Unternehmensanleihen

Islands Banken unter Druck

09. April 2008 Als die Finanzwelt noch in Ordnung schien, war die dünn besiedelte Insel Island eines der heimlichen Finanzzentren der Welt. Für die Verhältnisse des kleinen Landes mit der Einwohnerzahl von Bielefeld relativ umfangreiche Direktinvestitionen hatten zu einem Boom geführt, die Inflation und allenthalben das Zinsniveau nach oben getrieben, so dass sich Geldanlagen geradezu aufdrängten.

Davon profitierten die einheimischen Banken, die in den europäischen und weltweiten Finanzmarkt drängten, Unternehmen übernahmen und die Käufe vor allem mit dem Geld ausländischer Gläubiger bezahlten. Doch in den vergangenen Monaten nahm der Druck zu.

Ratings unter Druck

Im Januar scheiterte die Übernahme der niederländischen Bank NIBC durch die Kaupthing Bank, offenbar weil die Isländer die dafür vorgesehene Kapitalerhöhung nicht plazieren konnten. Zuvor schon hatte Moody's in diesem Zusammenhang eine Herabstufung des Ratings der Bank erwogen.

2008 folgten diese dann, nicht nur für Kaupthing, sondern auch für die Wettbewerber Glitnir und Landsbanki. Und damit noch nicht genug. Den Ratingagenturen machen die Banken, auf die etwa 80 Prozent der isländischen Auslandsschulden entfallen, erhebliche Sorgen.

Fitch stellten Ende März eine Senkung der Bonitätsnoten in Aussicht, weil sie zwar die Liquidität für ausreichend hielten, aber befürchteten, dass das Misstrauen in der Branche die Liquidität immer wieder unerwartet belasten könnte.

Bankensystem belastet das Land

Zudem sind die Wirtschaftsdaten schlecht. Islands Inflationsrate ist auf 8,7 Prozent gestiegen, der Leitzins auf 15 Prozent. Die isländische Krone hat in den vergangenen Monaten im Umtauschverhältnis zum Euro mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren. Das Risiko einer „harten Landung“ der Wirtschaft verstärkt sich zusehends - das könne deutlich auf die Vermögenswerte der Institute durchschlagen.

Deutlicher wurde nun noch Moody's. Die Ratingagentur sorgt sich „über die Belastungen durch möglicherweise bislang nicht absehbare Verbindlichkeiten der isländischen Banken“, hieß es in dem Jahresbericht der Ratingagentur zu Island, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Probleme im Bankensektor könnten auf das gesamte Finanzsystem des Landes überspringen.

Die kreditfinanzierte Expansion der Banken bedrohe das bisher erstklassige Rating des Staates Island. Es bestehe die Gefahr, dass für die Verbindlichkeiten Staatsgelder verwendet werden müssen, begründet die Ratingagentur ihre Einschätzung.

Anleihen unter Druck

Im vergangenen Jahr entsprach die Bilanzsumme der drei größten isländischen Banken dem Neunfachen des Bruttoinlandsproduktes des Landes. Die Ratingagentur hatte bereits am 5. März den Ausblick für die Bonitätsnote des Landes auf negativ gesetzt. Am 28. Februar hatte die Ratingagentur das Finanzstärke-Rating von Kaupthing, Landsbanki und Glitnir auf „C-“ zurückgestuft.

Die Banken haben außerhalb des Landes expandiert und das Wachstum größtenteils durch Anleiheemissionen finanziert. Die Besorgnis der Anleger über die Qualität der Papiere hat die Kreditausfallswaps auf die isländischen Banken in der vergangenen Woche zeitweise auf den höchsten Stand in Europa getrieben. Wer eine erstrangige Forderung gegen Kaupthing auf dem Derivatemarkt versichern will, zahlt derzeit nach Daten des Finanzinformationsdienstes Bloomberg gut 8 Prozent Risikoprämie, für Forderungen gegen die Deutsche Bank weniger als ein Prozent. Gleichzeitig fielen die Anleihenkurse in den vergangenen sechs Monaten um bis zu 40 Prozent.

„Das Risiko einer Ansteckung unter diesen drei Banken hat die Besorgnis über eine systemweite Krise verstärkt“, teilte Moody's mit. Solch einer Systemkrise räumte die Ratingagentur jedoch eine geringe Wahrscheinlichkeit ein.

Regierung unter Druck

Island besitze jedoch eine hoch entwickelte Wirtschaft. Im Vergleich zu anderen hoch bewerteten Ländern schneide Island gut ab, auch wegen der geringen Staatsverschuldung, der ökonomischen Flexibilität, des demographischen Profils sowie wegen des gut finanzierten Rentensystems. Die Ratingagentur bewertet Island mit dem Spitzenrating „AAA“, wenn auch mit einem negativen Ausblick infolge der schwächeren Finanzkraft der drei großen Banken des Landes.

Auch Islands Premierminister Geir Haarde warf sich in die Bresche. Spekulationen über einen Zahlungsausfall des Landes seien lächerlich, die Banken finanziell gesund. Es sei offensichtlich, dass es Menschen gebe, die auf Kosten des Landes Geld verdienen wollten. Auch Islands Notenbank hält den Druck auf die Banken für das Ergebnis einer „skrupellosen Spekulation“. Die Regierung denkt schon öffentlich über Eingriffe in den Markt nach.

Für Privatanleger ist es indes relativ unerheblich, ob der Druck auf die Banken aus deren finanzieller Schwäche resultiert oder aus spekulativen Attacken. Aufgrund der geringen Größe des Landes ist dieses verwundbar.

Chancen in der Krise

Die Aussagen Geir Haardes aber lassen die Anleihen der Banken durchaus interessant erscheinen. Ein Eingreifen sei zwar nicht notwendig, aber im Extremfall würde man das tun, was jede andere Regierung tun würde. Man habe als Regierung und Zentralbank die nötigen Ressourcen.

Damit gibt der Premierminister praktisch eine Bestandsgarantie und das spricht zumindest für die vorrangigen Anleihen der Institute. Deren Eurobonds sind allerdings fast durchweg variabel mit geringfügigen Aufschlägen auf den Drei-Monats-Euribor verzinst. Indes könnte ein Halten bis zur Endfälligkeit, zumeist zwischen 2010 und 2012 durchaus ansehnliche Renditen bringen.

Beispielsweise notiert die mit einem Aufschlag von 15 Basispunkten auf den Drei-Monats-Euribor verzinste Rente der Kaupthing Bank (Isin XS0219823266) derzeit bei 85 Prozent des Nominalwerts. Bereits ohne Kupon ergibt dies eine Rendite von knapp acht Prozent.

Riskant sind die Papier allemal. Sollte die Krise das isländische Bankensystem entgegen aller Beteuerungen ins Rutschen bringen, könnte es zumindest teilweise zu Zahlungsausfällen kommen. Kaupthing fällt auf dem deutschen Markt derzeit mit äußerst hohen Zinsen von 5,65 Prozent für Tagesgeld auf. Michael Kramer, Leiter der deutschen Kaupthing-Niederlassung, begründet dies allerdings damit, dass man Privatkunden langfristig an die Bank binden wolle.

Im Sinne einer kontrollierten Spekulation wäre es ratsam, den Einsatz und das Risiko zu begrenzen, indem man sich für vorrangige Emissionen mit geringer Stückelung entscheidet, wie etwa die genannte Kaupthing-Anleihe. Wer indes Anleihen wählt, um das Risiko seines Depots zu begrenzen, ist im aktuellen Umfeld mit isländischen Banken-Anleihen wohl eher weniger gut bedient. Dafür ist die Situation derzeit zu unübersichtlich.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: Bloomberg, F.A.Z., REUTERS

 
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