Anleihemarkt

Vorerst leichte Entspannung an der Renditefront

24. Juni 2004 Am Dienstag und Mittwoch kommender Woche berät der Offenmarktausschuß der amerikanischen Notenbank über das weitere Vorgehen in der Geldpolitik. Allgemein wird von diesem Treffen ein Beschluß zu einer Zinserhöhung erwartet, wobei zunächst mehrheitlich von einer Anhebung um 25 Basispunkte ausgegangen wird.

Aber trotz der Aussicht auf eine endgültige offizielle Wende im Zinszyklus hat sich die Lage an den Rentenmärkten zuletzt etwas beruhigt. Nachdem wochenlang die Nervosität groß war, hat sich inzwischen wieder etwas mehr Gelassenheit breit gemacht.

Ablesen läßt sich das an den Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen. Diese bewegen sich in Deutschland derzeit um 4,33 Prozent und damit zwar deutlich über dem bisherigen Jahrestief von 3,84 Prozent. Doch immerhin war das Jahreshoch von 4,43 Prozent zuletzt nicht mehr in Gefahr. Noch etwas entspannter gestaltet sich sogar die Lage in Amerika. Dort werfen zehnjährige Staatspapiere momentan 4,64 Prozent ab und damit zwanzig Basispunkte weniger als bei dem am 14. Juni erreichten Jahreshoch von 4,84 Prozent.

Gefallener Ölpreis dämpft die Inflation

Insgesamt sind die Rentenmärkte in Amerika und Deutschland somit zuletzt auf Seitwärtskurs eingeschwenkt. Das hat natürlich mit der Annahme zu tun, daß die Notenbank schon Einschreiten werden, über ein Überschießen bei der zuletzt etwas angesprungenen Inflation zu verhindern. Als Stütze erweisen sich natürlich auch die wieder etwas gefallenen Ölpreise, die ebenfalls etwas Inflationsdruck wegnehmen.

Eine Bestätigung findet dies bereits in den neuesten Inflationszahlen. Demnach hat sich der Preisauftrieb in Deutschland im Juni mit einer auf das Jahr hochgerechneten Inflationsrate von 1,8 Prozent erstmals seit Februar wieder etwas abgeschwächt. Im Mai betrug die Teuerungsrate nämlich noch 2,0 Prozent, was dem höchsten Stand seit März 2002 entsprach. Sollte sich dieser Trend auch europaweit zeigen, wäre die Warnschwelle von zwei Prozent, oberhalb der die EZB Gefahren für die Preisstabilität sieht, wieder unterschritten.

Rentenmärkte sind zunächst auf einen Seitwärtstrend eingeschwenkt

Am weltweit zu spürenden Trend hin zu steigenden Leitzinsen dürfte dies letztlich zwar nichts ändern, da wir uns bekanntlich noch immer auf einem rekordtiefen Niveau bewegen und es somit bei eine normalen Konjunkturentwicklung entsprechenden Anpassungsbedarf nach oben gibt. Aber in den Notierungen am Rentenmarkt stecken derzeit schon so viele negative Erwartungen drin, daß hier trotzdem zunächst mit einer anhaltenden Entspannung gerechnet werden darf.

Grundsätzlich betrachtet ist es für eine generelle Entwarnung zwar bei weitem noch zu früh. Aber zumindest besteht die Chance, daß vom Rentenmarkt kurzfristig keine neuen Störfeuer ausgehen. Vor allem dann nicht, wenn die gestiegene Inflation nicht in einem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus mündet und folglich eine sich selbst nährende Inflationsspirale verhindert werden kann.

Und in dieser Hinsicht gibt sich selbst die meistens übervorsichig agierende Europäische Zentralbank noch relativ gelassen. Der neue Bundesbankchef Axel Weber, der zugleich EZB-Ratsmitglied ist, geht jedenfalls davon aus, daß der Preisanstieg nur ein vorübergehendes Phänomen ist und auf mittlerer Sicht wieder verschwinden wird.


Die beiden Charts zeigen in dieser Reihenfolge die Entwicklung bei den jeweils zehnjährigen deutschen und amerikanischen Staatsanleihen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB

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