sparerfreibetrages auf Zinseinkünfte zum Jahreswechsel auch einen Dämpfer mit sich, den Sparer nicht aus den Augen verlieren sollten. Inzwischen liegt der Freibetrag nur noch bei 750 Euro für Alleinstehende und 1500 Euro für Ehepaare zuzüglich der Werbungskostenpauschale von 51 Euro je Person. Vor allem bei Bundesschatzbriefen vom Typ B besteht damit das Risiko höherer Steuerzahlungen. Da die Zinsen aus sieben Jahren am Laufzeitende auf einmal überwiesen werden, kann der Sparerfreibetrag zum betreffenden Zeitpunkt rasch ausgeschöpft sein.
Das Privatkundengeschäft aufpäppeln
In den vergangenen Jahren waren Bundesschatzbriefe zeitweise nahezu vollständig aus der Wahrnehmung von Privatanlegern verschwunden. Betrug ihr Anteil unter den Gläubigern des Staates zu Beginn der neunziger Jahre noch 15 Prozent, so fiel er zeitweise bis auf 1 Prozent zurück. Inzwischen liegt der Anteil an der gesamten Kreditaufnahme bei etwa 2 Prozent. Es ist aber das erklärte Ziel der Bundesfinanzagentur, mittelfristig auf 4 bis 5 Prozent zu kommen.
Wir wollen das Privatkundengeschäft aufpäppeln, kündigte Gerhard Schleif, Geschäftsführer der Finanzagentur, im April an. Um die Attraktivität zu erhöhen, will er das Angebot über die klassischen Bundesschatzbriefe sowie Bundesobligationen und Bundesanleihen hinaus erweitern. Als mögliche Neuheit nannte er Bundesschatzbriefe mit einer Bindung an die Inflationsrate und ein breiteres Angebot an Laufzeiten. Das erste neue Produkt könnte schon in diesem Jahr auf den Markt kommen, kündigte er an.
Text: sfu., F.A.Z., 30.06.2007, Nr. 149 / Seite 23
Bildmaterial: F.A.Z.
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12:511:0 gegen Nürnberg /RHEIN-MAIN SPORT
12:42 12:33Ein sehr guter Beitrag, Gratulation!
12:21