29. Januar 2008 Geht man nach dem Markt für hochverzinsliche Anleihen, ist eine Rezession in den Vereinigten Staaten eine ausgemachte Sache. Die Junkbonds haben den schlechtesten Jahresstart seit 1990 hingelegt, und der hohe Anteil der Junkbond-Emittenten bei amerikanische Unternehmensanleihen dürfte es noch schlimmer werden lassen.
Seit Jahresanfang haben die Hochzinsanleihen 1,8 Prozent eingebüßt, das entspricht einem Verlust von 17 Milliarden Dollar, zeigen Indexdaten von Merrill Lynch & Co. Der Renditeabstand zu Treasuries steigt im Gegenzug so stark wie seit mindestens elf Jahren nicht mehr. Und vergangenes Jahr haben die Emittenten mit Rating auf Ramscht-Niveau mit 51 Prozent aller Emittenten von Unternehmensanleihen erstmals die Mehrheit gestellt, berichtet Standard & Poor's. 1992 lag ihr Anteil noch bei 28 Prozent.
Riskant: Papiere von Einzelhändlern, Hausbauunternehmen und Hypothekenanbieter
Das lässt nichts Gutes für die Ausfallquoten erwarten. Die UBS sieht die Zahlungsausfälle in diesem Jahr bereits bei über acht Prozent, das wäre der höchste Stand seit 2002, als der Zusammenbruch des Energiehändlers Enron die Märkte durcheinanderwirbelte. Am riskantesten - gemessen an den Renditeaufschlägen - gelten Einzelhändler, Hausbauunternehmen und Hypothekenanbieter. Auf dem Weg vom Höhepunkt des Marktes zum Tiefpunkt haben wir zwischen der Hälfte und 60 Prozent zurückgelegt, wenn die Volkswirtschaft schrumpft, erklärt Michael Parks, Managing Director bei dem Vermögensverwalter TCW Group Inc. in Los Angeles. Wer will da noch viel Geld investieren?
Bei der bisher letzten Rezession in den Vereinigten Staaten fielen die Kurse der Junkbonds zwischen März und November 2001 im Schnitt neun Cent je Dollar Nominalwert. In diesem Monat sind die Junkbond- Kurse zwei Cent je Dollar Nominalwert gefallen. Ein weiterer Verlust von sieben Cent würde zu Verlusten in Höhe von rund 50 Milliarden Dollar führen, nimmt man die 709 Milliarden Dollar Anleihevolumen im Hochzinsindex von Merrill Lynch als Grundlage.
In einer Rezession würde der Renditeaufschlag, den Investoren bei Junkbonds gegenüber Staatsanleihen verlangen, auf einen Durchschnittswert von mindestens zehn Prozentpunkten steigen, erwartet Parks. Derzeit liegt er bei rund sieben Prozentpunkten, im Juni betrug er gerade einmal 2,41 Prozentpunkte.
Sollte eine Rezession acht Monate anhalten, wie zuletzt 1990, dürfte das die Renditeprämien auf bis zu 16 Prozentpunkte treiben, warnt Martin Fridson, Vorstandschef des auf Hochzinsanleihen spezialisierten Analyseunternehmens FridsonVision in New York. Und genau das erwartet David Rosenberg, Chefvolkswirt Nordamerika bei Merrill Lynch. In einer Studie vom 22. Januar prognostizierte er ein sinkendes Bruttoinlandprodukt für die ersten drei Quartale 2008. Noch am 9. Januar hatte er mit Wachstum in jedem der vier Quartale gerechnet.
Anleihevolumen geht zurück - Anzahl der Emittenten auf Distressed-Niveau nimmt zu
Im vergangenen Jahr hat der Appetit von Investoren wie beispielsweise Hedge-Fonds es auch Unternehmen mit schlechter Bonität ermöglicht, Geld aufzunehmen und einen Zahlungsausfall zu vermeiden. Aber inzwischen haben die Verluste im Zusammenhang mit der Subprime-Hypothekenkrise die Banken und Investoren vorsichtiger werden lassen. In der zweiten Jahreshälfte 2007 wurden laut Bloomberg-Daten Junkbonds im Volumen von 43 Milliarden Dollar platziert, verglichen mit einem Rekordvolumen von 102 Milliarden Dollar in der ersten Jahreshälfte.
In den nächsten Jahren dürften die Verluste von bis zu 400 Milliarden Dollar aus der Subprime-Krise dazu führen, dass das Kreditvolumen um bis zu 2 Billionen Dollar niedriger ausfällt, schrieb Chef-amerikanische Volkswirt Jan Hatzius von Goldman Sachs am 16. November in einer Studie.
Deutlich gestiegen ist auch das Volumen von distressed debt, Anleihen, die mit einem Renditeaufschlag von mehr als zehn Prozentpunkten über amerikanische Staatspapieren gehandelt werden. Sie kommen inzwischen auf ein Volumen von 59,3 Milliarden Dollar, so viel wie seit 2003 nicht mehr, zeigen Daten von Merrill Lynch. Insgesamt notieren derzeit die Anleihen von 147 Emittenten auf Distressed-Niveau, verglichen mit rund 60 im November. Zu diesen Emittenten gehören unter anderem die Hypothekenbank Residential Capital und der Einzelhändler Bon-Ton-Stores.
Im Januar haben mindestens drei Unternehmen Anleihen nicht bedient oder einen Insolvenzantrag gestellt. Vergangene Woche beantragten das im kanadischen Montreal ansässige Druckunternehmen Quebecor World und der amerikanische Restaurantbetreiber Buffets Holdings. Gläubigerschutz. Das Hausbauunternehmen Tousa Inc. leistete eine fällige Zinszahlung nicht.
Text: Bloomberg
Bildmaterial: @unit
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.326,63 | -1,12 |
| TecDax | 573,04 | -5,15 |
| DowJones | 9.447,11 | -5,11 |
| Nasdaq | 1.754,88 | -5,80 |
| STOXX 50 | 2.878,82 | +0,22 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,00 |
| Bund Future | 117,28 | +0,26 |
| Gold | 882,70 | -0,66 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |