11. März 2008 Mit deutlichen Kursgewinnen reagieren die internationalen Börsen auf die Mitteilung, führende Zentralbankbanken stellten den Marktteilnehmern erneut Liquidität zur Verfügung, um auf diese Weise die in den vergangenen Wochen wieder aufgekommenen Spannungen an den Geld- und Kreditmärkten zu beseitigen. Ähnliche Aktionen hatte es schon im Dezember und Januar gegeben.
An den Börsen verspüren vor allem die Finanz- und Versicherungswerte Aufwind, nachdem sie gerade in den vergangenen Tagen wieder massiv unter Druck gestanden hatten. Immerhin scheint die Strategie der Zentralbanken darauf ausgerichtet zu sein, ihnen unter die Arme zu greifen. Selbst an den Devisenmärkten scheinen die Anleger kurzfristig risikofreudiger zu werden. Das zeigt sich daran, dass Währungen wie der Yen und der Schweizer Franken nachgeben. In der jüngeren Vergangenheit hatten sie im Rahmen der zunehmenden Risikoaversion zulegen können.
Börsen legen kurzfristig zu - Rentenmärkte geben nach
An den Rentenmärkten verbuchen die Staatsanleihen in Europa und in den Vereinigten Staaten im Tagesverlauf deutliche Kursverluste. Sie waren in den vergangenen Wochen auf der Suche nach sicheren Anlagen nach oben gekauft worden. Zu dieser Bewegung haben einerseits Fonds und Vermögensverwalter beigetragen, die bei fallenden Börsen immer mehr Mittel in die als sicherer geltenden Rentenpapiere umschichten. Auf der anderen Seite gibt es auch strategische Investoren, die aufgrund des Preisverfalls von Vermögenswerten von einer deflationären Entwicklung ausgehen.
Grundsätzlich dürfte es ratsam sein, kurzfristige Kursbewegungen dieser Art nicht über zu bewerten. Die Zentralbanken haben zwar mit ihrer Intervention günstig terminiert. Die Börsen waren in den vergangenen Tagen deutlich nach unten gelaufen und aus technischer Sicht überreif für eine Gegenbewegung. Da viele Marktteilnehmer Positionen zurückkaufen müssen, die sie zuvor in Wetten auf fallende Kurse leer verkauft hatten, kann eine Erholungsbewegung unter Umständen relativ weit tragen.
Auf der anderen Seite gilt die Aktion der Zentralbanken bei Experten als Beleg dafür, dass die Finanzkrise eben nicht zu Ende ist und größere Ausmaße hat als bisher gedacht. Denn an der grundlegenden Schwäche der amerikanischen Wirtschaft wird sich infolge kurzzeitig wirksamer Liquiditätsspritzen wenig ändern. Banken und Broker können sich nun zwar leichter refinanzieren, da sie der Zentralbank nach Einführung der Term Securities Lending Facility Wertpapiere dubioser Qualität als Sicherheit übergeben können.
Grundproblem der schwachen Wirtschaft lässt sich auf diese Weise nicht lösen
Allerdings dürften sie sich hüten, die lockeren Risiko- und Kreditstandards der vergangenen Jahre wieder einreißen zu lassen. Dafür haben sie noch zu viele problematische Positionen in oder außerhalb ihrer Bilanzen. Dafür sind die amerikanischen Hauspreise im Verhältnis zu den Einkommen und dem Verschuldungsniveau der Konsumenten noch zu hoch. Dafür zeigen Arbeitsmarkt und Konsumstimmung zu starke Schwächen. Dafür sind Energie- und Rohstoffkosten zu hoch. Dafür gibt es zu viele Privatinsolvenzen, zu viele unverkaufte Häuser und zu viele Kreditkartenschulden. Und dafür treibt der schwache Dollar die Importpreise zu stark nach oben.
Vieles deutet darauf hin, dass der Konsum in den Vereinigten Staaten in den kommenden Monaten schwach bleiben wird. Wie soll dann die amerikanische Wirtschaft wachsen können? Immerhin hat sie in den vergangenen Jahrzehnten vom scheinbar unersättlichen Konsumbedürfnis der Bevölkerung profitiert. Das gilt nicht nur für die amerikanische Wirtschaft, sondern auch für die Exportstaaten in Asien und Südamerika. Wohin können sie ihre Waren liefern, wenn die amerikanische Importnachfrage aufgrund des schwachen Dollars nachgeben sollten? Immerhin treibt der schwache die Dollar nicht nur die Energie-, sondern auch die Importpreise nach oben.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: CEIC, Goldman Sachs Economics Research, FAZ.NET
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.326,63 | -1,12 |
| TecDax | 573,04 | -5,15 |
| DowJones | 9.447,11 | -5,11 |
| Nasdaq | 1.754,88 | -5,80 |
| STOXX 50 | 2.878,82 | +0,22 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,14 |
| Bund Future | 117,28 | +0,26 |
| Gold | 881,05 | -0,84 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |