Geld- & Kreditmärkte

Nur allmähliche Erholung am Geldmarkt

14. Oktober 2008 Während sich die Aktienmärkte seit der Ankündigung des Aktionsplans zur Stabilisierung des Finanzsystems deutlich erholt haben, bleibt die Lage am Euro-Geldmarkt generell weiterhin angespannt. Allerdings haben sich die Zinssätze wie schon am Dienstag wieder etwas verringert, was auf eine allmähliche Entspannung hindeutet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei einem turnusmäßigen Refinanzierungsgeschäft 310 Milliarden Euro bereitgestellt. Sie hat damit die gesamte Nachfrage der Banken nach Liquidität befriedigt - was dazu beitragen soll, die Unsicherheit zu verringern und den Geldhandel wieder in Schwung zu bringen.

Wie die EZB mitteilte, haben die Banken bei ihr in der Nacht von Montag auf Dienstag insgesamt den Rekordbetrag von 182,8 Milliarden Euro an überschüssigem Geld zum Zinssatz von 3,25 Prozent angelegt. Am vergangenen Wochenende, also noch vor den Beschlüssen zum Aktionsplan, hatte sich diese Einlage auf 154,7 Milliarden Euro belaufen. Die Banken legen das Geld bei der EZB an, weil sie davor zurückscheuen, es anderen Banken zu leihen. Die Zunahme dieser Einlagen illustriert, dass das Misstrauen weiter fortbesteht.

Die Banken horten aus Unsicherheit weiterhin Liquidität

Weder in Deutschland noch in den anderen Euro-Ländern seien die Beschlüsse gesetzlich fixiert, begründete ein Geldhändler die andauernde Unsicherheit. Völlig unklar sei zudem, wie die geplanten staatlichen Garantien für Bankkredite im Detail ausgestaltet würden. Abgesehen davon könnten viele Banken einfach nicht absehen, wie viel Liquidität Kunden bei ihnen in der Zukunft abziehen würden. Deshalb horteten alle Institute Liquidität, auch wenn dies ihnen Zinskosten verursache. Eine deutliche Entspannung am Geldmarkt sei frühestens in der kommenden Woche zu erwarten, wenn die Details der Garantien klar seien, insbesondere auch die der Garantien für längerlaufende Bankverbindlichkeiten.

Wie stark die Institute Liquidität horten, machte das turnusmäßige wöchentliche Refinanzierungsgeschäft deutlich: Nach Angaben der EZB waren zu Wochenbeginn durch frühere außerordentliche Geschäfte bereits 47 Milliarden Euro mehr im Markt, als die Kreditwirtschaft rein rechnerisch zur Erfüllung der Mindestreservepflicht sowie des Bedarfs der Wirtschaft an Bargeld benötigt. So betrachtet hätte die EZB das auslaufende Geschäft im Volumen von 40,5 Milliarden Euro gar nicht ersetzen müssen. Tatsächlich aber hat sie weitere 310,4 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, die am heutigen Mittwoch gutgeschrieben werden.

Die EZB hatte zuvor mitgeteilt, bei diesem Geschäft nicht mehr einen von ihr vorab festgelegten Betrag an Liquidität an diejenigen Banken zu vergeben, die bei dieser Versteigerung den höchsten Zins geboten haben, sondern vielmehr die gesamte Nachfrage der Banken nach Liquidität zum Leitzinssatz von 3,75 Prozent zu befriedigen. Zudem stellte die EZB den Banken im Rahmen ihrer Abmachung mit der amerikanischen Notenbank Fed 98,5 Milliarden Dollar für einen Tag zu einem Zins von durchschnittlich 2,33 Prozent bereit; zuletzt hatte dieser Zins noch 4,85 Prozent betragen. Von diesem Mittwoch an wird die EZB Dollar in unbegrenzter Höhe bereitstellen; zuletzt hatte der Höchstbetrag dieser Faszilität 100 Milliarden Euro betragen.

Kaum Umsätze im Interbankenhandel

Am Euro-Geldmarkt schwankte der Zinssatz für Tagesgeld am Dienstag um den Leitzins von 3,75 Prozent - das von der EZB angestrebte Niveau. Der Zins für Euribor-Dreimonatsgeld wurde im Interbankenhandel mit 5,225 Prozent genannt, nach 5,31 Prozent am Montag und 5,38 Prozent am Freitag. Umsätze habe es im Interbankenhandel aber praktisch keine gegeben. Der Rückgang der Euribor-Zinsen, der nun begonnen habe, sei gleichwohl von großer Bedeutung. Denn viele Kredite an Unternehmen sowie zahlreiche Hypothekenkredite machten sich an den Euribor-Zinssätzen fest. Insofern bedeute der Zinsrückgang für die reale Wirtschaft eine Kostenentlastung.

Geldhändler gaben der Geldpolitik der EZB weiterhin überwiegend gute Noten. So habe die EZB mit ihren Beschlüssen in der vergangenen Woche dazu beigetragen, die Volatilität und damit die Unsicherheit am Markt für Tagesgeld zu verringern. Zu diesen Beschlüssen zählte, den Zinssatz für die marginale Kreditfaszilität von 4,75 auf 4,25 Prozent zu verringern sowie den Zinssatz für die Einlagenfaszilität von 2,75 auf 3,25 Prozent zu erhöhen.

Dadurch hat sich der Abstand zwischen diesen beiden Zinssätzen, die in der Praxis den Höchst- und den Tiefstzins für Tagesgeld markieren, von zuvor 2 Prozentpunkten auf einen Prozentpunkt verringert. Als Folge können Banken nun Geld, das sie zum Leitzins von 3,75 Prozent bei der EZB aufgenommen haben, bei ihr zu 3,25 Prozent wieder anlegen. Die Kosten des Geldhortens haben sich dadurch von zuvor 100 auf nun 50 Basispunkte verringert. Dies soll dazu beitragen, die Liquiditätsplanung zu erleichtern und die Unsicherheit zu dämpfen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: FAZ.NET

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