05. Mai 2008 Der Name Countrywide Financial stand früher für den Traum vieler Amerikaner entweder ein Eigenheim zu besitzen oder mit Immobilien das gehalt ein wenig aufzubessern. Doch seit aus dem Immobilienboom die Finanzkrise wurde, steht der Name eher für Sorgen und Ängste von Anleihen- und Aktienanlegern.
War es zunächst nur ein Ausblick, in dem die Marktbedingungen als beispiellos schlecht bezeichnet wurden, musste der größte amerikanische Hypothekenfinanzierer alsbald seine Kreditlinie voll ausschöpfen. Im Januar flüchtete sich das Unternehmen dann in die Arme der Bank of America, womit eine der größten Firmenpleiten in den Vereinigten Staaten abgewendet schien.
Rating: Drei Stufen abwärts
Doch die Übernahme sorgt jetzt erneut für Unruhe. Denn die Bank of America teilte in einer Pflichtmitteilung der Börsenaufsicht mit, sie werde möglicherweise keine Garantie für die Schulden des Unternehmens in Höhe von 38,1 Milliarden Dollar übernehmen. Eine Entscheidung aber sei noch nicht gefallen.
Daraufhin senkte die Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bonitätseinschätzung der unbesicherten Schulden drastisch um drei Stufen auf BB+/B von BBB+/A-2 und damit auf eine Bewertung unterhalb des Investment-Grade. Infolge dieser Befürchtungen stufte S&P von Countrywide auf BB+ ab. Zuvor hatte S&P sogar eine Hinaufstufung erwogen. Als Folge des Schritts stiegen die Kosten zur Versicherung von Countrywide-Krediten gegen einen Ausfall drastisch auf 295.000 Dollar je 10 Millionen Dollar von 165.000 Dollar an.
Ich wäre besorgt
Ich wäre wegen der Absichten der Bank of America wirklich besorgt, wenn ich Anleihen hielte, so wie sich die Mitteilung liest, sagte Christopher Whalen, Geschäftsführer von Institutional Risk Analytics. Spekuliert wurde über die Absichten schon seitdem das Übernahmeansinnen vermeldet wurde. Die Wortwahl sei indes neu, meint S&P-Analystin Victoria Wagner.
Die Bank of America dürfte sich Sorgen um das eigenen Rating machen, das derzeit mit AA sehr ansprechend ist. Eine massive Schuldengarantie könnte aber Abstufungen nach sich ziehen, allzumal sich die finanzielle Lage von Countrywide seit Januar verschlechtert hat. Im ersten Quartal betrug der Verlust 893 Millionen Dollar, weil sich verspätete Zahlungen und Vollstreckungen massiv häuften.
BoA-Sprecher Scott Silvestri wollte die Abstufung von Countrywide zwar nicht kommentieren, sagte aber, dass der Zeitplan der Fusion dadurch nicht in Gefahr gerate. Mit einem Abschluss der Transaktion sei weiterhin im dritten Quartal zu rechnen.
Übernahme mittlerweile zu teuer
Indes nicht, wenn es nach den Analysten geht. Die sind nämlich nicht so überzeugt davon. Die Bank werde wahrscheinlich neu über den Preis für die geplante Übernahme verhandeln oder gar komplett auf das Vorhaben verzichten, meint Analyst Paul Miller von Friedman, Billings und Ramsey. Das Schulden-Portfolio habe sich so stark verschlechtert, dass es die Ergebnisse der Bank of America mit 30 Milliarden Dollar an Abschreibungen belasten würde. Der Preis sollte eher bei 1,1 Milliarden Dollar liegen, schreibt Miller in einer Mitteilung an die Kunden des Analysehauses.
In der Konsequenz steht auch der Aktienkurs von Countrywide unter Druck und rutscht um 12,5 Prozent auf 5,23 Dollar ab. Die In Deutschland handelbaren Anleihen reagierten dagegen in Europa nicht, was aber mehr dem Mangel an Liquidität als ihrer Attraktivität geschuldet ist. Im amerikanischen Handel gaben dagegen die 2011 und 2016 fälligen Dollar-Bonds deutlich nach.
Das heißt, das Undenkbare denken
Mit Renditen von 9,9 bzw. 8,9 Prozent rentieren die Bonds bereits höher als pakistanische und ecuadorianische Staatsanleihen. Selbst die 2011 fällige Anleihe der Dominikanischen Republik rentiert niedriger. Die Abstufung vollzieht auf diese Weise nur nach, was die Anleihenmärkte schon vor Monaten vorweg genommen haben, die die Rentenpapiere schon langte auf dem Niveau von Ramschanleihen handeln.
Die einschneidende Bedeutung einer möglichen Nicht-Garantie macht Whalen deutlich: Wenn die Anleiheinhaber von der Bank of America kalt gestellt werden, wird das allen einen höllischen Schrecken einjagen. Das heißt, das Undenkbare denken. Zu den größten Gläubigern gehört etwa der Finanzinvestor Capital Research, der Forderungen von 630 Millionen Dollar gegen Countrywide hat. Kettenreaktionen sind da nicht auszuschließen. Es ist eben nicht vorbei mit der Finanzkrise, gleich wie sich die Aktienmärkte seit Wochen bemühen diese auszublenden, und zur Tagesordnung überzugehen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: mho
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 7.070,33 | +0,42 |
| TecDax | 874,06 | +0,84 |
| DowJones | 12.630,59 | +0,23 |
| Nasdaq | 2.463,14 | +0,61 |
| STOXX 50 | 3.793,03 | -0,03 |
| Nikkei 225 | 13.978,46 | +0,37 |
| S&P 500 Zert. | 13,94 | -1,62 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,47 |
| Bund Future | 112,73 | -0,26 |
| Gold | 921,30 | -1,25 |
| Öl | 132,38 | +3,96 |
