19. Juli 2004 Mit einem Zwischenspurt hat sich der Terminkontrakt Bund-Future mit Kursen um 114,30 Prozent auf den höchsten Stand seit drei Monaten vorgekämpft. Das kann als handfeste Überraschung gewertet werden, schien am Rentenmarkt nach dem massiven Renditenanstieg im zweiten Quartal doch alles angerichtet zu sein für weiter steigende Renditen.
Mit anziehenden Inflationsraten, einer gut laufenden Weltkonjunktur und der in Amerika eingeleiteten Leitzinswende fanden sich auch zahlreiche Argumente, die für steigende Renditen sprachen. Für die Zinsexperten waren die Argumente jedenfalls so überzeugend, daß sie sich bereits ziemlich einheitlich auf ein entsprechendes Zinsszenario eingeschoßen hatten.
Entwicklung der Kerninflation sorgt für Entspannung
Doch zumindest bisher hat die Mehrheit wieder einmal nicht Recht behalten. Die Renditen der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen haben sich dagegen von einem Zwischenhoch bei 4,42 Prozent wieder bis auf 4,20 Prozent zurückgebildet und zeigen sich damit unbeeindruckt davon, daß die Wachstumsprognosen für Deutschland zuletzt leicht nach oben angepaßt wurden.
Was schwerer wiegt ist eine leichte Entspannung an der Zinsfront, die zuletzt sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks zu beobachten war. Rückenwind erhielten die Rentenmärkte dabei vor allem aus Amerika. Dort ist die Gesamtinflationsrate im Juni mit 0,3 (0,6) Prozent im Monatsvergleich zwar stärker als das von Analysten im Schnitt erwartete Plus von 0,2 Prozent gestiegen, doch die Marktteilnehmer konzentrierten sich auf die Angaben zu Kerninflation. Und dieser unter Herausrechnung der Lebensmittel- und Energiepreise berechnete Wert ist nur um 0,1 (Vormonat 0,2) Prozent gestiegen und damit weniger stark als wie von Analysten mit 0,2 Prozent im Schnitt erwartet.
Alle Pessimisten geben sich aber noch nicht geschlagen
Volkswirte schlußfolgerten daraus, daß in Amerika bis Jahresende nur noch mit einer sehr moderaten Zinserhöhung auf maximal zwei Prozent zu rechnen sei. Stellvertretend für die Marktmeinung kommentierte ein Händler die Inflationszahlen wie folgt: Jetzt können wir wohl davon ausgehen, daß die Fed beim nächsten Mal die Leitzinsen erneut um einen viertel, und nicht um einen halben Punkt erhöhen wird."
Und Analyst Gerald Müller von der Commerzbank ergänzt: Die Preisdaten stehen im Einklang mit der erwarteten moderaten Straffung der Geldpolitik. Auf kurze Sicht sei angesichts der weiterhin nur langsam steigenden Lohnstückkosten ein beschleunigter Preisauftrieb nicht zu erwarten. Vielmehr erweise sich der starke Anstieg der Kernteuerung im April und Mai nunmehr als temporäre Erscheinung.
Viele Experten halten die Rentenmärkte aber grundsätzlich noch immer für überbewertet. Auch einige Händler warnen davor, die Kurserholung überzubewerten und verweisen zur Begründung für ihre Bedenken auf die vermutlich grundsätzlich weiter steigenden amerikanischen Leitzinsen. Das ist eher ein guter Auftakt zum Wochenende, denn eine echte Hausse. Ich glaube nicht, daß wir es uns erlauben können, vor den Anhörungen des amerikanischen Notenbankchefs Alan Greenspan nächste Woche noch viel höher zu gehen, kommentierte ein Händler. Greenspan wird an diesem Dienstag und Mittwoch vor den zuständigen Ausschüssen des Kongresses über die Lage der Wirtschaft sprechen.
Deutlich verbesserte Charttechnik
Unabhängig von diesem Termin und fundamentalen Überlegungen kann dem Rentenmarkt aber eine eindeutig verbesserte Chartform konstatiert werden. Zwar gehen die Charttechniker bei HSBC Trinkaus von einem Auslaufen der jüngsten Aufwärtsbewegung beim Bund-Future im Bereich der nächsten Widerstandsmarken um 114,60 Prozent aus.
Grundsätzlich hat der Terminkontrakt ausgehend von dem Zwischentief bei 111,94 Prozent vom 11. Juni wieder den Übergang von einem Abwärts- in einen kurzfristigen Aufwärtstrend geschafft. Und solange neue Daten von der Konjunktur nicht wieder für ein Umdenken sorgen, dürfte die Gefahr markant steigender Renditen zumindest zunächst gebannt bleiben.
Die beiden Charts zeigen in dieser Reihenfolge die Entwicklung beim Bund-Future und der Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.613,20 | −0,12% |
| TecDAX | 752,81 | −1,05% |
| MDAX | 7.186,45 | −0,56% |
| SDAX | 3.484,70 | −0,34% |
| REX | 373,64 | +0,18% |
| Eurostoxx 50 | 2.856,44 | −0,13% |
| Dow Jones | 10.247,00 | +0,20% |
| Nasdaq 100 | 1.773,17 | +0,27% |
| S&P500 | 1.093,01 | −0,01% |
| Nikkei225 | 9.870,41 | 0,00% |
| EUR/USD | 1,4990 | +0,05% |
| Rohöl Brent Crude | 77,32 $ | −0,23% |
| Gold | 1.101,50 $ | −0,63% |
| Bund Future | 121,50 € | +0,22% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index10.11.2009 13:00 |
1348,03 | 1324,81 | 1261,80 |
Performance-Index10.11.2009 17:35 |
296,14 | 292,84 | 274,43 |
Euro-Aktien-Index10.11.2009 17:35 |
142,02 | 136,71 | 125,07 |
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