Anleihemarkt

Firmenanleihen locken mit gestiegenen Renditen

17. März 2008 Am Anleihemarkt haben die Kreditkrise und die damit verbundenen Rezessionsängste sowie der gesunkene Risikoappetit unterschiedliche Wirkungen gezeigt. Während die Nachfrage nach Staatsanleihen gestiegen ist und deren Renditen gesunken sind, hat die Bereitschaft zu Investments in Firmenanleihen deutlich nachgelassen.

Wie groß die Angst inzwischen ist, zeigt sich auch an den Renditen, die Anleihen vom Autobauer General Motors abwerfen. So rentiert die bis zum 06. Juni 2011 laufende Anleihe (Isin XS0187751150) mit 19,85 Prozent. Aus diesem hohen Niveau lässt sich ablesen, dass eine Pleite oder zumindest ein Zahlungsausfall von General Motors nicht mehr für undenkbar gehalten wird.

Aber auch ganz generell haben sich die Kreditrisikoaufschläge und die Renditen der Unternehmensanleihen sprunghaft erhöht. Seit Mitte 2007 sind diese Aufschläge um über 200 Basispunkte gestiegen und sie bewegen sich mittlerweile nahe dem Höchststand aus dem Jahr 2002. In einer der angehängten Grafiken lässt sich auch der positive Zusammenhang zwischen diesen Aufschlägen und den Ausfallraten der Firmen erkennen. Interessanterweise bewegen sich die Kreditspannen und die Ausfallraten seit dem vergangenen Sommer in unterschiedliche Richtungen.

Während die Fed die Leitzinsen senkt, steigen die Renditen der Unternehmensanleihen

Clariden Leu-Analyst Marc Schürer schlussfolgert daraus, dass die Marktteilnehmer eine wirtschaftliche Abschwächung befürchten und dass dies gepaart mit der aktuellen Kreditverknappung zu einem starken Anstieg der Ausfallraten führen wird. So erwartet die Ratingagentur Moody's in diesem und im nächsten Jahr aufgrund eines schwierigeren ökonomischen Umfeldes einen deutlichen Anstieg der Ausfallraten. Laut Schürer nehmen die Risikoaufschläge aber einen starken Anstieg jedoch bereits vorweg und bieten daher aus seiner Sicht eine attraktive Einstiegsgelegenheit.

Die gestiegenen Renditen bei den Firmenanleihen stehen auch im Kontrast zu den Maßnahmen der amerikanischen Notenbank. Denn diese hat bekanntlich seit dem vergangenen Herbst die Leitzinsen um 225 Basispunkte gesenkt. Und die Akteure an den Finanzmärkten erwarten derzeit sogar weitere Senkungen im Umfang von 100 Basispunkten bis zum Jahresende. Wie Schürer erläutert, sind aufgrund dieser aggressiven Zinssenkungen und in Antizipation weiterer Schritte die Zinsen auf amerikanische Staatsanleihen in den vergangenen Monaten sehr stark gesunken. Die Realzinsen auf inflationsgeschützten Staatsanleihen beispielsweise erreichten neue Rekordtiefststände.

Kursdruck auf Firmenanleihen dürfte zunächst noch anhalten

Nachdem nicht anzunehmen ist, dass in Sachen Kreditkrise bereits alle negativen Nachrichten auf dem Tisch sind, muss in den kommenden Wochen mit weiteren Hiobsbotschaften gerechnet werden. Eine anhaltende schlechte Nachrichtenlage dürfte tendenziell daher weiter Druck auf die Unternehmensanleihen und vor allem auf die Zinspapiere der Finanzwerte ausüben.

Vor diesem Hintergrund rechnet man bei der österreichischen Raiffeisenbank zunächst nicht mit einer Stabilisierung oder gar Erholung der Märkte. Vielmehr halten die Analysten dort weitere Spreadausweitungen für durchaus realistisch. Aber selbst wenn es noch etwas abwärts gehen sollte, haben einige Unternehmensanleihen für Halter bis zur Endfälligkeit interessante Renditeniveaus erreicht. So kommt beispielsweise im Bereich des Investmentgrads die bis zum 17. Mai 2021 laufende Anleihe von General Electric (Isin XS0254356057, Rating AAA/Aaa) auf eine Rendite von 6,21 Prozent, die bis 16. Februar 2012 laufende Repsol-Anleihe (Isin XS0287416423, Rating BBB/Baa1) wirft eine Rendite von 6,11 Prozent ab und die bis 11. April 2012 laufende Saint-Gobain-Anleihe (Isin XS0294547525, BBB+/Baa1) 6,22 Prozent.

Bei der allerdings bis zum 17. März 2055 laufenden Telecom Italia-Anleihe (Isin XS0214965963) steht eine optisch hohe Rendite von 7,83 Prozent angeschrieben. Und im High Yield Bereich bringt es die bis 10. Dezember 2010 laufende Tui-Anleihe (ISIN: XS0237435317) immerhin auf eine Rendite von 10,82 Prozent. Allerdings sollten sich interessierte Sparer auch nicht zu sehr von den Renditen blenden lassen. Denn die Mehrverzinsung ist letztlich nur dann etwas wert, wenn die Zinsen auch immer komplett gezahlt und am Ende das ausgeliehene Kapital auch komplett zurückgegeben wird. Und natürlich sind die aufgezeigten Renditen nur dann etwas wert, wenn sie nicht von der Inflation aufgefressen werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: Bloomberg, Merrill Lynch, Bloomberg, Raiffeisen RESEARCH, Clariden Leu, Merrill Lynch, Bloomberg

 
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