28. Oktober 2004 Mit deutlichen Kursbewegungen reagieren sowohl Devisen-, als auch die Rentenmärkte auf die völlig überraschende Ankündigung der chinesischen Zentralbank, den Leitzins von 5,31 auf 5,58 Prozent anzuheben. Gleichzeitig wurden auch bisher geltende Zinsobergrenzen für Kredite abgeschafft.
Am Devisenmarkt legt der Dollar gegen Euro und Yen zu. Mit 106,79 Yen je Dollar liegt er zwar etwa auf dem Niveau des Vortages, allerdings auch deutlich über dem Tagestief von 105,97 Yen je Dollar. Gegen den Euro hat der Greenback von 1,2720 auf bis zu 1,2631 Dollar im Tagesverlauf zugelegt. Der Bund-Future dagegen befindet sich nach den zum Teil deutlichen Kursgewinnen in den vergangenen Tagen auf dem Rückzug und verliert 36 Stellen auf 116,48 Prozent. Auch die Futures des amerikanischen Rentenmärkte verbuchen leichte Kursverluste.
Zeitpunkt der Zinserhöhung überraschte
Die Devisenhändler scheinen die Zinserhöhung in einer spontanen Bewertung als Ersatz für die von vielen erwartete Aufwertung des chinesischen Yuan zu interpretieren und tendieren aus diesem Grund zumindest kurzfristig dazu, zuvor leer verkaufte Positionen zurückzukaufen. Allerdings darf der Schritt nach Expertenansicht nicht überbewertet werden. Der Zeitpunkt ist zwar überraschend, aber mit dem Zinsschritt an sich konnte man rechnen, kommentiert beispielsweise Währungsanalyst Daniel Katzive von UBS die Entwicklung.
Die Chinaexperten der Bank würden den Schritt nicht überinterpretieren. Er ziele nicht unbedingt darauf ab, die boomende Wirtschaft des Landes zu dämpfen und werde China auch nicht davon abhalten, den Wechselkurs der bisher fest an den Dollar gebundenen Währung anzupassen. Auch Adrian Schmidt, Chef-Währungsstratege der Royal Bank of Scotland würde den Zinsschritt nicht überbewerten. Die Entscheidung zu einer Aufwertung der Währung sei viel politischer und werde sicherlich nicht auf Basis einer zyklischen Wirtschaftsbewegung gefällt werden, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Auf der anderen Seite ist die Begründung für den Zinsschritt eindeutig. Das Ziel besteht darin, die Preisentwicklung und die starke Nachfrage nach Energie und Materialnachfrage zu dämpfen. Chinas Bemühungen, die Inflation zu bekämpfen, waren bisher zwar recht erfolgreich. Allerdings wird immer noch zuviel investiert, sagte Citibank-Chinaexperte Yiping Huang. Er rechnet kurzfristig mit weiteren Zinserhöhungen. Und das dürfte manchen Branchen nicht unbedingt gefallen.
Entspannung im Rohstoffbereich denkbar
Denn das letzte Mal, als China versuchte, die Wirtschaft mit höheren Zinsen abzukühlen, hat sich das Wachstum von 12,8 Prozent im Jahr 1994 auf 7,1 Prozent im Jahr 1999 halbiert. Sollte diese Entwicklung wiederholt werden, würde das auch die Nachfrage nach Rohstoffen dämpfen. Aus diesem Grund befinden sich die Aktien von Rohstoffunternehmen am Donnerstag in der Defensive.
Eine Entspannung im Rohstoffsektor - kurzfristig deutet sie sich in Form eines fallenden Ölpreises an - könnte auch Bedenken mindern, die Preissteigerungen könnten das globale Wachstum deutlicher Bremsen. Sie hatten in den vergangenen Wochen zur Vermutung geführt, die amerikanische Zentralbank könnte den Leitzins nicht mehr oder nur zögerlich erhöhen. Und das hatte die Rentenmärkte beflügelt und die Renditen deutlich fallen lassen.
Sie führten praktisch zu einem ziemlich stimulativen monetären Umfeld. Das heißt, die bisherigen Leitzinserhöhungen der amerikanischen Notenbank sind faktisch verpufft. Weitere scheinen damit um so wahrscheinlicher zu werden, was dem Rentenmarkt nicht unbedingt schmecken würde. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, auf die Trends am Rentenmarkt, aber auch bei Rohstoffen, den Rohstoffunternehmen und Rohstoffwährungen zu achten. Für den Rentenmarkt dürften auch Überlegungen eine Rolle spielen, nach welchen die Zinserhöhung weitere Veränderungen im chinesischen Finanzsystem andeuten könnten. Das wird dann kritisch werden für den amerikanischen Rentenmarkt und möglicherweise für den Dollar, wenn China weniger amerikanische Staatspapiere kaufen sollte. Zuletzt war das Land neben Japan einer der Hauptkäufer.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.127,44 | -2,42 |
| TecDax | 761,19 | -4,17 |
| DowJones | 11.191,25 | +0,03 |
| Nasdaq | 2.256,79 | -0,10 |
| STOXX 50 | 3.185,83 | -2,72 |
| Nikkei 225 | 12.212,23 | -2,75 |
| S&P 500 Zert. | 12,28 | -3,08 |
| Euro/Dollar | 1,42 | -0,18 |
| Bund Future | 115,29 | +0,13 |
| Gold | 801,90 | +1,34 |
| Öl | 104,17 | -3,09 |