Rezessionsangst

Anleger flüchten in Staatsanleihen

Wie die meisten europäischen Autohersteller musste auch Mercedes Benz einen sinkenden Absatz melden

Wie die meisten europäischen Autohersteller musste auch Mercedes Benz einen sinkenden Absatz melden

15. Oktober 2008 Aus Angst vor einer weltweiten Rezession haben sich die Anleger wieder von Aktien abgewendet und greifen verstärkt zu den als sicher geltenden Staatsanleihen. Die erhöhte Nachfrage nach zehnjährigen Bundesanleihen ließ ihre Rendite von 4,12 Prozent auf 4,08 Prozent sinken. Der Bund-Future - der Terminkontrakt auf Bundesanleihen ist richtungweisend für den europäischen Anleihenhandel - stieg am Vormittag um 39 Basispunkte auf 114,38 Punkte.

„Die Aktien verlieren an Schwung“, sagte ein Händler mit Blick auf die Kursverluste an den europäischen Börsen. „Theoretisch sollte das den Bonds starken Auftrieb geben, aber uns steht eine Welle von Neuemissionen bevor. In absehbarer Zukunft wird es ein ausreichendes Angebot geben.“

Belastung für die Aktienmärkte

Börsianer gehen davon aus, dass viele Staaten ihre Rettungspakete für die Finanzbranche über Anleihen finanzieren werden. Dies bedeutet, dass sie dazu ihr Emissionsvolumen stark erhöhen. Um diese zusätzlichen Papiere bei den Anlegern zu platzieren, werden die Regierungen unter Umständen höhere Zinsen als bisher bieten müssen. Sollte dies der Fall sein, gewinnen Anleihen an Attraktivität gegenüber Aktien. Dies wäre eine weitere Belastung für die Aktienmärkte.

Schon jetzt drückt die Furcht vor einer Rezession die Aktienmärkte ins Minus. Am Mittwochvormittag lag der Dax 2,4 Prozent im Minus bei 5073 Punkten. Damit hat das fulminante Kursfeuerwerk vom Montag und Dienstag - wie von vielen Marktbeobachtern erwartet - nur für eine kurzfristige Entlastung gesorgt. Der M-Dax verlor am Mittwoch 3,4 Prozent auf 5845 Punkte und der Tec-Dax 2,9 Prozent auf 569 Punkte.

Nach Einschätzung von Janet Yellen, Präsidentin der Fed von San Francisco, haben sich die Aussichten für die amerikanische Wirtschaft merklich verschlechtert. Nahezu jeder wichtige Sektor sei betroffen. Zwar habe sie die koordinierte Zinssenkung der Vorwoche unterstützt, fügte sie hinzu. Doch seien Zinssenkungen kein Allheilmittel. Yellen wird im nächsten Jahr im Offenmarktausschuss (FOMC) der amerikanischen Notenbank Fed Stimmrecht haben. Von daher hat ihre Einschätzung an den amerikanischen Finanzmärkten Gewicht.
Aber auch die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute kamen in ihrem Herbstgutachten am Dienstag zu der Einschätzung, dass die deutsche Wirtschaft am Rande einer Rezession steht.

Die erste Euphorie ist verflogen

„Nach der ersten Euphorie an den Börsen über die weltweit lancierten Rettungspakte scheint sich der Staub langsam zu legen und nach der Achterbahn der letzten Tage setzt eine gewisse Katerstimmung ein“, schrieben die Analysten der Commerzbank in einem Marktkommentar. Die Zurückgewinnung des verlorenen Vertrauens in das Finanzsystem sei eine langwierige Angelegenheit.

Am Mittwoch haben auch die dauerhaften Spannungen am europäischen Geldmarkt die Aktienmärkte belastet. Die Europäische Zentralbank (EZB) musste dem Geldmarkt abermals Liquidität in Dollar zuführen. Die Zentralbank begrenzte die Zuführung auf 100 Milliarden Dollar, obwohl Gebote von 120 Milliarden Dollar abgegeben worden sind.

Hohe Kursverluste verzeichneten dieses Mal nicht die Bankenaktien. Vor allem von Autowerten trennten sich am Mittwoch die Anleger. MAN tendierten 9,7 Prozent schwächer bei 41,27 Euro, Daimler verloren 5 Prozent auf 26,79 Euro und BMW 4,3 Prozent auf 21,56 Euro.

Absatz in der Autobranche bricht ein

Auslöser waren die schwachen Absatzzahlen der Branche: Die Angst der Verbraucher vor einem Abschwung und Schwierigkeiten mit der Finanzierung neuer Pkw haben der Autobranche in Europa den schlechtesten September seit zehn Jahren beschert. Trotz zweier zusätzlicher Verkaufstage wurden im vergangenen Monat 8,2 Prozent weniger neue Pkw zugelassen als im September 2007, wie die Vereinigung der europäischen Autohersteller (ACEA) am Mittwoch mitteilte. Insgesamt waren es 1,3 Millionen.

Der Absatz brach den dritten Monat in Folge ein. „Normalerweise ist der September ein starker Verkaufsmonat, in dem der Autoabsatz nach den ruhigeren Sommermonaten wieder anzieht“, äußerte sich der Verband enttäuscht. Seit Anfang des Jahres gingen 11,7 Millionen Neuwagen an europäische Käufer, ein Minus von 4 Prozent.

Conti dagegen sind gesucht

Gegen die Branchentendenz verteuerte sich die Aktie des Autozulieferers und Reifenherstellers Continental um 2,9 Prozent auf 40,66 Euro. Zeitweise hatte der Titel um 5,6 Prozent zugelegt.

Der Großaktionär Schaeffler hatte am Morgen mitgeteilt, weitere Anteile an Continental gekauft zu haben. Die Gruppe habe am 14. Oktober außerhalb des Angebotsverfahrens 834.000 Conti-Aktien erworben. Der durchschnittliche Kaufpreis je Aktie betrug 63,096 Euro. Diese Aktien entsprächen einem Anteil von 0,49 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte der Continental.

Text: hlr.
Bildmaterial: AP

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