15. März 2008 In normalen Zeiten leben Wertpapierhändler von möglichst viel Umsatz. Jetzt - in der Finanzkrise - scheint zum Überleben zu gehören, dass sie ihn vermeiden. Zumindest ist diese Strategie auf dem Pfandbriefmarkt gerade en vogue.
Sie glauben gar nicht, wie viele Händler gerade technische Schwierigkeiten haben, wenn man ihnen heute Pfandbriefe anbietet", heißt es bei einer Bank. Der Händler einer anderen berichtet von einem Nichtangriffspakt". Man habe sich mit den Kollegen anderer Banken darauf geeinigt, nichts anzubieten. Damit erspare man dem Geschäftsfreund die Verlegenheit, sich verleugnen zu lassen.
Technische Schwierigkeiten im Handel mit Pfandbriefen
Anders als für Aktien, gibt es für Pfandbriefe kein elektronisches Handelssystem. Sie werden per Telefon von professionellen Händlern der Banken ge- und verkauft. Die Konsortialbanken, die - bezahlt von den Emittenten - eine Emission betreuen, haben sich zur Marktpflege verpflichtet. Sie müssen also Kurse für An- und Verkauf stellen. In der Finanzkrise wurden diese Pflichten schon mehrfach außer Kraft gesetzt und später wieder eingeführt. Dieses Mal gibt es keinen offiziellen Beschluss. Dennoch ist der Handel in großen Teilen zum Erliegen gekommen.
Das ist umso erstaunlicher, da Pfandbriefe - anders als die im Zentrum der Krise stehenden Kreditverbriefungen - eine gute Qualität haben. Ihre Verbindung zum Krisenherd, dem amerikanischen Immobilienmarkt ist denkbar gering. Pfandbriefe sind gesetzlich reguliert, haben eine mehr als 200 Jahre alte Tradition, in den letzten hundert Jahren gab es keine Pleite, sie sind mehr als ausreichend mit Hypothekenkrediten beziehungsweise Staatskrediten besichert und zusätzlich von der emittierenden Hypothekenbank garantiert. Und doch schrecken die Händler zurück, zumindest wenn ihnen Pfandbriefe in größeren Mengen angeboten werden. Was sind also die Gründe für den erstarrten Handel?
Die Wertpapierhändler sind gewohnt, wenn sie für eine größere Summe Pfandbriefe kaufen und nicht sofort an einen Anleger weiterreichen können, auf dem Markt für Staatsanleihen eine Verkaufsposition aufzubauen. Das schaltet das Zinsänderungsrisiko aus. Doch derzeit sind besonders für spanische, britische und irische Titel diese Absicherungsgeschäfte schwieriger geworden, berichten Händler. Wegen der - im Vergleich zu normalen Marktphasen - starken Kursschwankungen trauen sie sich nicht, Titel auf eigenes Risiko zu halten, bis ein Käufer gefunden ist. Zumal die Banken ohnehin in einer schwierigen Situation sind und mit ihrem begrenzten Eigenkapital nicht noch mehr Risiken tragen können und wollen.
Privatanleger müssen mit Pfandbriefen nicht schlecht gefahren sein, die Handelsspannen jedoch sind größer geworden
Das verstärkt noch das allgemeine Streben nach einem Höchstmaß an Sicherheit, das sich auch auf allen Märkten für bonitätsstarke Anleihen beobachten lässt. Die Anleger machen in der Krise einen Unterschied zwischen guter und sehr guter Qualität. Die Risikoprämien für spanische Staatstitel haben sich zum Beispiel in den vergangenen Monaten um bis zu 30 Basispunkte erhöht. Selbst für Anleihen der KfW-Bankengruppe, für die der deutsche Staat haftet, verlangen Käufer eine Risikoprämie von 0,4 Prozentpunkten im Vergleich zu Bundesanleihen. Das ist das Fünf- bis Zehnfache früherer Werte. Wirklich uneingeschränkt begehrt sind in Europa - zur Freude des Finanzministers - nur deutsche Bundesanleihen.
Der eingefrorene Pfandbriefhandel bedeutet übrigens nicht, dass Anleger mit den gedeckten Schuldverschreibungen schlecht gefahren wären. Die Risikoprämien für Anleihen deutscher Hypothekenbanken haben sich nur um etwa 20 Basispunkte ausgeweitet. Da im selben Zeitraum das allgemeine Zinsniveau sehr viel stärker gesunken ist, sind die Kurse der Pfandbriefe sogar gestiegen. Sie können auch ihre Wertpapiere ohne Schwierigkeiten verkaufen, denn der Markt ist nur unter den Banken eingeschränkt, die sehr große Summen handeln.
Allerdings hat dies auch für Privatanleger einen negativen Nebenaspekt. Die Spannen zwischen An- und Verkaufskursen haben sich deutlich ausgeweitet. Abstände von 0,8 Prozent des Nennwerts sind bei längeren Laufzeiten keine Seltenheit.
Text: F.A.Z., 15.03.2008, Nr. 64 / Seite 23
Bildmaterial: F.A.Z.
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Das Mäc Tollald-Cola Schildchen nicht vergessen
09:32Sie haben ja soooo recht Herr Druyen
09:29Die Statistk zeigt nur die Armut an Geist und den Weg der Lüge zur Macht.
