Anleihenmarkt

Markt für Islamische Anleihen wächst immer stärker

23. September 2005 Der Koran verbietet den Gläubigen einiges. Unter anderem untersagt er die Annahme von Zinsen für verliehenes Geld. Auch sind Einzahlungen verboten, wenn unsicher ist, ob je Erträge zurückkommen. Das bedeutet nicht nur ein praktisches Verbot hochriskanter Anlagen, sondern auch von Versicherungen und Zinsen. In einer kapitalistischen Wirtschaft aber sind diese als Preis des Geldes nun einmal nicht wegzudenken.

Daher umgehen Banken das Zinsverbot durch Begebung spezieller Konstruktionen, sogenannter Sukuks (arabisch für „Zertifikat“), die das Zinsverbot umgehen. Da der Koran ausdrücklich die Verteilung von Gewinnen erlaubt, gibt es bei Sukus keine Zinsen, sondern Gewinngutschriften.

30 Milliarden Dollar im Umlauf

So hat Malaysia im Jahr 2002 eine Nullkuponanleihe begeben. Das Emissionsvolumen wurde in glaubenskonforme Objekte investiert (also etwa in Unternehmen, die keine Verbindungen zu Produktion und Vertrieb von alkoholischen Getränken oder der Schweinefleischverarbeitung haben). Die Rückflüsse werden als Gewinne deklariert und zum Laufzeitende auf die Anleihebesitzer aufgeteilt.

Wer meint, es handele sich dabei um eine auf arabische Länder begrenzte, exotische Finanzierungsform, der irrt. Im ersten Halbjahr wurden islamische Anleihen im Volumen von 6,2 Milliarden Dollar begeben. Ende 2004 waren weltweit islamische Anleihen im Volumen von 30 Milliarden Dollar im Umlauf, heißt es in einem Bericht der Zentralbank von Singapur vom März.

Größter Emittent ist Malaysia, wo 33 Unternehmen nach Angaben der Wertpapieraufsicht in diesem Jahr islamische Anleihen über 13 Milliarden Ringgit (2,8 Milliarden Euro) begeben haben. Im letzten Jahr belief sich das Emissionsvolumen auf 9,1 Milliarden Ringgit. Nummer zwei ist Bahrain, das islamische Anleihen im Volumen von 1,29 Milliarden Dollar ausstehen hat.

Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben zusammengenommen Papiere im Volumen von schätzungsweise 9 Milliarden Dollar ausgegeben, berichtet Khalid Yousaf, Direktor Islamic Finance beim Dubai International Financial Centre, dem Sitz der Börse Dubai.

Auch wes/l/tliche Banken dick im Geschäft

Das Emissionsvolumen wird in diesem Jahr um ein Drittel auf 8,9 Milliarden Dollar steigen, erwartet der Islamic Finance Information Service, eine Tochter der Euromoney Institutional Investor in London. Auch westliche Banken engagieren sich in diesem Bereich und lancieren Produkte, die den Religionsgesetzen entsprechen.

Schließlich will man keine potentiellen Kunden verprellen und schließlich sind die arabischen Staaten für Deutschland wichtige Handelspartner. Die Finanzierung von Projekten soll nicht an kulturellen Differenzen wie religiösen Aspekten scheitern.

Mittlerweile werden islamische Finanzierungsformen in mehr als 70 Ländern von zirka 250 Finanzeinrichtungen angeboten. Banken wie die Deutsche Bank, HSBC, Citibank oder Credit Suisse First Boston haben islamische Geschäftszweige eröffnet. Die „Neue Züricher Zeitung“ berichtetet unlängst unter Berufung auf der Chef des Bereichs Islamische Finanzierung der Deutschen Bank, Nizar Alshubaily, derzeit seien für rund 6,7 Milliarden Dollar Sukuk ausstehend, Emissionen im Gesamtumfang von mindestens weiteren ein bis zwei Milliarden Dollar befänden sich in Vorbereitung.

Sachsen-Anhalt und die Muslime

Sogar Sachsen-Anhalt hat im vergangenen Jahr ein Anleihekonstrukt begeben, in dem schuldrechtlich die Nutzungsrechte von Immobilienvermögen des Landes an eine niederländische Stiftung übertragen werden. Dafür erhält das Land eine einmalige Zahlung, was einer Kreditaufnahme gleichkommt. Die niederländische Stiftung vermietet das Vermögen gegen jährliche Mietraten an das Land zurück, die somit den Zinszahlungen einer normalen Anleihe entsprechen.

Zur Finanzierung des Kaufs der Nutzungsrechte emittiert die niederländische Stiftung Treuhandzertifikate (islamische Anleihen) an arabische Investoren. Am Laufzeitende erwirbt das Land die Nutzungsrechte durch einmalige Rückzahlung der Summe aus 2004 zurück, wodurch die niederländische Stiftung das Kapital erhält, das sie den arabischen Investoren zurückzuzahlen hat. Auf Umwegen hat man damit eine festverzinsliche Anleihe.

Für den Privatanleger sind islamische Anleihen bisher nur schwer erhältlich. Auch die Anleihe Sachsen-Anhalts wurde im arabischen Raum plaziert, wie Finanzminister Karl-Heinz Paqué im November in Magdeburg mitteilte. Sie läuft bis 2009 mit variablem Zins, wird aber nur an der Luxemburger Börse gehandelt.

Dow Jones plant eigenen Index

Doch die Verhältnisse für Sukuks beginnen sich langsam zu verbessern. Der Index-Anbieter Dow Jones führt schon längere Zeit eine Serie von 44 islamischen Aktienindizes, in die nur korankonforme Unternehmen aufgenommen werden.

In Planung hat Dow Jones auch einen Index für islamische Anleihen, in den Unternehmensanleihen, Staatsanleihen und Quasi-Staatsanleihen aus Ländern der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) und der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Eingang finden sollen. Der Index soll das Bewußtsein der Anleger für den islamischen Anleihemarkt schärfen und auch zu einer verstärkten Emissionstätigkeit führen, so A. Rushdi Siddiqui, Direkt0r der Dow Jones Islamic Index Group.

Vor allem aber soll der Index eine Grundlage für einen liquiden Sekundärmarkt bilden, den es bislang noch nicht gibt. „Es gibt eine wachsende Nachfrage nach islamischen Produkten“, bestätigt Esther Teo, Fondsmanagerin bei Hwang-DBS Investment in Kuala Lumpur: „Solch ein Index ist gut für den Markt. Ohne eine Benchmark ist es für die Anleger schwierig, in diese Papiere zu investieren.“

Sekundärmarkt soll in Dubai entstehen

Diesem Sekundärmarkt will künftig die Börse Dubai eine Heimat bieten. „Unser Ziel ist es, eine kritische Masse aufzubauen, um den Handel am Sekundärmarkt auf Touren zu bringen“, erklärte Khalid Yousaf, Direktor Islamic Finance beim Dubai International Financial Centre, dem Sitz der Börse Dubai. Dazu will die Börse mehr Emittenten ermutigen, mit islamischen Anleihen auf den Markt zu kommen. „Es gibt innerhalb des Bereichs Islamic Finance bei festverzinslichen Werten zu wenig Anlageklassen.“

Schon ab dem 26. September sollen an der ersten Regionalbörse am Persischen Golf Aktien, Anleihen, Fonds und Derivate gehandelt werden. Yousaf machte indes keine Angaben, wann die Börse mit dem Listing und dem Handel von islamischen Anleihen beginnen wird.

Uneinigkeit besteht bei Experten darüber, ob sich islamische Anleihen auch bei den sehr weltlichen westlichen Anlegern werden durchsetzen können. Steuerlich bieten die Anleihen dahingehend Vorteile, daß es sich nach Steuerrecht wohl nicht um Zinszahlungen handeln dürfte. Aber das ist in Deutschland noch ein unbeschrittener Pfad.

Ein Vorteil islamischer Bestimmungen ist auch, daß die Investition in stark fremdfinanzierter Unternehmen untersagt ist. So hatten islamische Aktienfonds sich von Aktien wie Worldcom oder Parmalat fernegehalten und auf diese Weise Verluste vermieden. Auf der anderen Seite aber gibt es praktisch keine islamischen Derivate, die zur Absicherung von Portefeuilles dienen könnten. Insofern heißt es weiter abwarten und wie bei nicht-islamischen Anleihen sich Chancen und Risiken genau anzuschauen, bevor man überstürzt zugreift.

Betrachtet man die in Deutschland wenigen handelbaren Staatsanleihen islamischer Länder, so bieten diese zum Teil ganz manierliche Renditen. Doch mit den Ratings steht es nicht immer zum besten, zumindest was Indonesien oder Pakistan betrifft. Katar wird besser eingeschätzt - doch das zeigt sich auch an der Rendite. Und obendrein sind es Dollar-Anleihen. Wer hier ein Währungsrisiko veranschlagt, für den lohnt sich das Investment nicht wirklich.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

 
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TecDax 721,58 -3,36
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