Unternehmensanleihen

Bankanleihen versprechen hohe Renditen

15. April 2008 Es ist kein Jahr her, da konnten sich private Banken noch zu Zinsen Geld beschaffen, die sich nicht viel von denen großer europäischer Staaten unterschieden. Aus heutiger Sicht muss das für die Finanzvorstände von UBS, der Deutschen Bank und Konsorten eine wehmütige Erinnerung sein. Sie können trotz noch immer guter Bonitätsnoten froh sein, dass sie einigermaßen reibungslos an Geld kommen.

Das ärgste Misstrauen der Anleger hat sich in der vergangenen Woche wieder etwas gelegt. Das haben viele Banken genutzt, um neue Anleihen auf den Markt zu bringen. Seit Anfang April haben allein europäische Banken Titel im Wert von gut 20 Milliarden Euro begeben, hat die Landesbank Baden-Württemberg gezählt.

Banken müssen Anlegern aufgrund der Risiken beachtliche Renditeaufschläge bieten

Doch statt der Risikoprämien von 0,2 bis 0,5 Prozentpunkten - wie es die Banken vor dem Beginn der Finanzkrise gewohnt waren - müssen es heute mindestens 1,5 bis 4 Prozentpunkte sein, sonst halten sich die Investoren fern. Die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley hat kürzlich zum Beispiel eine erstrangige dreijährige Anleihe mit einem Kupon von 6,5 Prozent begeben. Das sind rund 3 Prozent mehr Zins, als von Bundesanleihen gleicher Laufzeit zu erwarten ist.

Noch höhere Risikoprämien gibt es bei nachrangigen Anleihen. Sie haben aus Sicht der Anleger den Nachteil, dass die Laufzeit unbestimmt ist und im Insolvenzfall andere Gläubiger vorrangig bedient werden. Wer dies in Kauf nimmt, wird allerdings - anders als vor dem Beginn der Finanzkrise - mit attraktiven Konditionen belohnt. Gerade hat zum Beispiel die Schweizer UBS eine Anleihe mit einem Kupon von 8,8 Prozent begeben. Die Bank kann diese frühestens im Jahr 2013 tilgen. Sie hat aber auch das Recht, die Rückzahlung auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Dann würde vom Jahr 2013 an der feste Kupon durch einen variablen mit einem hohen Risikoaufschlag ersetzt: der Euribor-Satz für Dreimonatsgeld zuzüglich 4,65 Prozent. Andere neue Nachranganleihen kommen von ING (8 Prozent) und in Dollar von Natixis (9 Prozent).

So mancher Privatanleger hat schon Erfahrungen mit Nachranganleihen der Banken gemacht, allerdings bisher meist sehr schlechte. Denn einige deutsche Banken - darunter Postbank, Eurohypo und Deutsche Bank - haben schon vor einigen Jahren strukturierte Nachranganleihen mit kleinen Stückelungen an Privatanleger verkauft. Viele griffen zu - geblendet von der anfänglich hohen Verzinsung, die allerdings nur in den ersten Jahren gilt. Nach der Phase der festen Verzinsung folgt ein variabler Zins, der je nach Ausgestaltung zum Beispiel von einem regelmäßig festgestellten Satz für zehnjährige Leihgeschäfte abhängt oder von der Zinsstrukturkurve, zum Beispiel dem Abstand zwischen den Zinsen für zehnjährige und zweijährige Laufzeiten. Die Konditionen waren meist schon zum Zeitpunkt der Emissionen ungünstig für die Anleger. Das galt umso mehr nach dem Beginn der Finanzkrise vor knapp einem Jahr. Denn seitdem müssen die Inhaber fürchten, dass die Anleihen nicht zum frühest möglichen Zeitpunkt getilgt werden und dass Zinszahlungen ausfallen könnten.

Kurse von Nachranganleihen sind stark gefallen

Deshalb sind die Kurse derartiger Nachranganleihen stark gefallen und haben den Anlegern der ersten Stunde hohe Verluste bereitet. Der Kurs einer Nachranganleihe der Eurohypo hat sich zum Beispiel halbiert. Eine strukturierte Anleihe der Deutschen Bank notiert nur noch mit 60 Cent je Euro Nennwert. Das ist für Anleger, die bei der Emission zugegriffen haben, mehr als ärgerlich. Umgekehrt können Käufer, die heute zugreifen, aber auch auf hohe Renditen spekulieren. Denn die erwähnte Anleihe der Deutschen Bank zum Beispiel ist noch bis Juni 2010 mit einem Kupon von 7 Prozent ausgestattet. Erst danach zahlt die Deutsche Bank einen variablen Satz, der vom Abstand des Zinsniveaus für kurzfristige und langfristige Forderungen abhängt und derzeit bei etwa 2,5 Prozent liegen würde. Der variable Zins wird mindestens bis zum Jahr 2015 gezahlt. Dann kann die Deutsche Bank freiwillig den vollen Nennwert tilgen oder es auch sein lassen.

Das Prinzip gilt für alle Nachranganleihen. Werden sie pünktlich zum frühest möglichen Termin gekündigt und getilgt, dann würden Anleger, die zu heutigen Kursen einsteigen, hohe Erträge erzielen. Doch das ist alles andere als selbstverständlich. Gerade hat eine kleine italienische Bank, die Credito Valtellinese, den ersten Kündigungstermin für eine Nachranganleihe verstreichen lassen.



Text: ruh., F.A.Z.
Bildmaterial: FAZ.NET

 
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