Rentenmarkt

Rußland-Anleihen werden „anlagewürdig“

31. Januar 2005 In Rußland verbuchen am Montag sowohl Aktien, die Währung als auch die Anleihen des Landes zum Teil deutliche Kursgewinne. Hintergrund ist die allerdings nicht ganz unerwartete Verbesserung der Kreditwürdigkeit des Landes durch die Ratingagentur Standard & Poor's.

Sie nahm die in den vergangenen Monaten deutlich gestiegenen Einnahmen des Landes als Anlaß, um das Rating von bisher BB+ auf BBB- heraufzustufen. Damit folgt das Institut den Konkurrenzunternehmen Fitch und Moody's, die die Kreditwürdigkeit des Landes schon zum Teil deutlich früher verbessert hatten.

Öleinnahmen vebessern Finanzsituation deutlich

Hintergrund sind einerseits die stark gestiegenen Einnahmen aus dem Verkauf von Öl. Das Land profitiert nicht nur von den deutlich steigenden Exportmengen des begehrten Rohstoffes, sondern gleichzeitig auch vom zum Teil deutlich gestiegenen Preis an den Weltmärkten. Das hat die Devisenreserven deutlich zunehmen lassen und damit auch die Fähigkeit deutlich verbessert, bestehende Schulden nicht nur zu bedienen, sondern unter Umständen sogar vorzeitig zurückzahlen zu können. Mit Deutschland zumindest werden solche Gespräche geführt.

„Die Hochstufung spiegelt die jüngste und entscheidende Verbesserung in den Schuldenlage und der Liquiditätssituation des Landes wider,“ wird S&P-Kreditanalystin Helena Hessel von der Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert. Die Verbesserung sei so signifikant, daß das politische Risiko, das auf Grund der staatlichen Interventionen im Unternehmensbereich - man denke nur an den Fall Yukos - überkompensiert werde.

Die Währungsreserven Rußlands lagen im Januar des Jahres 2005 einschließlich der Goldbestände bei 118,7 Milliarden Dollar und waren damit höher als die Auslandsschulden. Zusätzliche 18,8 Milliarden Dollar liegen in einem so genannten Stabilisierungsfonds, der das Budget des Landes vor einem eventuellen Rückgang des Ölpreises absichern soll.

Aktien, Anleihen und Devisen profitieren

Am Montag legt der RTS-Index an der russischen Börse 1,93 Prozent auf 637,21 Punkte zu. Nach einigen guten Tagen steht er kurz davor, den auf Grund der Yukoskrise und den damit verbundenen Kursverlusten von bis zu 32,7 Prozent im Index durchbrochenen langfristigen Aufwärtstrend wiederzugewinnen. Der gleitende Durchschnitt von 200 Tagen ist zumindest im Tagesverlauf schon einem überwunden worden. Auch der Rubel legt zu: nach knapp 38 Rubel sind aktuell nur noch 36,45 Rubel nötig, um einen Euro zu erwerben. Er scheint so langsam zumindest gegen den Euro so etwas wie einen Boden auszubilden.

Die bis ins Jahr 2030 laufende Dollar-Anleihe des Landes mit einem Kupon von fünf Prozent legt am Montag 0,54 Prozent auf 105,182 Prozent zu. Die Rendite fällt damit von 6,324 Prozent noch am Freitag auf 6,259 Prozent. Der Trend des Anleihepreises zeigt weiterhin nach oben und damit jener der Rendite nach unten. Eine im Vergleich mit der Vergangenheit deutlich solider gewordene Finanzbasis und das nach wie vor recht ansehnliche Wachstum des Landes dürften die Anleihen auf Grund der Zinsvorsprungs im internationalen Vergleich immer noch relativ interessant machen. Vor allem nun, da sie auf Grund des „Investmentgrades“ auch von mehr Fondsgesellschaften erworben werden können. Sie dürften interessanter sein als die Börse, da dort die politischen Risiken, falls sie wieder einmal zu Tage treten sollten, deutlicher durchschlagen dürften.

Der Chart zeigt die Entwicklung der russischen Rubels gegen den Euro in den vergangenen Jahren
Der Chart zeigt die Entwicklung der russischen Rubels gegen den Euro in den vergangenen Jahren

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
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