16. Oktober 2007 In Großbritannien gibt es sie seit 1981, in den Vereinigten Staaten seit 1997 und in Frankreich seit 1998: inflationsindexierte Anleihen, auch Linker genannt. Im März dieses Jahres zog schließlich Deutschland nach und legte erstmals eine inflationsindexierte Anleihe auf.
Der Erfolg war anscheinend groß genug. Nicht nur, dass der erste Linker (Isin DE0001030500) dreimal aufgestockt wurde, die für den 24. Oktober vorgesehene Aufstockung des Tenders für Bundesobligationen (Bobl) wird um eine Woche auf den 31. Oktober zugunsten eines Tenders für eine neue inflationsindexierte Obligation des Bundes mit einem realen Kupon von 2,25 Prozent verschoben.
Rechtzeitig zum Inflationsanstieg
Bei dem Linker mit einer Laufzeit von fünf Jahren werde ein Emissionsvolumen von vier Milliarden Euro angestrebt, teilte die mit dem Schuldenmanagement des Bundes beauftragte Finanzagentur am Dienstag mit. Laufzeitende der Papiere ist am 15. April 2013. Als Preisreferenzindex dient der für den Vergleich mit anderen europäischen Ländern ermittelte Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ohne Tabak.
Die Meldung kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, hat die Jahresteuerung in Deutschland im September doch den höchsten Stand seit zwei Jahren erreicht. Die Verbraucherpreise lagen im Schnitt um 2,4 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit wurde die erste Schätzung von 2,5 Prozent zwar leicht nach unten korrigiert, die Teuerungsrate blieb aber auf dem höchsten Niveau seit September 2005.
Der harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg um 2,7 Prozent, nur Slowenien
(3,6 Prozent) sowie Irland und Griechenland (jeweils 2,9 Prozent) wiesen eine noch höhere Teuerungsrate auf. Im Euro-Raum lag sie mit 2,1 Prozent deutlich niedriger, kletterte aber erstmals seit einem Jahr wieder über die Marke von zwei Prozent.
Alter Linker im grünen Bereich
Der neue Linker zeigt gegenüber seinem Vorgänger aus dem Vorjahr deutlich die Spuren eines höheren Zinsniveaus, betrug dessen realer Kupon doch nur 1,5 Prozent. Bezogen auf die Teuerung vor einem Jahr berechnete sich der Kupon damals 2,5 Prozent - weit weniger als der nicht-indexierter Anleihen von 3,75 oder vier Prozent. Das sieht jetzt bereits anders aus, beträgt der nominale Kupon des Linkers doch schon 3,9 Prozent.
Im Juli 2006 empfahl die DZ Bank in einer Kurzstudie den Linker Anlegern, die mit einer Inflation von mehr als 2,14 Prozent rechneten. Dieser Wert liegt nun unter der tatsächlichen Inflationsrate - allerdings bezog sich der Wert auf die Inflation über die gesamte Laufzeit hinweg.
Neben der Inflationserwartung spielt natürlich die Frage eine Rolle, ob sich der Linker nach Steuern noch lohnt. Denn das neue Papier gilt als Finanzinnovation - Kursgewinne sind deshalb auch außerhalb der einjährigen Spekulationsfrist zu versteuern. Aufgrund des Investitionsschutzes bleibt dieser Nachteil auch nach Einführung der Abgeltungssteuer bestehen.
Inflationswette - nur anders
Ob sich der Kauf eines Linkers am Markt lohnt, hängt aber auch schließlich von der Kursentwicklung ab und diese preist zumindest theoretisch die Inflationserwartungen mit ein. Die Anleihen kosten mehr als herkömmliche - und zwar um soviel mehr wie es eben den durchschnittlichen Inflationserwartungen am Markt entspricht.
Insofern ist die Inflationswette nur eine andere. Wettet der Anleger bei Festverzinslichen auf eine möglichst niedrige, am besten stabile bis sinkende Inflationsrate, kalkuliert er bei den sogenannten Linkern auch ein Anziehen der Preissteigerungsrate mit ein.
Das Wettergebnis drückt sich in der realen Rendite aus. Während diese bei herkömmlichen Anleihen dann steigt, wenn Deflation herrscht, sichert der Linker den realen Renditeverlust im Inflationsszenario ab. Soll heißen: Liegt die Preisentwicklung während der Laufzeit über den Markterwartungen, schneidet der Käufer einer inflationsgeschützten Anleihe im Vergleich zum Käufer einer normalen Anleihe real deutlich besser ab. Je höher die Inflation, desto größer der reale Spread zur vergleichbaren festverzinslichen.
Preisauftrieb könnte anhalten
Liegt die tatsächliche Inflation allerdings unter den Erwartungen, herrscht gar Deflation, so schneidet er entsprechend schlechter ab. Und abgesehen von der auf die Entwicklung der Inflationsrate bezogenen variablen Komponente verhalten sich die inflationsgeschützten Anleihen normal und reagieren auf Veränderungen in der Kreditwürdigkeit der Schuldner und auf Bewegung in der Zinslandschaft.
Steigt also die Inflationsrate oder befürchten die Notenbanken das Entstehen eines solchen Szenarios und heben die Leitzinsen an, kommt es auch bei den inflationsindizierten Papieren zu entsprechenden Kursverlusten. Allerdings würden die nicht so stark ausfallen wie bei den normalen Papieren, da sich ja Kupons und Rückzahlungsbeträge erhöhten.
Inflationsgeschützte Anleihen lohnen sich also vor allem dann, wenn die Preise schneller steigen als erwartet. Doch damit ist derzeit eher nicht zu rechnen. Für den Preisauftrieb ist vor allem die Verteuerung von Kraftstoffen um knapp neun Prozent und Heizöl um gut drei Prozent im Vergleich zum September 2006 verantwortlich. Diese sorgen für einen Basiseffekt. Da die Energiepreise vor einem Jahr rückläufig waren, fällt nun ein Anstieg der Preise entsprechend stärker ins Gewicht.
Gute Kaufgelegenheiten denkbar
Und dieser Basiseffekt werde in den kommenden Monaten erhalten bleiben und sich sogar verstärken, meint Commerzbank-Volkswirt Matthias Rubisch. Bis April 2008 werde sich die Inflation über zwei Prozent halten.
Hat der Volkswirt allerdings recht, so wird die Inflation dann wieder unter diese Marke sinken. Zudem rechnet die Commerzbank in den kommenden Monaten nicht mit einer Zinserhöhung der EZB, da diese den energiebedingten Preisauftrieb nicht dämpfen werde.
In einem solchen Umfeld könnte sich für der Linker im Laufe des kommenden Jahres ein passendes Zeitfenster ergeben, wenn man ihn denn am Markt kaufen muss. Denn angesichts des hohen Geldmengenzuwachses, der inflationären Notenbankpolitik der Fed und der zunehmenden weltwirtschaftlichen Verflechtung, könnte die Inflationsrate zwar im kommenden Jahr pausieren, aber längerfristig wieder anziehen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
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